Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1875)
- Date
- 1875-08-03
- Page
- Seite 516 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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516 Der Vater rief den Sohn von der Eiche herab, und beide gingen zu der Stelle, auf welcher sie zuerst gerastet hatten. Der Nachen hatte der Strömung wegen einen weiten Bogen zu machen, und kam erst nach mehr als einer Viertelstunde langsam an dem diesseitigen Ufer heran. Als er sich unterhalb des Gebüsches befand, erhob sich der Mann vom Boden des Fahrzeuges, Meir eilte hinzu und hielt den Nachen fest, bis der Mann an's Ufer gesprungen war. Es war ein stattlicher Herr, von hoher und breiter Gestalt, mit feinen Zügen auf dem doch wettergebräunten Angesichte, mit braunem Haar und Bart, die in's Röthliche schimmerten, mir blauen scharfblickenden Augen. Meir nahm eine sehr bescheidene Stellung vor ihm an, und wartete, bis er angeredet werde. „Nun, Merr, begann der Fremde, der in seiner Sprache auch den sremdländischen Accent verrieth, Du sichst ich vertraue Dir, und bin selbst hierher gekommen, um Dich zu sprechen." „Ich bin sehr von der Ehre gerührt, erwiederte Mei'r, und verbeugte sich; aber ich gestehe, es wäre mir lieber gewesen, Herr- Ambassadeur. sie hätten es nicht gethan. Denn die Gegend wird immer unsicherer, und die Kroaten streifen überall umher. . . Lassen Sie den Schisser sich in den Kahn legen und dort droben unter die überhängenden Zweige des Gebüsches fahren, damit er nicht leicht bemerkt werden könne." Der Fremde befolgte den Rath des Juden und schritt dann ihm nach in ein höher gelegenes und dichteres Gebüsch. Hier stellte jener zuvor seinen Knaben dem Herrn Ambassadeur vor, damit er ihn vorkommenden Falles zu erkennen vermöge, und ihm die nöthige Chiffre ertheile um passiven zu können. Dann schickte er sich an dem fremden Herrn eine Reihe von Details über die Stellung des Feindes, über die Absichten desselben soweit sie sich erkunden ließen, über die Stärke der Truppen und dergl. mitzutheilen. Der schwedische Ambassadeur Stahlmann, der Abgesandte Gustav Adolph's in Magdeburg, denn dies war er in eigner Person, hörte mit gespannter Aufmerksamkeit zu, und notirte sich Einiges in sein Taschenbuch. Die Nachrichten mochten nicht sehr erfreulich sein, renn der Ausdruck seines Gesichtes wurde immer düsterer. Als Meir geendet hatte, sprach der Fremde zu ihm: „Es wird mir schwer, an alle diese bedrohlichen Vorgänge zu glauben; aber Du bist ein erprobter Mann, und unwahrscheinlich klingt es nicht. Tilly versteht es leider, den ungestümen Pappenheim zu zügeln, und langsam seinen ehernen Kreis um uns zu schließen, der in seiner unwiderstehlichen Umarmung die Magdeburgische Jungfrau erdrücken wird. Wir hatten auf die Unvorsichtigkeit Pappenheims gerechnet, der sich dann die Stirn an unfern festen Mauern zerbrochen hätte. Ich werde Deine Nachrichten dem General Falkenburg mittheilen, damit er seine Vorkehrungen treffe, und den Listen des Feindes mit gleichen Anschlägen begegne. WaS mich aber selbst hierher geführt, das ist, Meir, wir brauchen Geld und Lebensmittel, viel Geld und viele Lebensmittel. Die Besatzung wird schwierig, wenn wir ihr nicht bald ihre Löhnung verschaffen, und können wir ihren Hunger nicht stillen, so wird sie mit den Bürgern in Händel gerathen, von denen jeder nur an sich selbst denkt und seine gewiß schon schmalen Borräthe versteckt halt". Meir zuckte mit den Achseln: „Was ich Excellenz zu bieten habe, ist nicht viel und reicht nicht aus". „Das kann ich mir denken, Jude," antwortete rasch der Gesandte. „Aber wir müssen Aushülfe schaffen. Darum komme ich selbst. Ich bringe Dir einen bedeutenden Wechsel aus das bekannte Haus in Hamburg. Du mußt sofort nach Braunschweig oder nach Hamburg selbst, um die Summe zu heben und auf sicherem Wege in meine Hände gelangen zu lassen. Wir wollen gleich die Art besprechen, wie dies geschehen könne. Es dürfen immer nur ein Tausend Thaler erhoben und mir zugeführt werden, und dann das Unternehmen so schnell wie möglich immer wiederholt werden. Mit dem Drittel des Geldes kannst Du Lebensmittel erkaufen, und wie Du es vermagst in die Stadt schassen." Metr schien sehr nachdenklich, und schüttelte mehrere Male den Kopf. „Herr", begann er endlich, „die Aufgabe ist schwer, wohl zu schwierig für mich, und das Uebelste ist, daß sie jeden Tag an Ausführbarkeit verliert." (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Bekanntmachung?. In der israelitischen Cultusgemeinde in München ist die Stelle des Gemeindeschächters zu besetzen. Der Gehalt desselben ist vorbehaltlich Abschluß eines Dienstvertrages auf 1500 Mark festgesetzt. Der Schächter darf das Metzgerhandwerk nicht betreiben, sondern hat seine Zeit ausschließlich der Gemeinde zu widmen und außer feinen Schächterfunctionen an Sabbathen und Festtagen die Stelle des II. Synagogendieners zu versehen. Es werden vorzugsweise solche Personen Berücksichtigung finden, welche des sogenannten Porschens des Hinterfleisches kundig sind. München, den 14. Juli 1875. Die Verwaltung der israelitischen Cultusgemeinde. (v. 5413.) Der 1. Vorstand: Der Lecretär. Aub. Dr. Ltotwenfeld,