Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-06-01 · Heft 23 (1.6.1875) · p. Seite 371

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 23 (1.6.1875)
Date
1875-06-01
Page
Seite 371 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227038--33574-3303376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

371 Da Menaffe ben Israel ferne Apologie, wie bemerkt, 1656 schrieb und nach dem von Dr. Pserhofer mitgelheilten Document die Rabbinerversammlung 1650 stattgefunden hat, so steht es außer Zweifel, daß die von ihm gelesene Erzählung auf diese Rabbinerversammlung sich bezog. Ob dieselbe wirklich stattgefunden, oder, wie er mit Bestimmtheit behauptet, bloß ersonnen und erdichtet war, das wird freilich dadurch nicht entschieden. Keineswegs steht aber Letzteres fo fest, als daß die Anschuldigung, die Juden müssen ihren Mazot mit Christenblut kneten, die böswilligste und unheilvollste aller Lügen, die je ersonnen und erdichtet wurden, war; obgleich Menasie ben Israel durch das Beispiel von dem Rabbinerconcilium zeigen wollte, daß jene Anschuldigung ohue die entfernteste Veranlassung von Seite der Juden entstanden sein konnte. Horazdiowik. Stark. Vermischtes. Em Bischof und ein israelitischer Prafect. Die Arch. isr. theilen aus dem katholischen Blatte la Semaine religieuse aus dem Jahre 1870 einen Briefwechsel mit, der weniger an sich, als durch den seitdem so sehr veränderten Geist in Frankreich ein besonderes Interesse besitzt. Im November 187 0 war im Departement Hörault Herr Lisbonne, ein Israelit, Prafect. Was würden wohl gegenwärtig die klerikalen Blatter und der gesammte Klerus für ein Geschrei erheben, wenn die Regierung einen Juden zum Präsecten machen wollte'. Auch unter Thiers war noch ein Jude Prafect. Aber seit dem Sturze des letzteren hat der Klerus einen solchen Einfluß gewonnen und der Fanatismus derart die Oberhand wieder erhalten, daß an eine solche Wahl nicht zu denken ist. Aber damals wurde dieser Präfect jüdischer Religion von der höchsten kirchlichen Autorität seines Departements auf's Nachdrücklichste gepriesen, nämlich vom Bischof von Montpellier, Fran>.ois, demselben, der gegenwärtig zu den enschiedensten Ultramontanen gehört. Aus diesem Grunde hat der vorliegende Briefwechsel einige Bedeutung. Es galt nämlich im November 1870, daß das Departement Hörault für die neugeschaffene Armee 4 Batterien auf seine Kosten aus freiwilligen Gaben herstelle. Herr Lisbonne ersuchte deshalb auch den Bischof um ein Opfer auf dem Altar des Vaterlandes. Der Bischof antwortet ihm unter dem 18. November. Es heißt daselbst: „Ich möchte von ganzem Herzen noch vollständiger Ihrem Vertrauen und der Dankbarkeit entsprechen, welche Ihre weise Verwaltung das Recht hat, von der Geistlichkeit der Diocöse und von Allen zu erwarten." Aehaliches hatte der Bischof in einem Schreiben an den Justizminister ausgedrückt, denn dieser sagt in einer Antwort vom 22. November: „Sie haben mich mit einem Schreiben beehrt, und dasielbe schließt ein Lob res Herrn Lisbonne ein, das mich sehr erfreute; der Einfluß des ersten Berwaltungsbeamten des Departements und der des Ober'- hirlen einer großen Diocöse, wenn sie sich mit einander vereinigen, muffen der Regierung die Sympathien Aller erwerben." Dieses Urtheil des Bischofs über Herrn Lisbonne blieb auch ein dauerndes. Denn in einem Hirtenbriefe vom 6. März 1871 sagte derselbe: „An der Spitze des Departements haben wir einen Mann voller.Weisheit, Mäßigung unv Rücksichten, einen Mann voll versöhnlichen Geistes, und dessen hohe Intelligenz begriffen hat, daß die wahre und gesunde Republik auf der Gerechtigkeit, dem Gesetze, der ehrlichen Abstimmung und der Achtung aller Rechte beruht." Ein bereits mehrfach bearbeitetes affyrisches Täfelchen ist jetzt nach mehrmaliger Ueberfetzung in seinem Hauptinhalt, wenn auch nicht nach allen einzelnen Worten, sicher entziffert. Man benennt es „Die Höllenfahrt der Jstar". Jüngst hat dieses im Palaste des Sardanapal gefundene, also über das siebente Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung hinausreichende Denkmal assyrischer Weisheit und Kunst eine Bearbeitung durch Julius Oppert (l'immvrtalitö de l'ame chez les Chalilcens. Paris, lb7 1) erfahren. Jstar (mnc;, Astarte) steigt in die Unterwelt hinunter, aus welcher sie nur auf den strengsten Befehl des obersten Gottes wieder entlassen wird. Das Nähere gehört nicht hierher. Was aber aus dieser Tafel mir voller Gewißheit hervorgeht, und bereits von den Kritikern nachdrücklich hervorgehoben wird, ist: 1) daß Rönan durchaus geirrt, als er behauptete, die Semiten wären von Ursprung an Monotheisten gewesen; denn diese Tafel allein bietet schon einen Einblick in die reiche Mythologie der Affyrer; 2) daß Rönan ebenso irrte, als er behauptete, die Semiten hätten kein Epos gehabt; denn diese Tafel bietet uns eine Epopöe, oder wenigstens eine Episode einer Epopöe, ganz in der Weise von Homer unv Hesiod; 3) daß dre Chaldäer die Unsterblichkeit der Seele geglaubt haben. Die beiden ersten Sätze, welche bei den Franzosen allgemein, bei den Deur schen vielfach wie Axiome betrachtet wurden, und die wir wiederholt bestritten haben, finden hier eine schlagende Widerlegung, und werden hoffentlich bald gänzlich aus der gelehrten Welt verschwinden. Als ein Merkmal unsrer Zeit, was in diesem letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts auf katholischem Boden noch vergeht, heben wir folgenden Bericht der „K. Z." aus Paris vom 17. Mai hervor: „Heute fand die große Procession in Douai statt; man verehrt dort eine Hostie, die einst zur Erde gefallen, und sich in einen lebenden Christuskopf umgewandelt haben soll. Die Zahl der Pilger war groß und die Stadt festlich geschmückt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.