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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-07-06 · Heft 28 (6.7.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 28 (6.7.1875)
Date
1875-07-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Mtlgemeine Zeitung -es Judenlhums. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandluug in Leipzig. Beilage» werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 3» «d»clionellen Angelegenheiten wende man fich anvr. L. philir-son in Bonn; dinTichrlich de« Bezug» und der Jnierarean Lllimgürknrr'i Suchdandlany inLeidzig. Inserate, welche bis vonaer»- tag cingeben. finden inder darauffolgenden Siummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/, Bogen. Preis Bierteljäbrig 3 Mart. Inserate werde» mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren 39. Jahrgang. Leipzig, den 6. Juli 1875. A? 28. 3nlialt. Leitende Artikel: Dühring gegen die Juden. II. >Schluß) — Pastorct und Moses. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Bielefeld, Wolfenbüttel. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Prag, Lemberg. — Großbri ta nnien: London. — Hol - land: Amsterdam. — Türkei: Kreta. — Rußland: Aus Rußland. — Asien: Smyrna, Jaffa. — Amerika: New-L)erk. — Feuilleton: Einige religiös-sittliche Fragen. — Vermischtes. Sciteude (9Lxhfief. Bonn, den 30. Juni. Dühring gegen die Zuden. II. (Schluß.) Diesen beiden Aeußerungen Dühring's über die Grausamkeil des israelitischen Volkes und dessen Auswanderungslust, sowie daß die Juden Schuld an der Specialistrung der Wissenschaften feien, genügen schon, um den Charakter und die Leidenschaftlichkeit dieses Mannes zu bezeichnen. Hierin gleicht er ganz und gar den gewöhnlichen Judenftessern. Alles wird von ihnen utrirt. Alles, was die Juden betrifft, aus kleinem Maßstabe in den größten übertragen, Alles an ihnen in's Schwarze gemalt, um daraus die empfindlichsten Vorwürfe zu schmieden, sie zu verdächtigen und zu schmähen. Wie weit dies eines Philosophen würdig, einem Denker angemessen, einem Wahrheitsfreunde entsprechend ist, wie viel Vertrauen solches Vorgehen auf die anderweitigen Deductionen des Verfassers einftößt, wie viel Verlangen, diese kennen zu lernen, dies wird sich leicht Jeder selbst sagen können. — Wir halten es nun durchaus nicht für unsre Aufgabe, Herrn D. in alle Einzelnheiten zu folgen, die er über die Juden anbringt, sondern heben nur noch Einiges hervor. Die Behauptung, daß die Geschichte des Judenthums einen „angestammten Mangel wissenschaftlicher Schöpferkraft" erwiesen habe, zeugt nur von der Unkenntniß der Specialgeschichte, die wir freilich der Richtung des Verfassers, wie er sie selbst ausgesprochen, nicht verübeln können; widerlegt ist sie schon oft genug geworden. Mit einer solchen „angestammten wissenschaftlichen Schöpferkraft" hat es überhaupt ein eigenes Bewandniß. Wie viele Jahrhunderte dauerte es, bevor die gernianischen Stämme eine solche erwiesen; wie hätte es um sie ohne die Wiedererweckung des klassischen Alterthums gestanden, wie lange konnten sie allein an dieser Krücke forsschreiten, und wie spät vermochten sie sich von dieser loszumachen'. Wir deuten dies nur an, um erkennbar zu machen, wie oberflächlich alle derartigen Behauptungen gegenüber jeder gründlichen Forschung und parteilosen Auffassung sind. Phrasen lassen sich leicht schmieden; Phrasen sind aber der Tod aller richtigen Erkenntniß und aller gerechten Beurtheilung. — Dühring sagt: „Ganz besonders sind ihnen iden Juden) unter den höheren Erwerbszweigen die weniger von der Staatspolizei unzugänglich gemachten und mithin gerade die neuaufgekommenen im weitesten Umfange zugefallen." Er erwähnt hier zunächst der Journalistik und des ärztlichen Berufes. D. giebl also zu, daß die „Staatspolizei" den Juden bis auf die neueste Zeit die vielfachsten Ausschließungen und Beschränkungen entgegengeslellt hatte, und wundert sich dennoch, daß er in den nicht verbotenen Berusszweigen einige Juden antrifft. Den einfachen Schluß, daß die Juden darum vorzugsweise im Handels- und Finanzsache vertreten sind, hütet er sich zu ziehen, denn hierdurch wäre ja einem schneidenden Vorwurfe die Spitze abgebrochen. Was die Journalistik betrifft, so folgt der geniale Beobachter und Denker hier wiederum nur dem großen Haufen, der, wo er auch nur einige Juden bemerkt, über die Herrschaft derselben schreit. Man hatte lange Zeit begabte jüdische Jünglinge durch Aus-

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