Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 33 (10.8.1875)
- Date
- 1875-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Judenlhums. Cm llnparteüsches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsoll in Bonn. Verlag von BanmgärLller's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit I Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 3a rebactione&cn Sna«leg«rheiren wead« man sich an vr. i. philivvl'on in Bonn; hinsichtlich de» Brzng« und der Inserate an Saamgärtnrr', Suchhandiany inLeichziz. Inserate, welche biS vonnrr,- lag cingeben. finden inder rarauffolgenden Nummer Berucksichtigrmz. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 oiS 2>/, Bogen. Preis Biertüiabrig 3 Äliark. Inserate werden mit 2» Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchbandlungen. Postämter und Zeitung«- Expeditionen nehmen Bestellungen an. 39. Jahrgang. Leipzig, den 10. August 1875. 33. 3nball. Leitende Artikel: Das politische Leben im alten Israel. — Die Symbolik des mosaischen Heiligthums. VI. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Fürth, Eiienach, Glatz, Oels (Schlesien», Berlin. Frankfurt am Main. — Oesterreich-Ungarn: Aus Galizien. Bukovar «Ungarn). — Türkei: Bonn. — Feuilleton: Die Treue. (Erzählung). (Forrsetzung). — Corrcspondenz: Hamburg: Gemeindezustände. Spülend & ÖCxhUef. Bonn, 4. August. Das politische Leben im alten Israel.*) Nichts ist schwieriger, als Borurtheile wieder auszurotten, welche, von wissenschaftlichen Autoritäten ausgegangen, sich in die allgemeine Meinung eingesenkt haben. So haben die Freunde des Schematismus, Ernst Rönan an der Spitze, eine Reihe von Unterscheidungsmomenten zwischen den semitischen und arischen Völkerschaften aufgestellt, welche die völlige Verschiedenheit der beiden Racen in Anlage, Wesen und Charakter erweisen und feststellen sollten. Sie machten es sich hierbei leicht, denn einige oberflächliche Beobachtungen bei einer und der anderen Nation genügten ihnen, um daraus ein Charakteristicum der ganzen Race zu machen, und wo dergleichen nicht vorhanden waren, setzte man sie voraus und behauptete sie mit unhistorischer Dreistigkeit. Daß hierbei die Semiten am schlechtesten wegkamen, läßt sich leicht erklären. Da nun von den alten semitischen Bölkern nur wenig übrig ist, so mußten die Hebräer für sie alle herhalten: die Vorzüge und Verdienste der Letzteren wurden auf alle Semiten übertragen, und die Schwächen, die man an den Anderen zu erkennen meinte, insinuirte man auch den Hebräern. In Deutschland huldigte man sofort den von französischen Gelehrten ausgegangenen Construttionen der Völkergeschichte, bis man in der neuesten Zeit allmalig die Unhaltbarkeit *) Wir bitten in dem ersten Leitart. Nr. 32 „Ueber die föuf Artikel der Kreuzzeitung" folgende Druckfehler zu verbessern: S. 506 Sp. l Z. 1l v. o. „am Tage" (nicht „alle Tage"). — Z. 10 v. u. „Umstand, den" (nicht „dem"». — Sp. 2. K. 5 v. o. „Geld, Mühe und Verlegenheiten" (nicht „Gehorsam".) eines Momentes nach dem anderen erkannte. — So wird der Ausspruch immer wiederholt: die semitischen Völker hätten kein polttisches Leben, keine politische Entwickelung gehabt, indem sie Religion und Politik stets verschmolzen. Prüfen wir, ob hierin mehr Wahrheit liegt, als in der jetzt längst widerlegten Behauptung, daß die Semiten geborene Monotheisten, die Arier Pantheisten seien. Was zunächst die Verschmelzung der Religion und Politik betrifft, so ist es ein entschiedener Jrrthum, diese allein den semitischen Völkerschaften zuzuschreiben, da sie vielmehr bei allen antiken Bölkern stattfand, also auch bei den arischen. Um nur einen Beweis anzuführen, so waren am Ende des Alterthums noch die römischen Imperatoren zugleich die Pontifices Maxim i, und ihre Würde ebenso eine hierarchische wie politische, so daß sich selbst die äußeren Institutionen des katholischen Papstthums unmittelbar an die Einrichtungen des heidnischen römischen Reiches schlossen. Es war das eigenthümliche Werk des Ehristenthums, Religion und Gesellschaft von einander zu ttennen, und dafür neben dem Staate eine Kirche auszupflanzen, welche bis heute mit jenem im furchtbarsten Hader lag und liegt. Was das politische Leben und die politische Entwickelung bei den antiken arischen Nationen betrifft, so sind sie in hohem Grade übertrieben worden, selbst wenn wir von den asiatischen abfehen, und nur die Hellenen und Römer in's Auge fassen. Die Ersteren brachten es nicht weiter, als zu kleinen Stävterepubliken, in welchen eine bevorzugte Anzahl Bürger die anderen Mitbewohner der Stadt nnv des Landes unterdrückten, und welche mit dem Schwerte eine größere oder kleinere Landschaft und eine Anzahl 'Colonien sich unterwarfen. Sie verstanden es nicht einmal,