Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 24 (8.6.1875)
- Date
- 1875-06-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeit»»- erscheint wöchentlich einmal in 2 bis 2'/. Bogen. Preis Vierteljährig » Mark. Inserate werden mit 20 Pf. snr die Petitzeile «der deren Sianm berechnet. Alle Buchbandlungen. Postämter und Zeitung« » Expeditione» nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippion in Bonn. Verlag von Baumgärtorr's Buchhandlung in Leipzig. I» redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an Nr. €. Philip,so« in Bon»; hinsichtlich de» Bezug« und der Inserate an Sanmiiöriarr'» Luchdaiidlnnq I inLeipzig. Inserate, welch« di» vonner»- > lag einzehea. finden inder earauffolgenj den Nummer Berücksichtigung.! Beilagen werden mit 1 Mark 5 0 Pf. pro Hundert b erechuet. 39. Jahrgang. Leipzig, den 8. Juni 1875. JS? 24. Rabatt. Leitende Artikel: Proudhon und Mo'eS. III. — Literarischer W ockenb erich t: ^eitungsver^eichmß. — Jeitungs nachrickten: Deutschland: Berlin, Görlitz, Leipzig. Aus Lchlesicn, Metz, Köln. — Oesterreich-Üngarn: Wien, Pest — Franko reich: Paris. — Rumänien: Aokschan. — Amerika: Lima. — Feuilleton: Uebersicht über biblische Arbeiten. — Vermischtes. Seihende' CLxhJkd. Bonn, den 2. Juni. proudhon und Moses. III. Ueber die Sabbathfeier. Wir kommen nun zu dem vierten Gesichtspunkte, aus welchem Proudhon die von Moses verordnet Sabbathfeier betrachtet, dem der öffentlichen Gesundheitspflege. Cr macht hier einige allgemeine Bemerkungen, die wir wiedergeben wollen. „Es unterliegt keinem Zweifel, daß Moses bei Feststellung des Sabbathgesetzes die Gesundheit des Volkes und die Reinlichkeit der Wohnungen im Auge hatte, und wenn er diesen Grund im Dekalog nicht anführt, so geschah es, weil er mit der äußersten Umsicht es vermied, in seinen Gesetzen menschliche Gründe erscheinen zu lassen. Er hatte beobachtet, daß da, wo das Geheimnißvolle und Undurchdringliche nicht vorhanden, die Vernunft, allzubald befriedigt, ungelehrig ist, der Glaube verschwindet, der Gehorsam nachläßt. Moses schrieb daher hinsichtlich der Gesundheitspflege für die Feier des Sabbaths nichts vor, mit vielem Rechte von der allgemeinen Wirkung seiner Institutionen und der unzähligen Bürgschaften, mit denen er sie umgeben hatte, das erwartend, was er sicherlich kaum durch ein Reglement über die Reinlichkeit erlangt hätte." (Proudhon hatte hierbei vielleicht 2 Mos. 19, 10 im Auge, wo am Fuße des Sinai eine Reinlichkeilsvorschrift für den Moment gegeben wurde, so daß also auch für den Sabbath überhaupt eine solche gegeben werden konnte, wenn dies in der Absicht des Gesetzgebers gelegen hätte.) „Täuschte er sich nicht in seiner Voraussicht, so mußten die Dinge von selbst gehen. Der religiöse Eifer und der Wetteifer in der Wohlanstrndigkeit mußten schon allein hervorbringe», was er befahl. Sieht man nicht alle Tage die lobenswerthesten Anstrengungen der Staatsbehörde an der Sorglosigkeit und Trägheit der Menschen scheitern? Aber lasset die allgemeine Meinung, den Ehrenpunkt ober die Leidenschaft sich hineinmischen und das Volk wird Wunder Hervorbringen." Er führt dies weiter ans und schließt: „Dieser Widerspruch im menschlichen Geiste, der in so unwiderlegbarer Weise das Uebergewicht des Gefühls über die Vernunft erweist, und den die Verfertiger von Theorien so wenig beachten, Moses machte daraus die kräftigste Triebfeder seiner Polizei und ihr verdanken wir noch heute die einzigen gesundheitlichen Gewohnheiten, welche die Trägheit des Volkes besiegen." (Daß auch in den Speise- und Reinigkeitsgesetzen ähnliche Motive mit gleichem Erfolge gelegen seien, würde Pr. sicherlich gefunden haben, wenn er sich mit ihnen beschäftigt hätte.) Die Folgerung: „Die Ruhe ist für die Gesundheit nothwendig; der Sabbath befiehlt die Ruhe; folglich ist der Sabbath heilsam für die Gesundheit", will Pr. nicht gelten lassen, weil die Ruhe mit der Sabbathfeier nicht so verbunden ist, daß man, wenn diese unterdrückt wäre, jene für immer verlöre. „Wo der Sabbath nicht mehr beachtet wird, arbeitet man nicht mehr, vielleicht weniger. Auch wisst dieselbe die Frage nicht geradezu; denn es handelt sich nicht um die Ruhe an sich, ein treffliches Ding und das wenig Tadler zählt. Die Ruhe ist die Mutter