Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 28 (6.7.1875)
- Date
- 1875-07-06
- Page
- Seite 452 (sequence 14)
- Language
- German
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452 Maralstatistik. Unter diesem Titel erschien jüngst in zweiter nenbearbeiteter Auflage ein umfangreiches Werk von Herrn Alexander von Dettingen, ordentl. Professor und Doctor der Theologie in Dorpat, das freilich mit der an Herrn von Dettingen gewohnten Voreingenommenheit gegen die Juden geschrieben, dennoch aber ein glanzendes Zeugniß für die Moralität und den Bildungsdrang der Juden ablegt. Es wird in diesem Werke statistisch nachgewiesen, daß hinsichtlich der Volksbildung die herrschenden Religionen, d. h. der Katholicismus und Protestantismus am schlechtesten wegkommen, während der Eifer der jüdischen Bevölkerung, ihren Angehörigen eine „höhere Bildung" zu geben, unverkennbar zu Tage tritt. Während die procentale Betheiligung der Bevölkerung an dem höhern Unterricht (in Gymnasien, Realschulen und höheren Bürgerschulen) vom Jahre 1863 bis 1867 in Preußen beiden Protestanten von 70,15 auf 69,05 pCt. herabsank und bei den Katholiken sich fast gleich blieb, steigerte sich bei den Juden von 7,29 aus 8,35 pCt. Für Berlin wies Schwabe (Berliner Jahrbuch IV. 149 f.) nach, daß die Juden fast in allen Stücken sich günstiger Herausstellen, namentlich in der Sorge für den höhern Unterricht der Knaben, welche sich mit 56 pCt. an demselben betheiligen, während die Juden in der Bevölkerung nur etwa 4 pCt. ausmachen. Dasselbe ergiebt sich für Bayern. Während daselbst die jüdische Bevölkerung 1567 nur 1,1 pCt., die protestantische 27,5, die katholische 71,3 pCt. betrug, stellte sich die Theilnahme an dem Gymnasialunterricht 1869/70 1570/71 bei den Katholiken auf 72,1 72,3 pCt. - - Protestanten - 26,2 25,9 - - - Juden - 1,7 1,8 - Ein ebenso günstiges Resultat stellt sich betreff der Moral und Sittlichkeit für die Juden heraus. In ganz Preußen weisen die Juden nur 3—4 pCt. unehelicher Kinder alljährlich auf; auch in Pest betrug nach Köröse (Bewegungen der Bevölkerung der Stadt Pest S. 55) die uneheliche Geburisziffer bei den Juden nur 3,21 pCt., bei den Katholiken hingegen 37,80 pCt. Dasselbe gilt von der Criminalität, in der die Juden den geringsten Procentsatz haben. Unter allen Confessionen nehmen sich die Juden am seltensten das Leben. So kam im Jahre 1868 in der österreichischen Monarchie ein Selbstmord auf 9,956 Protestanten, 13,555 Katholiken, 21,859 Griechen, 29,987 Juden. Die Juden vermehren sich unter allen Confessionen am stärksten, namentlich in Oesterreich, um beinah 2 pCt. jährlich, und in Preußen 1,2 pCt. Pest, im Juni. Kg. Der sonderbaren Erscheinungen giebt es gegenwärtig auf dem religiösen Gebiete sehr viele. Wie will man z. B. erklären, daß ein Naturforscher (katholisch,, der noch vor einigen Jahren über und für den Darwinismus öffentliche Vorträge hielt, gegenwärtig zu den eifrigen Ultramontanen zählt? — Dies geht doch noch weit darüber hinaus, wenn der berühmte Physiolog Julius Müller eifriger Katholik war, und einst entsetzt von den Knieen auffprang, als sein anatomisches Auge gewahrte, daß mit einer Reliquie ein frommer Betrug gespielt worden: „Um Gotteswillen, das ist ja ein Eselsknochen!" — Jüngst candidirte ein junger Rabbiner von der gemäßigten Richtung um eine Stelle. Alsbald verbreiteten die Orthodoxen das Gerücht: „an diesem und diesem Orte hat der Candidat am Sabbath eine Cigarre geraucht!" Nun rauchte aber dieser Candidat gar nicht, hatte nie eine Cigarre im Munde gehabt — was thut's: man hatte doch um der guten Sache willen gelogen und verleumdet! Anzeige«. In einer mittleren Synagogengemeinde wünscht ein Religionslehrer und Cantor, der auch geübter ^(ITI^Ctrctvncr ist, Engagement. Offerten sul> Chiffre T. 1116 befördert das Annoncenbureau Beruh. Grftter. Breslau, Riemerzeile 24. ~~ Ein Lehrling von anständigen Eltern, welcher eine schöne Handschrift schreibt, und Lust hat das Manusactur- und Confections-Geschäft zu erlernen, wird sofort gesucht. Auch suche ein Mädchen für Küche und Hausarbeit. Max Leib in Svlmgeu (Rheinprovinz). I Ein junger Mann, tüchtiger Verkäufer, kann! die Stellung eines Landreifenden auf Provision j in meinem Cigarrengefchäft erhalten. Antritt kann sogleich, auch später geschehen. Salzgitter, im Juni 1873. J/. Meyer. Gesucht wird eine jüdische Köchin, welche mit guten Zeugnissen versehen ist, gegen sehr guten Lohn. Darauf Reflectirende wollen ihre Offerten unter 8. 8. Nr. 36 an die Expedition dieser Zeitung einsenden.