Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1875)
- Date
- 1875-10-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Judenlhums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeit»»« erschein: wöchentlich einmal in 2 bi« 2l/2 Bozen. Preis Btertehäbria 3-SlaxL Inserate werden mit 20 Pf. kür die Petitzeile oder deren Raum ^erewnet. Alle StanftfattrMim.iyw Postämter und Zeitung« . Expeditione» nehme» Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. __Angelegenheiten weude man sich an vr. L. philivvso» in Bonn; binfichtlich de« Bezug« und der Inserate an «anmgLrtnrr'» Lächda-dlauy inLeipzig. Inserat», welche bi« vonnrr,- lag cingehev. finde» inderrarauffolgende» -irmuner Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 39. Jahrgang. Leipzigs den 26. October 1875. JW 44. ZrrhaU. Leitende Artikel: Die ganze Welt gegen den UltramontaniSmus. — Die moderne Gesetzgebung. — Der Talmud und seine Apologetik. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Vom Rhein, Straßburg, Aachen, Main;, Branuschweig. — Oesterreichs Ungarn: Wien, Szegedin. — Frankreich: Paris. — Italien: Ferrara. — Amerika: Milwaukee. — Feuilleton: Etwas über das Klima Palastina's. — Vermischtes. <£>eiteiu)e CL-dnhel. Bonn, 20. October. Die ganze Welt gegen den Ultramontanismus. Wir haben wiederholt gezeigt, daß die ultramontane Partei feit geraumer Zeit, aber in immer steigendem Maße und mir immer wachsender Bitterkeit die Verfolgung der Juden zu ihrem Losungsworte, zu einem ihrer wesentlichsten Kampfmittel gemacht hat und vermittelst derselben den Fanatismus des Volkes erhitzen zu können glaubt. Sie thut dies, ohne von den Juden irgend provocirt zu sein, und mit der Absicht, den Einfluß der Juden schrankenlos zu übertreiben, um dem Volke Furcht und Haß zu gleicher Zeit einzuflößen. Nun, dieser Operation, dieser Kundgebung der ultramontanen Partei steht eine andere gegenüber, gegen sie tritt eine andere immer mehr, immer weiter, immer gewaltiger auf, die von unendlich größerer Bedeutung ist. Es ist nicht blos Deutschland, es sind nicht blos mehr protestantische Länder, es ist die ganze Welt, welche sich gegen den Ultramontanismus erhebt, und es sind Katholiken, welche mit aller Macht der innersten Ueberzeugung gegen ihn auftreten. Von überall her ertönt der Aufruf, gegen den in so außerordentlicher Weife organisirten, die festgeknoteten Maschen seines Netzes über den ganzen Erdball auswerfenden Ultramontanismus sich zu vereinigen und ihn zu bekämpfen. Wir geben in dieser Nummer einen Bericht aus Milwaukee, der eine solche Aufforderung an die gesammlen amerikanischen Lehrer enthält. Wir lassen hier eine Rede folgen, welche bei dem Rectoratswechsel an der Universität zu Brüssel am H. October von dem neuen Rector Professor Tiberghien, einem alten Kämpfer gegen den Atheismus, Materialismus und Positivismus, gehalten worden. Weder in jener amerikanischen, noch in dieser belgischen Kundgebung hat auch nur eine Ahnung jüdischen Einflusses stattgefunden: es sind Christen, zum Theil Katholiken, und der Religion aufrichtig ergeben,- welche hier sprechen. Die Rede des belgischen Rectors ist ausgezeichnet durch den Freimuth und die ungewöhnliche Präcision des Ausdrucks. Es ist darum eine Pflicht, sie in allen Kreisen bekannt zu machen, und ihr überall den Eingang zu erschließen. Sie lautet: „Die Thatsachen sprechen lauter als alle Gründe, die Zeit drängt, die bürgerliche Gesellschaft droht von der steigenden Fluth des Aberglaubens und des Fanatismus überschwemmt zp werden, die unter dem Schutze der Unwissenheit die Maske der Religion angenommen haben. O Weiser von Nazareth', du, der so richtig erkannt hat, daß die Religion die Liebe ist, die Liebe zu Gott und der Menschheit, die Liebe voll Mitleid für jedes Unglück, die Liebe voll Nachsicht für jede Beleidigung, die brüderliche Liebe für alle rechtschaffenen Menschen, daß sie, die Religion, die allgemeine Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, Duldsamkeit ist: was haben Deine Jünger aus Deinen bewundernswerthen Vorschriften gemacht? Wie kommt es, daß jene innige Vereinigung des Geschöpfes mit dem Schöpfer, die freieste und reinste aller Seelenbewegungen, plötzlich, von der Leidenschaft entstellt, das wildeste, engherzigste und tyrannischste Ding auf der Welt wird? Ist es wirklich die Religion, die jene heidnischen Erscheinungen hervorrufl, jene