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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-08-17 · Heft 34 (17.8.1875) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 34 (17.8.1875)
Date
1875-08-17
Page
Seite 546 (sequence 8)
Language
German
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546 Rabbi Juffuf Alty, forderte daher den „Neuerer" auf, diese Stadt schleunigst zu verlaffen, wenn nicht, so werde er den „Bann" (Cherem) über ihn verhängen. Letzterer aber wollte dieser Aufforderung durchaus nicht Folge leisten, und blieb noch ferner in Liberias. Schon einige Tage nachher ward er eines Abends, als er eben die Synagoge verlaffen wollte, in deren Vorhof von einigen seiner Glaubensgenoffen überfallen, geknebelt, und in die Synagoge zurückgeschleppt, um dort Rabbi Juffuf Alty, deffen Worten er nicht Folge geleistet, Rede zu stehen. Der Rabbi theilte gleich darauf den Anwesenden mit, daß der „Neuerer" von einem bösen Geiste beseffen sei, und daß man ihn daher in Gewahrsam bringen müffe. Der Unglückliche ward nun in ein finsteres Kämmerchen neben der Synagoge gesteckt, und dort volle fünf Tage gefangen gehalten, während welcher Zeit man ihm kaum das zu seiner Nahrung nöthige Brod und Waffer reichen wollte. Nach Verlauf dieser fünf Tage ward der angeblich Beseffene aus der Synagoge geschleppt und vor derselben tüchtig durchgepeitfcht, worauf man ihn mit nach rückwärts gebundenen Händen auf einen Esel setzte und zur Stadt hinaustrieb. Kaum hatte der amerikanische Consul in Beyrut von dieser barbarischen Behandlung eines Angehörigen der Union Kenntniß erhalten, so begab er sich auch schon nach Tiberias, um dort über die ganze Angelegenheit genaue Erkundigungen einzuziehen. In letzterer Stadt angekommen, erhielt er dorr zur Nachricht, daß die ganze Geschichte mit Rabbi Chazim Sniersohn zwar wahr sei, daß aber die türkische Behörde dennoch kein Recht habe, die Schuldigen zu bestrafen, weil die meisten derselben unter englischem Schutze stehen, und der Hauptanstifter der Unthat gegen Rabbi Sniersohn in Tiberias die Stelle eines englischen Viceconsuls bekleide. Dieses wurde aber vom englischen Generalconsul in Beyrut auf's Entschiedenste in Abrede gestellt. Darauf hin rief der amerikanische Consul abermals die Hilfe der türkischen Behörden an, die dieses Mal sämmtliche neun Schuldigen, darunter auch Rabbi Juffuf Alty, verhafteten. Letzterer bat nun dringend die Behörde, ihn für einige Gründen wieder nach Hause zurückkehren zu laffen, da er dort seine Papiere in Ordnung bringen wolle. Die Behörde gewährte ihm auch dieses Verlangen, und ließ ihn unter starker Bedeckung wieder nach Hause zurückkehren. Vor dem Hause warteten aber schon einige hundert Juden, die den Rabbi, kaum daß sie ihn erblickt hatten, aus den Händen seiner Begleiter befteiten, worauf dieser schleunigst ein schon bereit gehaltenes Pferd bestieg und auf und davon ritt, und zwar flüchtete er sich in's Gebirge bei Safed (Zephat). Nachher stürzten sich die Juden mit ihren Frauen auf das Gefängniß, worin noch die übrigen verhafteten 8 Juden gefangen saßen, brachen deffen Thüre ein, und führten die Verhasleten unter Jubel und Freudengeschrei in ihre Wohnungen zurück. Die Gerichtsbehörde fürchtete, hier zu interveniren, da ihr nur einige wenige Polizeisoldaten zur Verfügung standen, und selbst diese Wenigen brauchte sie, um den anwesenden amerikanischen Consul in das Kloster zurückzuführen, wo er sein Absteigequartier hatte. Letzterer ist nun unverrichteter Sache wieder nach Beyrut zurückgekehrt, um darüber nach Konstantinopel und Washington zu berichten, und von letzterem Orte her Jnstuctionen zu erhallen. (Wir gestehen, daß uns der ganze Bericht unwahrscheinlich erscheint, da die türkische Bevölkerung zu Gunsten der türkischen Obrigkeit gewiß schnell gegen die nicht bedeutende jüdische Partei ergriffen hätte! Redaction.) Ieuilletou. Die Treue. Erzählung. II. Hatte dieser Mann seinem Sohne die ganze Wahrheit gesagt? In den Falten seines Gesichtes, in den Furchen seiner Stirn, in der gebeugten Gestalt stand noch viel mehr zu lesen. Man kann sehr aufrichtig und wahrheitsgetreu sein, und doch die Beschaffenheit des Hörers bemeffen, um ihm nur so viel von den Ereigniffen der Vergangenheit mitzucheilen, wie es angemessen scheint. Uns aber wird er nichts verhehlen, und die Geschichte seines Lebens vor unseren Augen aufschlagen. Was jetzt Me>r war, wird man nicht mit Einem Male. Wie ist er es geworden? In der Thal hatte Mett bis vor etwa sechs Jahren einen ruhigen Lebenspfad durchwandelt. Der ftühe Tod seiner Ellern, der ihn nöthigte, der Ernährer und Erzieher seiner jüngeren Geschwister zu sein, hatte ihn ftühzeitig zum Manne gereift. Der Geist, der in seiner Familie, wie wir gesehen, seit alter Zeit heimisch war, hielt auch ihn von allen Abwegen und Ausschreitungen zurück, und er ging mit unermüdlicher Emsigkeit, mit Verständniß und Scharfblick, aber auch mit peinlicher Redlichkeit seinem Erwerbe »ach. Dieser bestand in einem sehr lebhaften Kleinhandel mit den Produkten des Landes. Er kaufte sie auf, wo er sie fand, brachte sie zusammen, zum Theil aus den eigenen Schultern, und führte sie dann nach den größeren Städten der Provinz aus, besonders nach dem großen Stapelplatze Magdeburg. Außer einem wachsenden, wenn auch mäßigen Wohlstände, lohnie ihm dafür ein allgemeiner Ruf der Ehrenhaftigkeit, Beliebtheit und Vertrauen weitum in Stadt und Land. Es versteht sich, daß er die ganze Landschaft wie Niemand anders kannte, einen großen Theil ihrer Bewohner persönlich, sowie alle Hülfsquellen Iund Besitzlhümer in der Provinz. Als er die Pflicht, die er am Sterbelager seines Vaters übernommen, erfüllt und seine Geschwister versorgt hatte, dachte er auch daran, seinen eigenen

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