Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 98 (16.8.1838)
- Date
- 1838-08-16
- Page
- Seite 398 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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598 LLLsratrrr. — A l d o. — isD, Grund- und Glaubenslehren der.mosaischen Religion von R. Joseph Albo. Nach den ältesten und correctesten Ausgaben in's Deutsche übertragen und mit Anmerkungen begleitet von W. und £. Schlesinger. Erstes Heft. Frankfurt am Main 163$, Gedruckt bei E. E. Schrön. 8. S. 160. .In einer Zeit, wo es sich mehr als je um eine Sicherstellung des Judentums, besonders von dogmatischem Standpunkte, handelt, in einer Zeit, wo der Angriffe von außen immer häufigere und immer heftigere geschehen, und die wissenschaftliche Ausarbeitung nach innen bewegter und lebendiger ward und werden muß: ist es ein glückliches Ereigniß zu nennen, daß sich geist- und talentvolle Jünglinge an die Uebertragung unsrer klassischen theologischen Schriften machen. Diejenigen, welche fürchten, daß dadurch daS Studium der hebräischen Sprache immer geringer würde, sprechen in Bezug auf die jüdische Masse von einem Factum als zukünftig, das schon eingetreten ist, und wer den Standpunkt der jüdischen Jugend kennt, wird sich schon gern mit der Forderung genügen, daß sie wenigstens die heil. Schrift und die Gebete in der Ursprache verstehe. In Betracht der jüdischen Theologen aber werden solche Uebertragungen erst recht das Bedürfniß der hebräischen Sprachkenntniß in ihnen erwecken, da sie sich ganz auf haltlosem Grunde sehen, so sie derr bisherigen Gang der jüdischen Theologie nicht aus den Quellen studiren könnten. Im Gegenrheile aber werden die Forderungen der Bekenner des Judentums nach fester, guter Speise im Bereiche ihres Glaubens immer dringender, und bloße Katechismen, Schullehrbücher und Predigten können nicht mehr ganz genügen. Wir zählen eine große Menge wissenschaftlich gebildeter Männer unter uns, Aerzte, Künstler, Geschäftsmänner rc., die der Quellen nicht mehr mächtig sind, und dennoch auf höhere Weise befriedigt sein wollen. Andern Theils haben die Bekenner andrer Religionen so viele und wiederholteVerunglimpfungen unserer ganzen früher» Literatur vernommen, daß sie diese höchstens als einen verächtlichen Seitenarm der menschengeschlechllichcn Bestrebungen kennen — so daß e6 allerdings an der Zeit ist, ihnen nicht bloß mit Worten, sondern mit der Wirklichkeit cntgegenzutreten. Unter allen Schriften der älteren Literatur aber in allen diesen Beziehungen Keine trefflicher und angemeffner, als das vorliegende, als die Jccarim von Aldo. Wer sich nur irgend mit unsren gegenwärtigen Erzeugnissen beschäftigt, har auch diesen Namen schon sehr oft nennen hören; und je neugieriger er dadurch geworden, desto dringender mag eö ihm empfohlen sein. ES ist merkwürdig — und diese Beobachtung mag bei zukünftigen Charakteristiken der Juden nicht übersehen werden — daß, während die Juden im Allgemeinen ein heißblütiges Temperament haben, und eS daher ihren älteren und neueren Schriftstellern öfters zum Vorwurf gemacht worden, daß sie leicht zum Schwulste sich neigen, im Gegentheile gerade^ die schärfsten Denker unter den Juden sich durch ihre Ruhe, Kälce und Leidenschaftlosigkeit auSzeichnen, die oft zum fühlbaren Mangel an Phantasie und Schwung ward. Sie haben eine gewisse mathematische Färbung, die sich eben so bei MaimonideS wie bei Spinoza, bei Mendelssohn wie bei Salomon Maimon leicht erkennen läßt. Auch Albo hat diesen Charakter, auch in ihm waltet neben einer warmen Begeisterung für die Wahrheit eine ruhige, kalte Untersuchung vor, die dem Freunde des Denkens es desto leichter macht, ihm in feinen Discussi'oncn zu folgen. Er spricht die ein-' fache Sprache der Ueberzeugung, er blendet nicht durch Schlaglichter und glanzende Farben, aber darum hält er ein jedes Resultat, dos er erlangt, desto strenger und sicherer fest. Seine Schrift bandelt über die Grund- und Glaubenslehren, oder wenn man will, Glaubensartikel der mosaischen Religion. Daher giebt er in dem ersten Abschnitte die Untersuchung über die Zahl dieser Grundsätze und ihre Folgesätze, in den drei folgenden Abschnitten handelt er über jeden dieser drei Grundsätze insbesondere, im zweiten nemlich über das Dasein Gottes, im dritten über die Offenbarung, im vierten über Belohnung und Bestrafung. Damit aber unsre Leser um so eher wissen mögen, was sie in dieser Schrift zu finden haben, folge hier ein kurzer Abriß des ersten Abschnittes. Kap. I. Ueber die Sorgfalt, mit der die Untersuchung über die Grundsätze einer Religion geführt werden muß, da, wenn diese zu weit ausgedehnt würden, leicht Jemand als Laugner der Religion erscheinen würde, wenn er einen derselben nicht annimmt, der es doch nicht ist. Kap. II. Ueber den eigentlichen Begriff eines Ketzers. Kap. Ul. Polemik gegen des MaimonideS 13 Grundsätze. Kap. IV. Begründung der drei Grundsätze. Kap. V. Grundsätze der bürgerlichen Gesetze. Kap. VI. Die göttliche Lehre. Kap. VH. Die verschiedenen Tendenzen des natürlichen, bürgerlichen und göttlichen Gesetzes. Kap. VIII. Worin daS bürgerliche Gesetz dem göttlichen nachstehe? Kap. IX. Die Prinzipien des bürgerlichen Gesetzes nicht die des göttlichen. Kap. X. Die drei Grundsätze des " göttlichen Gesetzes sind unzertrennlich. Kap. XI. Wie tziese drei Gesetze schon in den ersten Kapiteln der Genesis dargelegt worden. Kap. XII. Die Schöpfung aus Nichts ist kein nothwendiger Grundsatz. Kap. XUI. Der Glaube an die Grundsätze setzt auch den Glauben an die Folgesätze. Kap. XIV. Ein ausdrückliches Gebot des Pentateuchs ist weder Grundnoch Folgesatz. Kap. XV. Die acht Folgesätze jener drei Grundsätze. Kap. XVI. Polemik wider die, welche dem Menschen die Erkenntniß absprechen. Kap. XVII. Die vier Quellen der Erkenntniß, die keines Beweises bedarf. Kap. XVlil. Wie eine Religion geprüft wird. Kap. XIX. Ueber den Glauben. Kav. XX. Ueber Glaubwürdigkeit. Kap. XXL Der Glaube bewirkt die Vereinigung des göttlichen Geistes mit dem menschlichen Verstände. Kap. XXIL Ueber Unmögliches. Kap. XXIII. Sechs Wahrheiten der mos. Religion, die nicht Folgesätze sind, aber doch zu den drei Grundsätzen gehören. Kap. XXIV. Ueber die'Untersuchung der Religionswahrheiten im Allgemeinen. Kap. XXV. Die Grundsätze und Folgesätze müssen in jeder Religion vorhanden sein, wenn sie auf Wahrheit Anspruch machen will. Kap. XXVI. Uebersicht der Resultate dieses ersten Abschnittes. — (Wir wollen die Herren Uebersetzer beiläufig hier darauf aufmerksam machen, daß sie eine ähnliche Inhaltsübersicht über das ganze Werk zum Schluffe desselben zu geben nicht versäumen mögen). ES sind über das Werk Albo'S mehre ältere Commentare, wenn auch nicht von allzugroßem Wertbe, geschrieben worden. DaA bei den Untersuchungen, die er aufstcllt, nicht stehen geblieben werden kann, versteht sich von selbst, um so mehr müssen wir es aber unfern neueren Theologen zur Berücksichtigung wiederholentlich empfehlen Die Verbindung des Tradirionsglaubens mit freier geistiger Bewegung tritt darin in eigenthümlicher, schöner Gestalt auf, die, wenn man auf den damaligen Standpunkt der nichtisraelitischen Theologie (1400) sieht, sogar die höchste Bewundrung abfordert. Die Uebertragung ist getreu, und dennoch ungezwungen, was bei den großen Schwierigkeiten gewiß zum höchsten Lobe gereiche. Mögen daher die Uebersetzer a-uf jede Weise gefördert und in ihrem Unternehmen unterstützt werden. Sie reihen sich würdig den Uebertragungen der $cb. Perakim durch Salomon, Becli. Olam durch L e vy, der Ch. lialbabot durch Fürstenthal an, und haben dabei mit größeren Hindernissen zu kämpfen. Bis jetzt ist das erste Heft fertig, das 1' Abschnitte enthält. Noch drei werden folgen, die Anmerkungen bringen werden. Wir werden darüber ferner berichten. Der Preis jedes Heftes ist 1 fl. 12 kr. auf Druck-, 1 fb 36 kr. auf Schreibpapier. Das Papier ist gut, aber der Druck müßte schärfer sein, was bei einem philosophischen Werke nicht gleichgültig ist. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von Baurlrgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. HZrschfeld<