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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-27 · Heft 31 (27.7.1875) · p. Seite 494

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 31 (27.7.1875)
Date
1875-07-27
Page
Seite 494 (sequence 8)
Language
German
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494 im Ganzen aber doch noch sehr hoch erscheint. Wir können nur I den lebhaften Wunsch hinzufügen, daß die Vorsehung der rühmenswerlhen Anstalt noch recht lange ihre Vorsteherin erhalten möge! Königsberg i. Pr., im Juli. ,Privatmilth.) Auch ein Zeugniß, daß die Juden vollständig in das Reich der Cultur eingetreten, besteht darin, daß Gemeinden und ihre Institute statutenmäßig geordnet und organisirt sind und ihre Jahresberichte regelmäßig Lurch den Druck veröffentlichen. Mitglieder und Theilnehmer werden dadurch von den Leistungen, sowie vom Umfange der Mittel in Kenntniß erhalten, und überhaupt eine nicht geringe Anregung zur Mitgliedschaft und Mitwirkung geübt, da es einmal dem Menschen angeboren ist, gern aus löbliche Weise in das Licht der Oeffentlichkeit zu treten. Wir haben heute die Freude, aus mehreren solcher hiesigen Vereine auf Grund ihrer Jahresberichte Mittheilungen zu machen. — Ich stelle den 6. Jahresbericht des „Israelitischen Studien-Beförverungsvereines für Ost- und Westpreußen" über das VerwaltungSjahr 1874 voran. Ein solcher Verein zur Unterstützung von Studirenren, Technikern und Seminaristen für eine ganze Provinz, der zugleich aber Theilnehmer in dieser Provinz hat, ist uns nicht weiter bekannt, da anderweitig die Bewohner der Hauptstädte allein für diesen Zweck thätig sein müssen, während die Bewohner der Provinz nur die Wohlthaten jener sich gefallen lassen. Es ist dies ein rühmliches Zeugniß für die Juden unserer Provinz. Die Zahl der Orte, in denen der Verein Mitglieder besitzt, ist 58, fünf mehr als früher; wohingegen eigenthümlicher Weise fämmiliche Mitglieder des Vereins in Thorn ihren Beitrag verweigerten, weil sie anderweitig zu sehr in Anspruch genommen wären. Die Summe der bewilligten Stipendien betrug 920 Thaler gegen 79l Thaler im Vorjahre. Der eiserne Fond beträgt jetzt bereits 0250 Thaler, die Beiträge der Mitglieder looo Thaler. Unterstützt wurden 24 Personen. Der Verein ist jetzt daran, um Corporationsrechte nachzusuchen, und hat zu diesem Zwecke sein Statut angemessen verändert. Was uns nicht minder angenehm berührte, ist der Umstand, daß im Vorstande desielben sich bedeutende wisienschaftliche Capacitäten befinden, wie außer dem für wohlthätige Zwecke äußerst thäligen Rabbiner Dr. Bamberger, Prof. Dr. Jast'e. l»r. Saalschütz, l)r. Friedländer, Ur. Laser. — Wir schließen hieran den 14. Jahresbericht des Israelitischen Waisenhauses. Es befinden sich in ihm gegenwärtig 12 Knaben und 0 Mädchen, die unter der Leitung des Jnspectors Held und deffen Frau sorgfältig erzogen werden. Fortdauernd wird die Anstalt durch Legate, Schenkungen und Spenden in ihrem Wachsthum gefördert. Das Vermögen besteht jetzt in 18,314 Thalern, die Ausgaben betrugen 3325 Thaler, was immer noch per Kopf der Zöglinge einen hohen Kostenaufwand darstellt. Die Zahl der Zöglinge müßte vergrößert werden, um so die allgemeinen Kosten auf eine größere Anzahl Zöglinge vertheilt zu sehen. — Außerdem besteht hier aber auch ein „Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Wittwen und Waisen", der die Corporationsrechte von der kgl. Regierung erhallen hat, um das in 2000 Thalern bestehende Vermachrniß des vr. K o s ch empfangen zu können. Die Zahl der Mitglieder beträgt 250, und hat der Verein 1874 an monatlichen Unterstützungen 920 Thlr., an einmaligen Vertheilungen 391 Thlr., an außerordentlichen Unterstützungen 187 Thlr., an Lehr- und Schulgeldern 159 Thlr. und für Naturalien 43 Thlr., im Ganzen 17 01 Thlr. verausgabt. Es ist dies ein höchst rühmliches Ergebniß. Der Verein hat ungefähr 4000 Thlr. Vermögen. — Auch die Religionsschule der Synagogengemeinde hat ihren 9. Bericht veröffentlicht. Sie begann das Schuljahr mit 260 Schülern (135 Knaben, 125 Mädchen), wozu im Laufe des Jahres 57 Zöglinge kamen, wogegen 74 die Schule verließen. Außerdem besuchten 11 Knaben, 30 Mädchen den Confirmandenunterricht. Es zeigt sich also auch hier die fast überall beobachtete Eigenthümlichkeit, daß eine weit größere Zahl von Mädchen als von Knaben sich an der Consirmation betheiligen, während nach dem srühern Ritus alle Knaben Bar mizwa wurden und die Märchen gar keine Ceremonie zu beobachten hatten. Die Ursache liegt darin, daß viele Eltern sich mit rer Bar mizwa begnügen, und viele Knaben in die Lehre treten, bevor sie für den Eonstrmandenunterricht geeignet wurden. Hierin wäre also noch nachzuhelfen. Die öffentliche Prüfung unserer Religionsschule hat befriedigende Erfolge erwiesen, wenn wir die Schwierigkeiten ermessen, welchen eine solche Anstalt begegnet, und die nicht aus dem Wege zu räumen sind. Oesterreich - Ungarn. Aus Oesterreich, 16. Juli. (Privatmitth.) Aus allen Theilen des cisleithanischen Oesterreich kommen uns Berichte über die Trauerfeierlichkeiten zu, welche in den verschiedenen Synagogen wegen des Ablebens des Kaisers Ferdinand abgehalten worden. Es fehlt uns an Raum, um allen diesen Mittheilungen den Abdruck zu gewähren. Wir erwähnen z. B. der solennen Feier zu Przemysl unv Krakau in Galizien, zu Bryx in Böhmen. Die an letzterem Orte vom Rabbiner vr. A. Kisch gehaltene Trauerrede ist bereits im Druck erschienen unv entspricht ihrem Zwecke in würdiger Weise. Die Pietät der jüdischen Gemeinden, da sie dies Mal einen längst vom Throne herabgestiegenen Monarchen betrifft und von obenher nicht angeordnel war, giebt ein ansprechendes Zeugniß von der Loyalität der jüdischen Bevölkerung. Lemberg, l6. Juli. Eine Verhandlung in Neu-Sander vor dem dortigen Gerichte machte großes Aufsehen. Es handelt sich um eine Anwendung der österreichischen Maigesetze aus jüdische Geistliche. Ein dortiger jüdischer Kaufmann Ameisen hatte sich in einer Streitsache dem Schiedssprüche des Gemeindevorstandes nicht fügen wollen, unv wurde vom Rabbinate mit dem Bann belegt, was ihm, da sich alle Juden vom Verkehr mit ihm

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