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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-02 · Heft 45 (2.11.1875) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 45 (2.11.1875)
Date
1875-11-02
Page
Seite 734 (sequence 14)
Language
German
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734 bei ihrer Ohnmacht jede Rachethat nur um so vernichtender auf sie selbst zurückfallen würde, anderentheils, daß sie zu sehr um ihr tägliches Geschick besorgt und bedrängt waren, um noch Zeit und Kraft für andere Gelüste zu haben, und endlich, daß die Juden gänzlich von der Anschauung erfüllt waren, daß alle Unbille, die sie erlitten, zum „Galuth" (Exil) einmal gehörten, also ruhig ertragen werden müßten, so wie von einer schrankenlosen Ergebung in den Willen Gottes, dem sie die Vergeltung überließen, aber auch von ihm zuversichtlich erwarteten. Der ganze Typus der Rachejuden ist also erfunden, und muß daher stets oder weniger mißglücken! (Schluß folgt.) Vermischtes. Die deutsche Wisienschaft in ihrer ernsten und strengen Erscheinung verdient sicherlich die höchste Werthschätzung und Verehrung. Weniger jedoch ist Lies der Fall, besonders in der Gegenwart, mit dem allgemeineren Theile derselben, und noch mehr, wo sie eine populäre Tendenz annimmt. Hypothesensucht einerseits, Schematismus und persönliche Neigung anderseits bringen da die sonderbarsten Erzeugnisse hervor, die alsdann mit einer unbeschränkten Süffisance auf Len Markt geschafft werden. Zeitschriften, welche wiffenschaftliche Gegenstände in populärer Weise behandeln, sind dafür der rechte Tummelplatz. — Wir wollen Einiges anführen. A. v. Kromer bespricht „Semitische Culturentlehnungen aus dem Pflanzen- und Thierreiche" im „Ausland". Er ist durchaus nicht principiell ungerecht gegen die Semiten, und spricht ihnen z. B. nicht ab, daß die Cultur des Weines, des Feigen- und Oelbaumes ihnen angehört — wie die Sprachforschung erweist. Dennoch läßt er sich folgendermaßen aus : „In dem großen Weltkampfe der Völker haben die Semiten Lurch fleißige Verwerthung des Eigenen und des Erborgten sich von jeher hervorgethan. Sie verstanden es immer, aus dem Capital möglichst hohe Zinsen herauszuschlagen. Aber wenn sie auch viel Fremdes annahmen oder sich aneigneten, so dürfte ihnen doch selbst ihr ärgster Feind kaum den Vorwurf machen, daß sie nicht eben so viel zurückzegeben haben. Zweimal führten sie eine großartige Vermittlerrolle durch, als echte Culturmäkler, wobei sie allerdings immer eine hohe Provision für eigene Rechnung einstrichen. Zuerst im Allerthum besorgten sie den Austausch der materiellen und geistigen Güter zwischen Europa und Afrika." Alsdann durch die großen Eroberungen der Araber, denen nur das römische Weltreich an die Seite gesetzt werden kann, wodurch der Austausch der Producte dreier Welrtheile ermöglicht ward. — Wir möchten wohl wißen, ob die Römer einen geringeren Mäklerlohn, eine weniger bedeutende Provision, als die Araber erhoben haben? wobei Loch noch zu beachten ist, daß die Araber von religiösem Fanatismus, die Römer hingegen von gemeiner Herrschunv Habgier beseelt waren. Oder haben die arischen Spanier, Portugiesen, Holländer und Engländer, als sie nacheinander Le» Weltverkehr vermittelten, keinen MLklerlohn, keine Provision erhoben? haben sie die Herrschaft über ungeheure Landstriche nicht beansprucht? die Völker nicht unterjocht und zum Theil ausgerottet? sich nicht im Handel die Volker aller Welttheile tributär gemacht? Wir glauben nicht, daß da irgend ein Unterschied zwischen diesen arischen Völkern und den semitischen, Phöniziern und Carthagern statlfand. Wozu also ein ungerechtes Streiflicht auf die Semiten werfen?-Zn der „Augsburger A. Z." bespricht der Egyptologe Lauth den Auszug aus Egypten, und da ihm 2 Mos. 3, 22. 23. 11, 2. 3. und 12, 35. 36 schwierig erscheinen, kommt er auf die Erklärung: Die Hebräer seien in Egypten neben ihrem Sklavendienst auch Pfandleiher gewesen, und hätten bei ihrem Abzüge, die bei ihnen versetzten Stücke den Egyptern für Vieh und Grundstücke abgekauft und mitgenommen! Da muß man doch ausrufen: worauf kommt doch ein deutscher Gelehrter nicht Alles! Die Herren konnten sich über diese Stellen viele Mühe sparen, wenn sie doch 3, 21. l l, 3. und 12, 36 die constanten Worte „Gott verlieh den Israeliten Gunst in den Augen der Egypter" und darum sollten sie diese Geschenke fordern, im Auge behielten. Was die Israeliten Mitnahmen, waren also Geschenke, und hatten den besonderen Zweck, zu erweisen, daß jener Sklavendruck nur vom Pharao ausgegangen, nicht vom egyptischen Volke, das vielmehr den Israeliten günstig gestimmt war, so daß auch die Zsraeliten das grausame Schicksal nicht durch ihr Thun hervorgerufen halten. Ein Pester Blatt bringt folgendes Curiofum: Ein interessanter Brief. Nachstehend veröffentlichen wir ein Schreiben, das im Jahre 1838 seitens der Direction des Nationaltheaters an die Pester israel. Religionsgemeinde gerichtet wurde: An die Wohlgebohrnen Herren Joseph Löbl v. Boscowitz, David v. Oestreicher, Salomon v. Ulmrn und Herrmann v. Lewy, *) Israeliten, mit gebührender Achtung in Pest. Ich ersuche Ihr Wohlgebohren mit Achtung, mögen Sie die Güte haben, und zur morgigen Vorstellung in ungarischen Theater, Mir Sänger der Verehrenden Israelitischen Kirche zu überlasten, damit Sie in den Couliffen, den Publikum unsichtbar, singen können. Die Absicht damit ist nur eine imposante Feyerlichkeit einer Opfer-Szene zu befördern, die vielleicht durch Bühnen- Säuger vorgetragen, viel weniger Effect machen würde. Der ich verbleibe mich Ihrer Gewogenheit empfohlen, Pest, den 9. 1838, Zhro ergebenster Jos. Bajza, Directeur des ungar. Nat.-Theaters in Pesth. Gerichts Tafel Beysitzer mehr. Somit, und Mitglied der ung. Gelehrten-Gesellschaft in Pesth. 1) Bekanntlich war es iu Oesterreich Sitte, jeden anständigen Mann „Herr von" zu tituliren.

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