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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-21 · Heft 100 (21.8.1838) · p. Seite 406

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 100 (21.8.1838)
Date
1838-08-21
Page
Seite 406 (sequence 4)
Language
German
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406 ten, theils wurde die jüdische Schuljugend den schon längst bestehenden christlichen Schulanstalren zugethcilt, je nachdem die Gemeinde und die Schuljugend stark oder nicht stark genug waren, tun eigene Schulen bilden zu können. Die Resultate dieser Einrichtungen sind ganz erwünscht. — Nicht minder erfreulich trat auch die Organisation der Rabbinare ins Leben. Und so viele Schwierigkeiten diese auch für die Gemeinden bot; indem es l) an allen erforderlichen pecuniären Mitteln und Fonds, 2) an geeigneten Subjekten zur Besetzung dieser Stellen und 3) an Lokalitäten fehlte; so wurden doch dieselben bald und glücklich besiegt! Das Dczirks-Rabbinat, zu welchem die sämmtlichm jüdischen Gemeinden der erwähnten 3 Landgerichte gehörten, war zu groß und zu weit ausgedehnt und wurde daher in 2 Rabbinats-Distrikte gelheilt. Für den Distrikt Burgkundstadt wozu auch Altenkundsiadt und noch einige kleine Gemeinden im Landgerichte Weismain kamen, wurde der alte Rabbine Hr. L. Reck endo rfer, nachdem er sich einem Examen unterworfen, aufs Neue bestätiget. Was demselben an gediegenen Wissenschaften und zeitgemäßer Bildung abging, das ersetzten dessen wahrhaft fromme, humane und tolerante Gesinnungen. Das Copuliren in der Synagoge, das Aufheben der Mizwot-Versteigerung; die Einführung eines geregelten Leichenbegängnisses; das dem unter gewissen Modificarionen erlaubte Messen - und Märkte-Beziehen in den ersten 7 Trauertagen u. dgl. m.— SDinge, deren Erlaubt- oder Nichrerlaubtsein in neuester Zeit so viele Wirren und so viel theologisches und philosophisches Schreiben für und wider hervorrief — verdanket diese Gegend schon seit vielen Jahren, dem erwähnten, im Jahre 1833 in einem Alter von beinahe 80 Jahren, zu den Virern Heimgegangenen frommen Manne! — ' Die Gemeinden des benachbarten neugebildcten Distrikts aber, deren bedeutendste diejenige zu Redwitz im Landgerichte Lichrenfels ist, schritt zur Wahl eines eigenen Rabbinen: — Aber nicht — wie vielleicht anderswo zu geschehen pflegt — zur Wahl des nächsten besten, wohlfeilsten, oder wol gar zur Wahl eines solchen, der, um zu dieser Stelle zu gelangen, geheime Wege einzuschlagen am Besten verstanden hätte, wie wir dies leider in der neuesten Zeit auch in Bayern zu 'bemerken Gelegenheit hatten, sondern zur Wahl einesRabbinen.und Predigers im echten Sinne des Worts! — Und hört! die Wahl siel — auf Hrn. I>r. A uerbach in Berlin! — Man trat mit demselben in Correspondenz: suchte auch zu gleicher Zeit deshalb um Erlaubniß dazu — da Hr. Di\ Auerbach Ausländer war — bei der königl. Regierung nach, und siehe da! die Sache würde zum Abschluß gediehen sein, hatte nicht Hr. Auerbach, der sich Anfangs zur Annahme dieser Stelle bereit erklärt hatte, später wieder andere Gesinnungen gezeigt. — Die Wahl siel nun auf Hrn. Moses Gutmann, einen sehr achtbaren, gelehrten, würdigen Mann und guten Prediger, welcher ferne Studien auf der Universität Erlangen gemacht harte. — Der Distrikt Burgkundstadt aber wählte an der Stelle des selig verlebten Hrn. Reckendorfer den Hrn. Leopold Stein °), welcher seine theologische Bildung auf der Universität Wnrzburg genoß. — Derselbe, als ausgezeichneter Kanzel-Redner und wahrer Geistliche in Wort und That, allenthalben geliebt und geachtet, erwarb sich schon in der kurzen Zeit seines Wirkens von kaum 3 Jahres außerordentliche Verdienste durch die Einführung eines gcordnetm und sehr erhebenden Gottesdienstes, mittelst Aufhebung unziemlicher nicht zeitgemäßer Gebete uud profaner Gesänge und Einführung deutscher Lieder und geregelten Gesanges; ferner durch *) Verfasser der metrischen Werke: Stufengesänge. Würzbnrg, 1834. und Königs Krone. Frankfurt a. M., 1838. eine auf die feierlichste Welse alljährlich vorgenommenen Confirmation mit der Jugend beiderlei Geschlechts; u. dgl. m. — Ein hartnäckiges Dagegenstemmen von Seiten der Parnassim oder fanatischer Wortführer, wie solches in manchen andern, sogar höher gestellten Gemeinden der Fall war und vielleicht poch ist,' fand hter nicht Stakt. — Die beiden Hrn. Rabbinen sprachen nur ihr schöpferisches: Werde! aus, und ihr Werk stand da! — Indem ich Ihnen nun den Bildungsgang unserer GlaubenSbrüder genannter Bezirke von 4 Jahrzehenden her, nach Maßgabe meiner Kräfte zu schildern gesucht habe, erlaube ich mir zum Schluffe noch. Sie auch mit den religiösen und bürgerlichen Verhältnissen derselben wie solche heute im Jahre 1838 beschaffen sind, vertraut zu machen. Der Gottesdienst in der Synagoge voller Andacht und Würde. — Wenn auch nicht nach altherkömmlicher Weise täglich 2 bis 3 mal, doch an allen Fest- und Feiertagen von Jung und Alt pünktlich besucht. — Die Synagoge selbst durch zweckmäßige innere Einrichtung, als: Kanzel; feststehende Sitze und Pulte; geschmackvolle, obschon sehr einfache Decorirung und Beleuchtung, sehr verherrlichet. — Wahre Religiosität im täglichen Zunehmen. Wohlthätigkeits- Sinn, sehr lobenSwerth, und die Bildung von Fonds zu edlen Zwecken, wenn auch nicht nach großem Maaßstabe — doch im erfreulichen Aufblühen. Für die Unterhaltung der Ortsarmen wohl gesorget. — Juramente sind heilig; und Falle des Meineids beinah ganz ohne Beispiel. — Die Sittlichkeit der Jugend beider Geschlechter musterhaft, und die Folgen der Unkeuschheit beinahe fremd. 1 Die Eben durchgehends glücklich; Ehescheidungen zu den seltensten Erscheinungen. Ueberatl häuslicher Friede und Eintracht. — Die Geschäftsthätigkeit in allen Fächern über alle Maßen groß * *). Das pekuniäre Verhältniß im Allgemeinen sehr gesegnet; Die gegenseitige Stellung vom Juden zum Nichtjuden sehr erfreulich. Und mit kurzen Worten gesagt: Wie ein Baum, den-man von seinen dürren Aesten und Zweigen und von dem Moose, mit welchen er bewachsen war, befreiet, an innerer Kraft gewinnt und gesunde frische Reiser treibet, so auch hier das religiöse, bürgerliche und induftenelle Leben! — Alles frische Kräfte äußernd, deren Blüthen sich zusehends entfalten, und deren Früchte täglich zum Genüße heranreifen. F. *) Nack einer neuem Statistik vom Jahre 1837 zahlt die Gemeinde Burcsiundstadr cm 50 concessioriirte Handwerksmeister aller Art, att: 15 Tuchmacher, 10 Weber, 1 Tuchscheerer, 2 Lebküchner, 1 Schneider, 2 Okkouomen- 2 Metzger, 2 Seif.nsieder, 1 Rokhgä'rber, 1 Schuhmacher, 1 Färber, 1 Seiler, 1 Nagelschrnied, 1 Drechsler, 1 Buchbinder und 1 Kürschner rc. — Referent fatiu sich hierbei der erfreulichen Berner« kuug mcht enthalten, daß sä'mmtliche Gewerbe vis auf einzelne nur wenige recht schwunghaft betrieben werden; daß beinah jeder Meister, mehre Gesellen und Lehrbursche, sowol jüdischer alS christlicher Eonfession beschäftiget; viele davon mit ihren Fabrikaten Messen und Märkte beziehen und namentlich Weberei und Tuchmacherei iu einem solchen Aufblühen begriffen sind, daß schon gegenwärtig viele derlei Fabrikate nach entferntem Gegenden im In- und AaSlande versendet werden. Dasselbe Verhältnis wie in Burgkundstadt findet auch in AltenkunSstadt und in den andern minder starke« Gemeinden beider Rabbinatv- Bezirke statt. Redacteur Dr. L. Philippson. — Verlag von Banmgärtirers Buchhandlung. — Druck von I. B Hirschfeld.

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