Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 99 (18.8.1838)
- Date
- 1838-08-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. z-hrgmg. Allgemeine N». s». Zeitung des Judenthuws. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Kd'nkgl. Gächfischer allerKnädigster Concession.) Leipzig, den 18. August 1838. 3eLtui»gs«achrichte«. Wiesbaden, 1. August (Privalmitth). Da die Allg. Zeit, des Jud. mehre Artikel aus Frankfurter Blattern zu Ehren des von uns geschiedenen Herrn vr. Geiger ausgenommen hat, so ertauben wir uns auch, sie um die Aufnahme der Bemerkung zu ersuchen, daß der Herr vr. Geiger nicht freiwillig sich von uns getrennt hat, und daß dies der Erfolg von einer offenen Verletzung des Sabbatgesezzes gewesen, welche mit den Pflichten eines jüdischen Geistlichen nicht vereinbar schien. M. Leipzig, 4. Aug. (Privatmitlh.). Es ist ein Schauspiel, das Mitleiden erregt, wenn man steht, zu welchen Mitteln im Augenblicke die Zeitungsschreiber greifen, um bei dem Mangel an pikanten Zeitereignissen, ihre Spalten interessant zu machen und auszusüllen. Die Leipz. Allg. Zeit, vom heutigen giebt einen Beleg hiezu. Da wird ein Geschichtchen zwischen zwei Kravattenhandlern auf einem Dampfschiffe aus Köln aufgetischt, das zu fürchterlichen Expectorationen Anlaß giebt, und befürchten laßt, daß nächstens einrge Shvloks auf das Welttheater treten werden, die man in der jetzigen Zeit gar nicht mehr vermuthet hatte. Mir ist es sehr gleichgültig, ob ich einen jüdischen oder christlichen Taugenichts vor mir habe, er ist ein Taugenichts, und weg damit. Er muß gebrandmarkt werden. Wenn aber dann eine mit Gewalt witzig sein wollende Darstellung nicht genug mit „Jakob" und „Israel" um sich werfen kann, so erregt es mir Ekel und Verachtung gegen Korrespondent und Redakteur. Man wirst den Franzosen Irreligiosität vor, man sagt, sie unterhalten ihre Leser gern mit Fictionen — aber so irreligiös sind sie noch lange nicht, um die Religion stets in menschliche Nichtswürdigkeiten hineinzuwersen, und ihre Fictionen sind wenigstens — geistreich. Theologie. lieber die Posener Rabbinettwahl. Zwei Aufsatze. Die Wahl eines Rabbinen zu Posen ist für die gesammte jüdische Welt dadurch höchst interessant geworden, daß bei derselben auf ein gewisses Erbrecht in dem Rabbinate Anspruch gemacht wurde. Jedermann erkannte leicht das Gefährliche, das in der Erbfolge bei geistlichen Aemtern und Würden liegen, und man mußte sich daher um so eher zur nähern Untersuchung,der Sachlage, so wie der dabei angezogenen Stellen des Maimonidcs gedrungen fühlen. Um so -weniger stehen wir an, über diesen Gegenstand noch folgende beide Aufsätze unfern Lesern vorzulegen. I. Das Rabbinenwesen. Eine Skizze von-o in Posen. Posen, im Juli. Die Rabbinenwaht in Posen hat eine Publicitat erlangt, und ein Aufsehen erregt, die sie nicht verdiente; denn nichts Außerordentliches ist hier vorgefallen, was nicht auch in .andern Städten Deutschlands geschah *). Dir Eonflicte zwischen den religiös - und synagogal-Conservativen, Liberalen und Radikalen sind überall zur Tagesordnung geworden; die Zustande unserer Rival-Städte—in den Jeschibot — Fürth, Prag, Frankfurt a. M., sind uns in diesem Blatte eben so vor Augen gelegt worden, als der Geist, der jetzt in den Gemeinden von Hamburg, Groß-Glogau, Berlin u. a. O. herrscht. Nirgends ist eine Einheit mehr zur Orthodoxie oder zum Juste milieu; warum also Posen gerade al§ Popanz aller Zerrüttung allein aufstellen**)? *) DaS Interessante.war und ist die Frage über das Erbrecht. Red. ") Der Verf. der Hamb. Zustände meint, der Chacham ist deswegen zum Rabbinen in Posen verdorben, weit er sich schon mehr zur Aufklärung hinneigt, gleichsam als wenn die Posener Gemeinde in ihrer Gesammtheit oder auch nur zum größten Theil aus lauter Orthodoxen besteht. Er sollte jedoch nur eine nähere Erkundigung eingezogen haben, dann hätte er ersehen, daß Posen so gut wie die andern Städte Deutschlands eine starke Parthei von Reformationssüchtigen, Indifferenten u. s. w. habe, die insgesammt das geheiligte Käppelchen außer Mode gebracht haben. — Aber wol ist es wahr, daß hier ein Mann mit Energie .auftreten muß, wenn die Parteien beruhigt und vereinigt werden sollen. Corr.