Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1875)
- Date
- 1875-10-05
- Page
- Seite 669 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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669 Symphonien, Cantaten, Lieder u. s. w. Eine Vorliebe hatte er auch für die religiöse Musik, und hier können wir es von unsrem Standpunkte aus Berlijn vor anderen Componisten jüdischer Religion zum Ruhme nachsagen, daß er jede Gelegenheit ergriff, um auch für die Synagoge musikalisch thatig zu sein. Eine stattliche Reihe von Synagogenweihen, sowie die Eröffnung wohlthätiger Anstalten versah er mit erhebenden Gesängen seiner Feder, und seine Musikalien für den jüdischen Gottesdienst sind in mehreren Heften erschienen. Schade, daß diese seine Wirksamkeit nicht in Deutschland ihren Schauplatz fand, wo ihr in Synagoge und Schule ein fruchtbarer Boden sich eröffnet halte. Auch das von uns verfaßte Oratorium „Moses auf Nebo" hat er componirt (Saron B. IV S. 305) und sprachen sich competente Kritiker sehr vortheilhaft darüber aus. Wir standen damals in einigem brieflichen Verkehr mit Berlijn, und hatten Gelegenheit, die Innigkeit seines Charakters und seine Bescheidenheit kennen zu lernen. Berlijn gehörte zu jenen Männern, welche den Beruf ihres Lebens richtig erkennen, mit Begeisterung ergreifen und mit rastlosem Streben verfolgen, sowie mit schönem Talente ausgerüstet sind, denen jedoch der höchste Stempel des Genies fehlt, durch welches sie jene Höhe erreichen, auf welcher die Unsterblichkeit für alle Zeilen erlangt wird. Berlijn hat vielfache Anerkennug und Erfolge erlangt, niemals aber einen so durchschlagenden, daß seine Werke sich eine bleibende Stelle erworben hätten. Bei einem günstigen Geschicke wird das Auge von Männern, welche wahren Werth zu würdigen wiffen und geneigt sind, unter den Compositionen Berlijn's eine Anzahl herausfinden, welche zukünftiger Vergeffenheit entriffen und der musikalischen Welt erhalten werden müßten. Immerhin aber hat er seiner Zeit bestens genützt und war ein thätiges Mitglied des großen Kreises, durch dessen Bemühungen ein Jahrhundert in den Besitz der Kunstblüthe gelangt und sich derselben erstellt. Nachtrag. Deutschland. Soldau in Ostpr., 26. September. (Privatmitth.) Unsere israelitische Gemeinde, aus einigen 4V Mitgliedern bestehend, von denen etwa 16 wohlhabende sind, hat aus eigenen Mitteln, ohne irgend eine Hülfe, da selbst der, zu solchen Zwecken bestehende Provinzial -Hülfsfond einen Vorschuß der Gemeinde verweigerte, eine Synagoge gebaut, die ohne innere Ausstattung über 6000 Thaler kostet. Gestern, als am 25., fand die Einweihung statt, welche von Herrn Dr. Klein aus Neidenburg in sehr ergreifender Weise vollzogen wurde. Es hatten sich, selbst ohne Einladung, der Magistrat, die Stadtverordneten, der evangelische Geistliche und viele angesehene Bürger mit ihren Frauen und Töchtern eingefunden. Die Predigt des Herrn Or. Klein machte auf alle Zuhörer einen riesen, erhebenden Eindruck. Gerschelowitz, CultuSbeamter. Malchin (Mecklenburg), 26. September. (Privatmitth.) Wie die hiesigen Zeitungen berichten, hat unser Landesrabbiner, Herr vr. Cohn, einen ehrenvollen Ruf nach Berlin bekommen und ist bereit diesem Rufe zu folgen. So gern wir auch diesem Herrn eine höhere Stellung, als die hierländische ist, gönnen, berührt es uns doch recht schmerzlich, ihn, den treuen Seelsorger, der mit so seltener Liebenswürdigkeit sich die Herzen Aller zu gewinnen wußte, aus unserer Mitte scheiden zu sehen. Herr Baruch Hirsch aus Güstrow, ein geborner Malchiner, hat unserer Gemeinde eine große Freude bereitet, indem er die Synagoge mit eben so schönen als werchvollen wnp ■'ba von gediegenem Silber beschenkt hat. Der Herr segne den edlen Geber! 8t. Anzeigen. In einem Israelit. Institute wird per Ende Oc-1 tober d. I. ein tüchtiger Lehrer, namentlich für neuere j Sprachen, unter sehr günstigen Bedingungen zu engagiren! gesucht. — Offerten nimmt unter H. B. 1024 die Hermann'sche Buchhandlung in Frankfurt a/M. entgegen. Für eine kleine Gemeinde Westphalens wird spätestens j zum 1. November c. ein Cautor und Lehrer mit! 450 Mark Gehalt bei vollständig steier Station gesucht. i Offerten beliebe man unter B. L. 150. an die Expedition dieser Zeitung zu senden. Für mein Tuch- und Consections-Geschäft suche unter günstigen Bedingungen einen Lehrling mit den nöthigen Schulkenntnifsen. M. Levy in Bochum. sswsousebule in VolleuMtel. Ein Canvidat für Naturwissenschaften (und Mathematik) findet sofort lohnende Stellung an unserer Realschule II. Ordn. Auskunft ertheilt auf baldigst erbetene Meldungen Director Rosenstock in Wolfenbüttel. Auf Mitte November c. suche ich für mein Manufaeturwaarenu. Confeetions-Geschäft einen durchaus tüchtigen Verkäufer (Israel.), der auch auf dem Comptoir Bescheid weiß. M. J. Hol ff in Dortmund. jüd. Mädchen, welches gut kochen kann, dabei auch im Haushalt thäüg sein muß, wird auf sofort nach Berlin gesucht. Offerten unter w. 5631 besorgt die Anuoneen-Expeditiou von W. Thienes in Elberfeld.