Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 26 (22.6.1875)
- Date
- 1875-06-22
- Page
- Seite 420 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Zwischen Darwin und Max Müller ist eine heftige Polemik ausgebrochen. Der letztere hatte in feinen bekannten sprachwissenschaftlichen Vorlesungen die Sprache als den wesentlichsten Unterschied zwischen Mensch und Thier geltend gemacht. Die Sprache, welche zugleich das wirkliche Mittel ist, um einen Begriff, einen begrifflichen Gedanken und begriffliche Folgerungen in einer Gedankenreihe zu bilden, so daß hieraus alle die geistige Befähigung entspringt, welche den Menschen und das Thier unterscheidet, so daß, wenn wir auch in der Thierseele geistige Rudimente nicht verkennen können, doch eine sehr tiefe Kluft zwischen Thier und Mensch besteht, welche auch der Entwickelungstheorie zu überspringen unmöglich ist. Deshalb der Zorn Darwin's und seiner Anhänger gegen den gelehrten Linguistiker. In einer Streitschrift, auf deren Titel allerdings nur der Sohn Darwin's genannt ist, wurde gegen die gründliche Ausführung Müller's nur der fade Einwanv erhoben, daß es einen wilden Menschenstamm gebe, dessen Sprache nicht über das Glucksen und Grunzen hinausgehe — was freilich noch sehr zu verifiziren ist. Müller entgegnet: Wir wollen einmal annehmen, daß dies wahr sei, so nehmet doch ein Kind dieses glucksenden Stammes und lasset es in einer deutschen, englischen ober französischen Familie erziehen, und eS wird deutsch, französisch oder englisch sprechen; nehmet aber das Zunge eines glucksenden oder grunzenden Thieres und bringet es ebendahin, und es wird niemals sprechen lernen. Was kann wohl gegen eine solche einfache Entgegnung erwidert werden? Run, man weiß sich zu helfen, wie es jede bis zum Fanatismus gekommene Partei thut — sie schimpft. Die „Cöln. Z." erzählt: „In einem Cöln nahe gelegenen Landstädtchen stellten, wie uns zuverlässig mitgetheilt wird, hiesige Herren vor wenigen Tagen mit ungefähr 8 Knaben im Alter von 7—14 Jahren ein kleines Examen an, indem sie fragten: „Wie heißt unser Kaiser und König?'" Durchgängig wurde eine falsche oder gar keine Antwort gegeben. Auf die fernere Frage: „Wie heißt der Papst?"" erscholl sofort einstimmig die richtige Antwort. Ein nach diesem überraschenden Prüfungsergebniß hinzukommender Junge gab auf die Frage nach dem Kaiser sogleich die richtige Antwort, stutzte indeß verlegen, als er nach rem Papst gefragt wurde, worauf die früher (^prüften höhnisch ausriesen: „Das es enn Jüv!" < Bravo!) % n 8 e Ein jüdischer, seunnar. gebildeter Lehrer, wird für das israelitische Prov.-Waisenhaus auf sofort, spätestens 1. October d. I. gesucht. Gehalt 900 bis 1200 Mark bei freier Wohnung, Feuerung und Mitbenutzung des Gartens in rer Anstalt. Bei Berheiratheten werden kinderlose Eheleute bevorzugt, oder solche, deren Kinder wenigstens nicht mehr ganz jung sind, und denen es Herzenssache ist, die Erziehung der Waisenkinder mit zu übernehmen. Streng religiöser Lebenswandel, sowie gute Handschrift erforderlich. Meldungen werden ftanco erbeten. Der Vorstand des israel. Prov.-Wais.-Inst. für Ost-Pr. zu Schippenbeil. Ein Hauslehrer, jüd. Religion, welcher Fähigkeit hat, bis zur Tertia eines Gymnasiums oder einer Realschule vorzubereiten, wird für 2 Knaben und 1 Mädchen im Alter von 8 bis 10 Jahren gesucht. — Antritt den 15. Juli a. c. — Adressen an Herrn Rabbiner Dr. Braun in Preuß. Stargardt. _ Ein junger Mann, der die Schule bis Ober-Secunda besucht hat und dem die besten Zeugniffe zur Seite stehen, sucht in einem Producten- resp. Bank- und Wechsel-Geschäft, das Sonnabend geschlossen ist, zum sofortigen Antritt eine Stelle. Gefällige Adressen werden sub H. Aronsohn, SoldtM erbeten. i g e n. Zum 1. August d. I. suchen wir einen geprüften Religionslehrer, welcher zugleich die Befähigung eines Echä^hters besitzt und eine harmonische Andacht zu leiten versteht. Gehalt 750 Mark mlt Rebeneiukünflen. Reflectanten wMen sich baldigst melden. Barteusteiu, den 8. Juni 1875. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Jacoby Hehmann. B a c a n z. In der hiesigen Synagogengemeinde ist die Stelle eines Predigers und Religionslehrers, der auch im Besitz eines nrnin mm ist, von sogleich ab mit einem jährlichen festen Gehalt von 1800 Mark nebst Nebeneinkünften, die sich jedoch nicht näher bestimmen lassen, zu besetzen. Qualificirte Bewerber wollen ihre Meldungen unter Beifügung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten Vorstand baldigst einreichen. Reisekosten werden nur Demjenigen gewährt, welcher die Stelle erhält. Schwetz a/W., den 31. Mai 1875. Der Vorstand der Synagogeugemeinde H. Hirschberg. JE. Rosenthai. J. A. Engel. Ein junger Manusacturist, flotter Verkäufer, Decorateur, der englischen Sprache vollkommen mächtig, mit den besten Referenzen, sucht eine paffende Stelle. Franco-Offerten sub ll. V. nimmt die Exped. d. Zig. entgegen.