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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-16 · Heft 47 (16.11.1875) · p. Seite 765

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 47 (16.11.1875)
Date
1875-11-16
Page
Seite 765 (sequence 13)
Language
German
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765 Auch dies war anerkennenswerth, daß sämmtliche jüdische Gemeinde- und Schulvorsteher unseres Landes eingeladen waren. Diese Synagogenweihe bildet daher einen wichtigen Abschnitt in der jüdischen Geschichte des Herzogthums Brarmschweig. Mit lobenswerthester Umsicht und Treue haben besonders der Gemeindevorstand und die Baucommission, an ihrer Spitze die Herren M. Solmitz und l»r. Aronheim unverdrossen und eifrig gewirkt. Aus vollem Herzen darf man ihnen und Allen zurufen: fapr: 1urd": S. Vermischtes. Man schreibt aus München vom 30. September: Bei der heutigen Eröffnung des Landtages macht ein Vorgang einiges Aufsehen. Das Landtagswahlgesetz bestimmt, daß bei dem von den Abgeordneten - zu leistenden Eide: „So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium" dies letztere Wort von Angehörigen nichtchristlicher Confession hinweggelaffen werde. In Folge deffen erklären die israelitischen Abgeordneten: „Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe." Nun haben aber heute auch drei christliche Abgeordnete den Eid in dieser Form geleistet und unter diesen befindet sich sogar der als Reichslagsabgeordneter bekannte Geistliche Herr Merkte. Hausprälat des Papstes. Dr. Carlo Landberg theilt in einem „Libanon, Dela deng 1. October" datirten, in Stockholm eingegangenen Privatbriefe mit, daß er überall im Libanon Bernstein in natürlichem Zustande vorgefunden hat. Bei Djeba, 4 Stunden von Sidon, in einer schönen, aber wilden Gebirgstracht, untersucht Dr. Landberg augenblicklich ein altes Bernsteinlager, woselbst sich nicht nur Harz, sondern auch die verkohlten Bäume, aus welchen daffelbe floß, vorfinden. Ganze Baumstücke, an welchen noch Bernstein festsitzt, hat der schwedische Naturforscher gesammelt, um solche dem Museum in Stockholm, für deffen Rechnung Dr. Landberg forscht und gräbt, zu übermachen. Derselbe bemerkt u. A., daß es dadurch bewiesen, daß die Phönicier nicht aus ihrem Lande herauszugehen brauchten, um den für sie so wichtigen Bernstein zu suchen. Daß die Phönicier auch schon Eisenarbeiten gekannt, hat sich durch einen Fund deffelben Herrn bestätigt. Er hat nämlich im Libanon eine Grotte, genannt Berth. gefunden, welche nicht weniger als eine halbe Meile lang ist und welche in ihrer ganzen Ausdehnung von einem Eisenerzlager durchzogen ist und zwar hat eine in Bayruth angestellte Analyse ergeben, daß dies Eisen das Dannemora-Eisen an Qualität bedeutend überlriffr. In Frankfurt am Main besteht ein v. Cronstett'sches Stift, das für die Bekehrung jedes Juden per Kopf 25 Gulden bezahlt. Aus Schwerin (Mecklenburg) berichtet die „P. 3tg.": Hier fand eine Aufmerksamkeit erregende jüdische Trauung statt. Mit dem Bormittagszuge trafen aus Berlin ein, der Baron M. H. Sebag nebst Gemahlin, der Baron David Sebag, der Ritter D. Sebag nebst Bruder, nebst Dienerschaft, sämmtlich aus Tunis, Frau Dr. Henriette Heinemann aus Gothenburg, Dr. Leo Munk und der Rabbiner Dr. Hildesheimer aus Berlin. Letzterer vollzog in einem dazu hergerichteten Zimmer im „Hotel de Paris", unter Assistenz des mecklenburgischen Landesrabbiners Dr. Salamon Cohn, in hebräischer Sprache die Trauung des 17-jährigen Ritters Joseph Sebag, Officier des Beys von Tunis, mit der 15-jährigen Baroneffe Sesela Sebag, ebenfalls aus Tunis. Um 4 Uhr ttat die aus 20 Personen bestehende Gesellschaft die Rückreise nach Berlin an. Wie eine hiesige Zeitung mittheilt, sind die Barone Sebag in Tunis reich begütert. Wir lesen in der „Arena" von Verona: „Ein sonderbarer Proceß ist jetzt vor unserer Prätur in der Schwebe. Vergangenen Samstag war, wie bekannt, der große Fasttag der Israeliten. Daher erklärte eine Schauspielerin der hier gastirenden Kunstgesellschaft Scalvini, daß sie am vorhergehenden Abend (Freitag, nicht aus rer Bühne erscheinen werde. Der Director Scalvini hingegen wollte den dazu geforderten Urlaub durchaus nicht ertheilen. Indessen diese Schauspielerin trat an diesem Abend trotzdem nicht auf, und der Herr Director fordert nun, da die Bedingungen des Berttages ihn dazu berechtigen, einen Schadenersatz von 1000 Lire." In den Algier'schen Zeitungen wirbelte jüngst ein Auflauf, der am ersten Laubhüttentage auf einem öffentlichen Platze stattfand, vielen Staub auf. Eineingeborener Jude hatte an diesem Festlage seine Boutique geöffnet und wurde alsbald von einer Anzahl eingeborener Glaubensgenossen umringt, die ihn zwingen wollten, seinen Laden wieder zu schließen. Er entschuldigte sich damit, daß er an diesem Tage einen Wechsel zu bezahlen habe, nicht die volle Summe besitze, und daher noch einige Einnahmen machen müsse, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Tumult wuchs, bis ein reicher Jude dazwischen? trat, der die fehlende Summe vorschoß; der Laden schloß sich und die Menge verlief sich befriedigt. Man schreit nun viel über Religionszwang, der nicht geduldet werden dürfe, um so weniger, da die französischen Juden in Algier längst die Fest- und Ruhetage bezüglich ihres Gewerbes nicht beobachten. Andere dagegen bemerken, daß, wenn ein Muselmann sich erlaubt, am Ramadan zu essen, so daß es gesehen wird, er sich den gröbsten Mißhandlungen seitens seiner Glaubensgenossen aussetzt. Bei den Juden hatte es wenigstens einen günstigen Verlauf.

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