Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 30 (20.7.1875)
- Date
- 1875-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herallsgegeben voll Rabbiner vr. Lu-wiz Phüippson in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit t Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. KgdMCn^CttCR wende man jUb an Dr. L. DhiliriVson in Sonn; hinsichtlich bd Bezug» und der Inserate an «nnngärtner'» Lächbaudluay ^nLeivzig. Inserate, welche bi« vauuer,- lag eingehen. finden iuder darauffolgeu. den Nummer Berücksichtigung. Dicse Zeitun» erscheint wöchentlich einmal «2 b,« 2'/, Bogen. Pro» Blerteliahrig 2 Mart. Inserate werden mit 20 Pf. fite die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlung«. Postämter und Zeitung« - Expedition« nehm« Bestellung« an. 39. Jahrgang. Leipzig, den 20. Juli 1875. J\? 30. SuhaU. Leitende Artikel: Der jüdische Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Seitllngsnachrichten: Deutschland: Potsdam. Bonn. Berlin. Mannheim. — Oesterreich.Ungarn: Krakau. Strakonitz (Böhmen'. — Rumänien: Fokschani. — Feuilleton: Einige religiös - sittliche Fragen. V. — Corresponden;: Hamburg. — Vermischtes. — Nachtrag: Deutschland: Trier. Oesterreich-Ungarn: Pest. «CeiteitOe (ftxhilef. Bonn, den 11. Juli. Der Mische Religionsunterricht an den höheren Lehranstalten. Daß an den höhern Lehranstalten in Preußen wie in Oesterreich der jüdische Religionsunterricht nunmehr von Schulwegen ertheilt und honorirt werden soll, ist von nicht zu unterschätzender Bedeutung, erfordert aber auch veränderte Einrichtungen. Sehen wir von der allgemeinen staatlichen Wichtigkeit ab, das Judenthum so neben den beiden christlichen Confessionen der Gerechtigkeit gemäß endlich anerkannt zu wissen: so ist eS für die jüdischen Schüler und Schülerinnen eine große Befriedigung, sich in religiöser Beziehung nicht mehr zurückgesetzt zu fühlen, sondern ihre Religion von der Schule gleichmäßig behandelt zu sehen. Wenn die Religionsstunde naht, brauchen sie nicht mehr das Schulgebäude zu verlassen, sondern sie begeben sich gleich ihren kathok. und protestantischen Mitschülern nur in die Classe, in welcher ihr Religionsunterricht ertheilt wird. Aber auch ans die Lehrer der verschiedenen Schulen muß es einen wohlthätigen Einfluß üben. Denn Jedermann weiß, wie oft sich Lehrer öffentlicher Anstalten durch das von ihnen selbst noch genährte Borurtheil verleiten lassen, selbst in Gegenwart jüdischer Zöglinge auf Judenthum und Juden zu schmähen, was jedoch durch die Zugehörigkeit des jüdischen Religionslehrers zum Lehrercollegium, sei diese auch nur eine beschränkte, und durch die Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes in der Schule selbst sicherlich verschwinden, oder doch vermindert werden wird. Einiger Nachtheil dagegen ist darin zu finden, daß die jüdische Jugend nunmehr selbst in ihrem Religionsunterrichte nach den verschiedenen Schulen zersplittert, nicht mehr vereinigt sein wird, und hierdurch das Gefühl der religiösen Zusammengehörigkeit leidet. Andererseits erheben sich manHerlei Fragen hinsichtlich der neuen Einrichtung, und da wir deshalb bereits von mehreren Gemeinden Anfragen erhielten, so stehen wir nicht an, diese hier unsrerseits zu er- Jm Allgemeinen müssen wir den Grundsatz aufstellen und festhalten, daß in allen Classen einer Lehranstalt, in welchen christlicher Religionsunterricht ertheilt wird, auch der jüdische gegeben werde, und ebenso betreffs der Zahl der Stunden. Es finden nämlich bei den verschiedenen Lehranstalten darin Verschiedenheiten statt, daß in der einen in den oberen Classen kein Religionsunterricht mehr ertheilt wird, in anderen bis zur Prima einschließlich; ebenso werden in den unteren Classen gewöhnlich drei, in den oberen zwei Stunden wöchentlich darauf verwendet. In allen diesen Punkten muß auf eine völlig gleichmäßige Behandlung für den jüdischen Religionsunterricht gedrungen werden, nicht mehr und nicht weniger. Eine Schwierigkeit entsteht in allen derartigen Angelegenheiten für die Juden aus ihrem numerischen Verhältniß. In den wenigen großen Gemeinden besteht diese Schwierigkeit nicht; die Zahl der jüdischen Zöglinge ist groß genug, um besondere Combinationen nicht nothwendig zu machen. An vielen Orten aber wird zwar die gesammte jüdische Schülerzahl einer Schule groß genug fein, um die Herstellung des jüdischen Religionsunterrichtes