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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-15 · Heft 25 (15.6.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 25 (15.6.1875)
Date
1875-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Hudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2'/, Bogen. Preis Bierteliährig »Mark. Snserate werden mit 2« Pf. für di« Petitzeile oder deren «aw» berechnet. Llle Bnchbandlnngen. Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehme» Bestellungen an. Heransgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich au l'r. f. Pbilipjifon in Bonn: dinstchllich des Bezugs und der i tlnicrLkcan SLilmalielnrr'» Suchdandlaua i»reio;ig. Inserate, welidebiS Donnertag cingeden, finden indcr inraufsolgen» dcn Nummer Berücksichtigung. > Beilagen werden mit l Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 39. Jahrgang. Leipzigs den 15. Juni 1875. JS? 25. Sntpolt. Leitende Artikel: Die Juden und die Finanzwelt. — Die Nnkenntniß der bciligcn Srf>vift unter den Juden der (»egen wart. — Die Symbolik des mosaischen Heiligthums. IV. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Aus Bauern.— Oesterreich- Ungarn: Lemberg —Fraukreich: Paris. — Jtal ien: Casale. — Rußland: St- Petersburg. — Amerika: New?)ork. — Feuilleton: Lorrcspondenz: Steele an der Ruhr. — Vermischtes. ^otbeltJe. CLxhkci. Bonn, den 11. Juni. Die Äu-en und die Lnanzrvelt. Wir richten die Aufmerksamkeit unsrer Leser auf die in dieser Nummer enthaltene C.orresponden; aus Petersburg, welcher noch weitere Mittheilungen folgen werden. Es geht daraus hervor, daß die öffentliche Meinung in jener Hauptstadt eines riesigen Staates und deßhalb auch wohl die Richtung der Gesetzgebung über die Berhältniffe der drei Millionen russischer Unterlhanen jüdischer Religion vielfach durch die Mißgunst und die Abneigung gegen die Finanziers, welche dem Judenthume angehören, geleitet und feindselig gestimmt wird. Es tönt uns also hier dasselbe entgegen, was wir in jüngster Zeit aus so vielen Schriften und Artikeln herauszulesen hatten, daß durch die Ereigniffe und Erscheinungen innerhalb der letzten fünf Jahre sich eine gehässige Meinung über die Juden im Allgemeinen gerade aus der Lage und dem Gange der Finanzwelt, an denen man Juden einen hervorragenden Antheil zuschreibt, herausgebildet hat. Die gelammte Masse der Juden muß darunter leiden, daß es einige Juden von eminentem Reichthum und eine Anzahl Juden unter den Finanziers giebt. Alles schreit über die Juden als Inhaber deS Capitals und einer Herrschaft über die materiellen Verhältnisse der Welt, während was man tadelt und vorwirft, doch nur die Finanzregion, an welcher einige Juden beiheiligt sind, zu treffen vermag. Es ist hier nicht unsre Aufgabe, die Finanzwelt zu beurtheilcn. Einzelne und zeitweilige Vorgänge können über den Werth oder Unwerth einer großen weltumfassenden Erscheinung nicht entscheiden. Die Finanzwelt hat große Sünden auf sich geladen, aber sie bat auch Außerordentliches und Unentbehrliches gesckaffen. Sie allein ermöglichte es, um nur ein Beispiel anzusühren, daß innerhalb vierzig Jahre die Erde von einem Eisenbahnnetze und Telegraphendrähten umsponnen worden, von Tausenden von Dampffchiffen umfahren wird, daß in überraschender Schnelligkeit sich zahllose Fabriketablissements von nie driger Stufe zu riesiger Höhe erheben konnten u. s. w. Daß aus so vielen, wundersamen Schöpfungen sich eine Schwindclspeculation, aus so außerordentlichen Erfolgen eine feile Geldgier, die gemeinste Gewinnsucht entwickelte, war ein großes Unglück, aber sehr natürlich. Die menschliche Welt muß einmal, wenn sie großen Gewinn zieht, wiederum schweren Verlust erleiden. Doch dies geht uns hier nichts an. Wir wollten durch diese Worte-nur unsre Unparteilichkeit audeuten, die sich vom Glanz nicht blenden, und vom Tagesgeschrei nicht beirren laßt. Was wir wollen das ist: gegen diese Identisicirung der Juden mit der Finanzwelt nachdrücklich zu Protest iren. Mag die letztere in ihren guten und in ihren bösen Wegen weiter schreiten, Erfolge oder Verluste, Aufgang oder Niedergang erreichen: die Juden als solche, die jüdische Welt in ihrer Wirklichkeit haben nichts damit zu schaffen. — Ob numerisch unter den Finanzleuten eine größere Anzahl von Juden besteht, als auf deren Bevölkerungsverhälmiß käme, läßt uns gleichgültig; denn jedenfalls sind in der Gcsammlheil nicht minder zahlreiche Christen darunter, und andererseits ist die Zahl der

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