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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-31 · Heft 36 (31.8.1875) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 36 (31.8.1875)
Date
1875-08-31
Page
Seite 583 (sequence 13)
Language
German
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583 Sie sich daher an die Regeln Linden. Gleich einem echten Jünger der Wissenschaft gab sich Mayer in Würzburg ganz und gar feinen Studien hin. Ohne Unterstützung vom Elternhause, wo selbst die Entbehrung Einkehr genommen, mußte er sich seinen Unterhalt durch Privatunterricht verdienen. Seine Lernbegierde erhielt ihn bei stets ftischem Muth unv ließ ihn das Golv der Wissenschaft um so reiner gewinnen, je schwerer es zu erringen war. In Würzburg war es auch, wo Mayer in seiner wissenschaftlichen Strebsamkeit einen Kreis von Jünglingen, studirende Rabbinatscandidaten, um sich sammelte und einen Rednerverein bildete, dessen Mitglieder abwechselnd jeden Samstag eine Predigt zu halten hatten. Als Mitglieder dieses anregenden Vereins werden unter Andern genannt: N. Adler (spater Oberrabbiner in London), B. Levi (spater Landrabbiner in Gießen», M. Heß, (spater Landrabbiner in Eisenach), H. Schwarz, «später Rabbiner in Hürben), I. Löwenstein, (welcher als Rabbiner in Bischofsheim starb.) Zur Vollendung seiner Studien begab sich Mayer nach Tübingen, wo er promovirte und wurde er bald darauf in Hechingen als Rabbiner angestellt. Letztere Stellung ließ ihm viel Zeit zu Studien und literarischen Arbeiten übrig. Er schrieb mehrere geschichtliche Erzählungen und Novellen, welche er in dem von ihm herausgegebenen israelitischen Samstagsblatt (1837) und in dem israelitischen Musenalmanach (Dünkelsbühl 1840) verössentlichte. Außerdem erhielten aus seiner Feder verschiedene Zeitschriften, wie „Zeitung des Judenthums", „Orient", „Synagoge", „Jsral. Annalen" :c. zahlreiche Beitrage. Ein sünfactiges in Jamben verfaßtes historisches Drama: „Friedrich, genannt der Oettinger von Hohenzollern" blieb Manuscript. Noch verfaßte er Gedichte bei verschiedenen Anlässen, die in dem hohen;. Hechingen'schen Berordnungs- und Jntelligenzblatt erschienen. Geringes Einkommen bei einer wachsenden Familie erregten wohl in ihm den Gedanken, sich weitere Erwerbsquellen zu offnen. Er begann mit dem ihm gewohnten Eifer die juridischen Studien und wurde es ihm möglich im Jahre 1849, noch unter der hohenz. Hechingen'schen Regierung in der Rechtswissenschaft die Staatsdienstprüfung abzulegen; er wurde für den Staatsdienst für befähigt erklärt und als Anwalt zur Rechtspraxis legitimirt. Die hohenzollernschen Gerichte nahmen auf seinen Stand schonungsvolle Rücksicht, so daß er seiner Doppellaufbahn ungehindert genügen konnte. Selbst als Anwalt konnte er sich der Macht der Wissenschaft nicht entziehen. In Mußestunden, die allerdings spärlich gewährt waren, arbeitete er 12 Jahre lang an dem Werke: „Die Rechte der Israeliten, Athener und Römer", welche Aufgabe jedenfalls bedeutende Studien erforderte. In diesem Werke (in den zwei ersten Banden bei Baumgartner in Leipzig 1802 und 1800 erschienen) wies er nach, wie die noch oft verkannten Talmudisten auf Grund des mosaischen Gesetzes ein Rechtssystem mit bewunderungswürdiger Scharfe und Consequenz aufstellten, um das Gesetz aufrecht zu erhalten und dasselbe auch bei veränderten Zeitverhältnissen und Volksbedürfnissen zweckdienlich anwenden zu können. Der dritte Band dieses Werkes liegt druckfertig vor und zeugt nicht weniger, als die ersterschienenen Bände, von einem unermüdeten Fleiß und Studium. Zu seiner Kanzelberedsamkeit legte er, wie wir oben erwähnt haben, den Grund in Würzburg, wo er in der jüdischen Homiletik sich übte. Später erschienen von ihm eine ganze Reihe Predigten im Druck, die sich durch Gedankenreichthum auszeichnen und ihrem Verfasser eine ehrenvolle Stelle in rer Bibliothek jüdischer Kanzelredner, «Berlin, Julius Springer 1872) sicherten. Eine vortreffliche Predigt, die auf biblisch-politischer Grundlage beruht, trägt den Titel: „Der Stein und das Bild oder Preußens Zukunft", gehalten 8. April 1850 bei Gelegenheit der Uebergabe der Hohenz. Fürstenthümer an die Krone Preußen. In dieser Predigt legte der Redner seine eigene freimüthige politische Gesinnung nieder und sprach mit wahrhaft prophetischem Geiste über die glorreiche Zukunft Preußens und seine Bedeutung und Aufgabe für Deutschland. „So wagen wir es zu behaupten", sagt er, „daß sich von unserm nahen Zollernberge ein Stein gelöst, der das Bild des deutschen Reiches im Norden zertrümmert hat, und er wird auch das Bild im Süden im Schwünge der Ereignisse beseitigen und er wird zum hohen Berge werden und die Erde erfüllen." Das war mit großer Zuversicht gesprochen in einer Zeit, wo die Einheitsbestrebungen von 1848 eben an der Reaction Preußens gescheitert waren.— Dr. Mayer gehörte zu jenen Rabbinern der Gegenwart, welche auf dem Boden des positiven Judenthumes stehend, die Vergangenheit mit der Gegenwart auszusöhnen streben und in der Wissenschaft das einzige Regeneratiensmittel des Judenthums erblicken. Diesen Standpunkt offenbarte er auch in einem Toaste, ausgebracht bei Gelegenheit der Feier der Einweihung der restaurirten Synagoge in Hechingen (1852», wo er in einem paffenden Bilde den möglichen Fortbestand des Alten neben dem Neuen in beredter Weife klarlegte. Diesen feinen Standpunkt hob auch Herr Rabbiner und Kirchenrath Iw. Wassermann in seiner trefflichen Grabrede hervor, indem er zugleich eine Würdigung des ehrenhaften Charakters des Hingeschiedenen und ein Bild seines rastlos thäligen Lebens gegeben. Wegen seines vermittelnden Standpunktes zwischen den beiden im jetzigen Judenthum sich heftig befehdenden Strömungen, der orthodoxen und der ultrareformistischen Richtung, hatte er vielfach Anfeindungen zu erleiden, die ihm nicht selten seine Lebenslage trübten und ihm sein Amt schwer machten. Indessen lehrte und handelte er stets, wie er glaubte, daß es zum Besten seiner Gemeinde und seine Psticht war. Seine Gemeinde geistig und materiell, und damit ihr Ansehen in einer Stadt verschiedener Confessionen zu heben, mar »>-. Mayer während der 4'» Jahre seiner Wirksamkeit mit anerkennenswerthem Eifer bestrebt. Sein Streben hat Früchte getragen. In seiner Eigenschaft als Localfchulinspector, war es

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