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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-29 · Heft 27 (29.6.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 27 (29.6.1875)
Date
1875-06-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zeilun "Allgemeine -es Iu-enlhums. Cm unparteiisches Organ siir alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Zn redactwnelle» Angelegenheilen wende man nch an l>r. £. Philippion in Bonn: binpchüich des Bezug» und der Inserate an L»»«-Srturr'» Luadandlnuy inLcipzig. Jnkerakr, welch« di» vonner,- log eingeben. finden in der earaufsolgenden Siurmner Berücksichlignng. Dies« Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2>/, Bogen. Preis Biertüiähria r Dtark. Inserate werde» mit 20 Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Snchhmidliinacn, Postämter und Zeitung» - Expedition« nehmen Bestellungen an. 39. Jahrgang. Leipzig, den 29. Juni 1875. JW 27. Inhalt. Leitende Artikel. Dühring gegen die Juden. — Literarischer Wochenberi cht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Dortmund, Bonn, Berlin, Breslau, Culmsee, Rcichcnbacb (Schlesien«. — Oesterreich»Ungarn: Wien — Frankreich: Paris. — Schweiz: Basel. — Italien: Ferrara. — Türkei: Kreta. — Rußland: Petersburg. — Aegypten: Kairo. — Feuilleton: Die Handwerke bei den Juden vor der Zerstörung Jcru'alems. «Schluß) — Notiz: Krotoschin. — Vermischtes. J?citeudc (ftxfclllef. Bonn, den 23. Juni. Dühring gegen -ie Juden. Der Geist der Unduldsamkeit, des religiösen und des nationalen Fanatismus regt sich einmal wieder gewaltig. Er rauscht mit seinen schwarzen Fittigen bald nach diesem, bald nach jenem Lande, und spreizt seine Schwingen aus, um das Licht von den Menschen abzuhalten und ihnen den Tag zu verdunkeln. Er haucht seinen giftigen Athem aus, um das frische, freie Leben in den Adern in's Stocken zu bringen, und Blüthen und Früchte an dem Baume der Humanität welken und faulen zu machen. Hinter ihm drein zieht die ganze Schaar der raubgierigen Vögel, die Geier, die Eulen und Raben, die Falken und Weihen. Wir fürchten sie nicht; sie machen uns nicht bange. Die Herrschaft des Rechts, die Macht der Aufklärung und vor Allem die Bedürfnisse und Erzeugnisse des wirklichen Lebens schützen uns genügend vor dem mittelalterlichen Gespenst und der Wiederkehr seiner Barbarei. Doch ist nicht zu leugnen, daß jener finstere Dämon immerhin aus einige Zeit die Geister zu verwirren, die Gemüther zu verbittern vermag, die Verhältnisie verschiebt und den Gang der Entwickelung hemmt und erschwert, vor Allem aber eine Menge Einzelner mit fühlbaren, manchmal niederschmetternden Schlägen trifft. Es ist dies ja seine Bestimmung und weshalb ihm das Dasein immer wieder gefristet wird. Wir sollen mit ihm kämpfen, stets von Neuem und mit großer Anstrengung ihn verscheuchen und vertreiben, ihm die Schwungfedern und Krallen stutzen, wenn sie ihm auch immer wieder wachsen. Ohne Bild: die Menschheit darf sich mit einem halben, selbst mit fast vollem Siege nicht begnügen; so lange noch in ihren Adern etwas von dem zersetzenden Gifte des Aberglaubens, der Parteiwuth, des Raren- und Religionshaffes, des Un- und Vorrechtes vorhanden ist, wird es seine unselige Wirkung üben, muß es durch einen schweren Proceß beseitigt werden, bis Alles geklärt und geläutert sein wird. Dies kann noch lange währen, sich noch oft wiederholen. Aber wir dürfen nicht ermüden und zurückstehen, weil jedes Ermatten dem Feinde nur neuen Spielraum eröffnet, nur neue Kräftigung zuführt, so daß der Kamps nur um so härter wird. Wundern wird es uns aber nicht, wenn wir da unter den Dienern und Schleppträgern jenes Dämons nicht blos die erklärten Feinde des Lichtes, sondern auch allerhand Leute finden, von denen wir dies nicht vermutheten. So z. B. wird der, welcher die Geschichte des letzten Jahrhunderts kennt, nicht erstaunen, auch deutsche Philosophen, Fachmänner der deutschen Philosophie unter jenen Trabanten zu erblicken — viele derselben haben sich so sehr in ihr einseitiges und aus dürren Balken zusammengezimmerteS System verrannt, in ihre mit Senkblei und Richtmaß abgegrenzte Anschauung eingekerkert, daß ihr Blick gar nicht mehr darüber hinaus kann und aller Unbefangenheit und Freiheit entbehrt. Unter solcher Geistesthätigkeit verengen sich die Kammern ihres Herzens und verbittert sich ihr Gemüth. Es ergeht den Philosophen wie den Priestern: ihre Stellung theilt ihnen eine gewisse Autorität zu, und siehe da, die Welt räumt ihnen diese nicht mehr ein und verspottet sogar

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