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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-12 · Heft 42 (12.10.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 42 (12.10.1875)
Date
1875-10-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ str alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Berlag von Baumgiirtaer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit l Marl 50 Pf. pro Hundert berechnet. Sa rrdactionellen Lnaelezenheiren Wald« ma» sich an Dr. 6. JJftilijpfon in Bonn; biufichllich de» Bezugs und der Inserate an La«ngLrtner'« Snchdaudlaag iaLeipzig. Änseratr, welche diS vouarralneingehen. finden iaderraraussolgeu» den Siununer Berückfichrigung. -_!«/* Bogen. Prei» BiertüMrig 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. snr die Petitzelle oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlnugeu, Postämter und ZeitnngS. Expedllionea nehmen Bestellungen an. 39. Jahrgang. Leipzig, den 12. October 1875. J\? 42. 3nl)alt. Leitende Artikel: Suche den Frieden'. — Verlegenheiten der christlichen Theologen dem Judenthrnne gegenüber. — Die Symbolik des mosaischen Heiligthums. IX. (Schluß.» — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Cottbus, Breslau, Münster, Dresden, Leipzig. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Aus Oberungarn. — Frrnkr eich: Paris. — Großbritannien: London. — Jt alien: Ferrara. — Portugal: Lissabon. — Rumänien: Bukarest. — Australien: Sydney- — Amerika: Baltimore. — Feuilleton: Die Treue. (Erzählung). (Schluß.) — Aus dem Gerichtssaale. — Vermischtes. JCeibeuder Bonn, 6. October. Luche den Brieden I „Liebe den Frieden und jage ihm nach!" rufen uns die Waisen des Talmuds zu. Ein schöner und erhebender Spruch, würdig, an die Spitze einer Sittenlehre gestellt zu werden. Liebe den Frieden! aber den Frieden haben, wendet man ein, ist dies von uns abhängig? hängt unser Frieden nicht von unsrem Nachbar rechts oder links, nicht von Jedem ab, der uns begegnet, mit dem wir in Beziehung treten, nicht von dem ganzen Heere der Gegner, der Neider, der Concurrenten, der Streitsüchtigen, derer ab, die keinen Frieden halten wollen? Und weiterhin, hängt nicht unser Frieden von dem Geschicke ab, das über uns verhängt wird, dem wir nicht entgehen und entgegnen können? Die Sorge, die uns bedrückt, die Bedrangniß, die uns einengt, der Verlust, der uns bedroht oder trifft, der ganze Kampf, in den wir hineingeworfen werden, mit Widerwärtigkeiten aller Art, sie alle lassen uns nicht zur Ruhe und zum Frieden kommen, den wir sehr lieben und mit ganzem Herzen ersehnen. — Da heißt es denn weiter: Jage dem Frieden nach, strenge alle Deine Kräfte an, um ihn zu erlangen, bringe alle Opfer, um ihn zu erzielen. Aber welche sind die Mittel, ihn wirklich zu erreichen? Da kommt uns ein anderer Spruch zu aus heidnischem Munde: 8t vis pacena, para bellum! d. h. „Wenn Du den Frieden willst, rüste Dich zum Kriege." Sammle also die Waffen, Deine Gegner zu bekämpfen, rüste Dich .mit aller Kraft zum Widerstande, und versieh Dich mit allen Machtmitteln, um Schrecken und Niederlage Deinen Feinden zu bereiten. Entweder sie fürchten sich dann, und unterlassen den Krieg, oder beginnen sie ihn, so kannst Du bestehen oder auch siegen. Wir geben zu, daß politisch, in den Machtverhältnissen der Völker und Staaten dies eine kluge Regel sei. Aber was ist dies für ein Frieden, wo wir beständig im Kriegszustände uns befinden, wo wir uns immerfort mit dem Waffenhandwerk beschäftigen und unsren Nachbarn kriegerische Absichten zutrauen! Das Bewußtsein, einen Kampf bestehen zu können, ruft diesen häufig erst recht herbei; wir glauben uns beleidigt oder benachtheiligt, und wollen schließlich die Opfer nicht vergebens gebracht haben. Fürwahr, das heidnische Auskunftsmittel ist brutal und nährt den Krieg mehr als er ihn vermeidet. Schlagen wir die Blätter der Geschichte auf, so gewahrt jeder Unparteiische, daß jener Ausspruch der jüdischen Weisen aus ver innersten Natnr ihres Volkes gequollen, daß die jüdische Nation zu aller Zeit den Frieden geliebt und gesucht. In der Zeit, da sie in ihrem Lande wohnte, war dem Fremdling durch das Gesetz die Gleichheit aller Rechte gesichert; es schrieb vor, ihn zu lieben, ihn nicht zu drücken, ihm alle Quellen der Wohlthätigkeit wie dem einheimischen Dürftigen zu öffnen. Das jüdische Volk, nachdem es in seinem Lande ansässig geworden, unternahm niemals Angriffskriege; es versuchte nicht, andere Nationen ihrer Freiheit, ihres Besitzes, ihrer Habe zu berauben, oder gar ihnen seinen Glauben aufzudrängen. Als die Juden zerstreut waren durch die Lander wußten, beherzigten und bethätigten sie, was

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