Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 32 (3.8.1875)
- Date
- 1875-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herallsgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung iu LeippS- Beilagen werden mit 1 Marl 50 P f. pro Hund ert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 oi» 2»/, Bogen. Preis a>:—3 Mark. Inserate werden Poftäoüer"und ZeituagS^^. nehme» Bestellungen « 3n redactionellen Lnaelegenheite» wende man sich an Dr. £. phUipps»» in Bon»; hinstchtlich de» Bezug« und der Inserate an «aamgirtaer'» »aldhandlana inLeipzig. 3»serale, welch« biS vonurrr tig eingeben, sind«» Lader raraufsolgen» de» Nummer BerückfichtigWrg. 39. Jahrgang. Leipzig, den 3. August 1875. JV? 32. IlchaU. Leitende Artikel: Ueber die fünf Artikel der Kreu^eitung. — Die Besetzung der Directorstclle am jüdisch - tbcologlicben Seminar zn Breslau. — Die Symbolik des mosaischen Heiligthums. VI. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus der Provinz Posen, Potsdam, Kassel, Bonn. Berlin. — Oesterreich.Ungarn: Ans Ungarn. Pest. Ans Galizien. — Rumänien: Bukarest. — Türkei: Aus Bulgarien. — Rußland: Moskau. — Feuilleton: Die Treue. (Erzählung). 2. üeltciu)e ÖCxhltcf. Heber die fünf Artikel der Kreuzzeitung. Brüssel, im Juli. (Vorbemerkung der Redaction. Wir geben die folgende finanzielle Skizze lediglich, um der Kreuzzeitung zu erweisen, daß es unter den jüdischen Banquiers viele giebt. welche mit dem gegenwärtigen Finanzsystem im deutschen Reiche durchaus nicht übereinstimmen, und dies auch von vornherein auösprachen. Kann also nicht einmal die Gesammtheit der jüdischen Banquiers verantwortlich gemacht werden, um wie viel weniger die ganze Judenheit, die mit allen diesen Fragen in gar keiner unmittelbaren Verbindung steht. Dies ist es aber, diese uns heuchlerisch aufgedrängte Solidarität, die wir stets zurückzuweisen uns bestreben.) Sie sandten mir vor einiger Zeit die fünf Artikel der Kreuzzeitung zu, um die Meinung Jemandes zu erfahren, der die darin angeregten finanziellen Fragen vielleicht von einem unparteiischeren Standpunkte beurtheilen kann, weil er von der Ferne jedweden Einflüssen entrückt ist und die Ergebnisse und deren Entwickelung und Einwirkung zu erwägen vermag. Die Behandlung der Finanzfragen in diesen Blättern scheint nur deshalb am Platze, weil zum großen Theile rem jüdischen Einflüsse zugeschrieben wird, daß die neuveutsche Wirthschaftspolitik falsche Bahnen eingeschlagen habe. In verblümter, aber nichts destoweniger augenscheinlicher Weise geht aus den Artikeln der Kreuzzeitung hervor, daß jüdische Männer es verstanden hatten, die betreffenden Kreise so zu inspiriren, daß alle Gesetze in diesem Fache dahin hinauslaufen, den Banquiers materielle Bortheile zu sichern. Als die betreffenden Leute werden bezeichnet Bleickrorer und Laster, welchen aber gegenüberstehen Bismarck, Eamphansen, Delbrück, v. Dechend, Director der preußischen Bank, endlich Hansemann, Director der Discontogesellschaft. Bon Feinden wie Freunden wird wohl Laster von jeder materiellen Absicht freigesprochen, und was das specifisch Jüdische betrifft, so kann von jedem Unparteiischen wohl behauptet werden, daß, so bedeutend er auch in legislatorischer Beziehung ist. er von jenem sehr wenig verstehe, weder was die direct jüdischen Angelegenheiten, noch was die finanziellen Fragen angeht, da einmal dieses Gebiet als etwas Jüdisches bezeichnet wird. Um diese Ueberzeugung zu erhalten, braucht man nur seine desfallfigen Reden zu lesen. Es stehen also diesem einem Juden Bleichroder oben bezeichnete fünf Männer entgegen, denen demnach vorgeworfen wird, daß sie dem Einfluffe des einen Juden nachgegeben hätten, um entweder sich mit ihm die Taschen zu füllen, oder sie ihm allein zu füllen. Dazu scheinen doch die oben genannten Namen moralisch wie intellectuell zu bedeutend, um derartigen Inspirationen nachgeben zu können. Es hieße auch Herrn v. Bleichröder zu viel Ehre und Unehrc zu gleicher Zeit erweisen. Andererseits ist wiederum nicht zu leugnen, daß in den Artikeln der Kreuzzeitung die Zusammenstellung verschiedener Factoren und Ereigniffe insofern einen großen Schein von Wahrheit erlangt, als vielleicht manches, waS als Voraussetzung dargestellt wird, in Wirklichkeit stark an die Wahrheit streifen mag.