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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-13 · Heft 29 (13.7.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 29 (13.7.1875)
Date
1875-07-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Tudenthums. Ew unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen Ln Bonn. Verlag von Bcmmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit I Mark 50 P s. pro Hundert berechnet. Zn redactionelle» Lngeleaeuheiren wende man sich an vr. £. f)t>iljjpfon in Bonn; biufubtlid) des Bezug« und der Znieralean Laamgärtner'» Nachdaiidlany inSeipzig. Jnsrralr, weich« bis vouurr,- l»g cinfteben. finden inderrarauffolgen» den Nummer Beriicksichtigung. Diese Aeiwug erscheint wöchentlich einmal in i biS 2'/ . Bogen. Preis »iertdwbri« s Liark. * Inserate werten mit 2(i Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und AeirungS Expeditionen nehmen Bestellungen an. 39. Jahrgang. Leipzig, den 13. Juli 1875. J\? 29. Inhalt. Leitende Artikel: Ein Stück Zeitgeschichte. — Pastorct und Moies. II. «Schluß) — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Kurhessen, Bonn. — Oesterreich.Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris — Großbritannien: London. — Türkei: Kreta. — Spanien: Madrid. — Rußland: Petersburg. — Amerika: Peru. — Palästina. — Feuilleton: Einige religiössittliche Fragen. IV. — Berthold Auerbach über die Juden. leitende (9Lxh£ef. Bonn, den 7. Juli. Ein Stück Zeitgeschichte. Als jüngst der Cultusminisier Ür. Falk auf seiner Reise durch die Rheinprovinz in Bonn verweilte, ließ er sich in rer Aula das Lehrercollegium der Universität vorstellen: es waren vier Israeliten darunter, drei Profeffvren und ein Docent; sie gehören der medicinischen (naturwissenschaftlichen», juristischen, philologischen und historischen Wissenschaft an. An demselben Tage las mau in den Zeitungen, daß Professor l)r. Levin Goldschmidt, das bisherige Mitglied des Oberhanvelsgerichtes des deutschen Reiches in Leipzig, nunmehr Professor der Jurisprudenz an der Berliner Universität, den Titel „Geheimer Justizrath" erhallen hat, der erste Jude, der in Preußen durch diesen Titel ausgezeichnet worden. (Bekanntlich hat Prof. Dr. Traube den Titel „Geheimer Medicinalrath".) Es lag nicht fern, daß das erstgedachte Borkommniß einen Eindruck auf uns machen mußte. Es weckte mancherlei Erinnerungen und Gedanken in uns. Finden wir doch gegenwärtig akademische Lehrer jüdischer Religion auch an den Universitäten Berlin, Göttingen, Marburg, Halle, Breslau und Königsberg. Wir versetzten uns im Geiste nur um 50 Jahre zurück, ein halbes Jahrhundert, das wir selbst mit Bewußtsein durchlebt haben. Wie anders, wie entgegengesetzt lagen damals die Verhältnisse für uns! Welche innere Entwickelung und welche schweren Kämpfe waren nothwendig, um ein solches Resultat hervorzubringen, wie es sich in den obigen einfachen Daten ausprägt! Doch wir wollen nur bei der Anführung einiger wenigen Thatsachen verbleiben. Bor fünfzig Jahren war es noch immer eine Seltenheit, daß sich jüdische Jünglinge zum Studium auf einer Universität bestimmten und vorbereiteten, während gegenwärtig bekanntlich fünfmal so viel jüdische Schüler die Gymnasien besuchen, als nach dem Zahlenverhältniß der Bevölkerung auf die Juden kommen. In meiner Vaterstadt, wo eine an tausend Seelen zahlende Gemeinde unter einem wohlwollenden humanen Fürsten an Bildung und Aufklärung schon ein bedeutendes Maß in sich ausgenommen, hatte erst ein einziger junger Mann sich dem Smdium gewidmet, der nachmals rühmlich bekannte Ludwig Markus, der Sohn einer Garköchin, der bei einer stupenden Gelehrsamkeit durch die widerwärtigen Verhältnisse der Zeit und seine eigenthümliche Persönlichkeit eine bestimmte Laufbahn verfehlte und zuletzt in einer Dachkammer von Paris verkümmerte und starb. Der zweite, der sich zu solchem Wagniß ermuthigt fühlte, war mein ältester Bruder, und erregte dadurch ein allgemeines Kopfschütteln in der Gemeinde; es fehlte sogar nicht an Versuchen aus dem engsten Kreise, ihn von diesem Gedanken abzubringen. Aber siehe da! der Funke zündete schnell, und schon sechs Jahre später befanden sich vier Söhne aus der Gemeinde auf dem Gymnasium, die sämmtlich zur Universitär abgingen. Als ich mit meinem Bruder nach Halle ging, um, während er Medicin studirte, das Gymnasium der Francke'schen Stiftungen zu besuchen, war ich der erste Judenknabe, der in dasselbe ein- 'trat. Der damalige Rector der sg. Lateinischen Schule ver-

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