Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-18 · Heft 21 (18.5.1875) · p. Seite 339

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 21 (18.5.1875)
Date
1875-05-18
Page
Seite 339 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227036--33540-3303340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

339 Wahrheit des Verstorbenen, dem gegenüber das Vorurtheil zu Nichts zerflosten sei. Es stehe somit die Festversammlung vor einem Denkmal seltener Art. Man habe schon viele Monumente berühmten Fürsten, Feldherren, Künstlern und Gelehrten errichtet; in dem heute zu enthüllenden Denkmal feiere man den Inbegriff der Allen gleichmäßig obliegenden, in Herz zur Reife gediehenen Tugenden: „Wir setzen ein Denkmal dem Menschen". Nach den Schlußworten des Redners fiel die das Denkmal dem Auge entziehende Hülle. Tausendstimmige Hochrufe überlömen die diesen Act begleitenden Musikklänge, wahrend in die bayerischen Farben gekleidete Mädchen reiche Blumenspenden zu den Füßen des Denkmals legten. Das Monument zeigt uns Herz in einfachem Gehrocke; in dem portraitähnlichen Antlitze sind die Hauptcharakterzüge des Gefeierten: Milde und Herzensgute vollendet ausgedrückt. Die Vorderseite tragt die Inschrift: Profeffor I)r. Jakob Herz Geboren 2. Februar 1L l 0 Gestorben 27. September 1871. Die Rückseite giebt den Enthüllungslag an. Nachdem die Musil verklungen, richtete Herr Dr. v. Brin; im Namen des Comitüs an den Bürgermeister der hiesigen Stadt, Herrn Reichold. eine Ansprache, indem er das Denkmal der Stadt Erlangen übergab und gleichzeitig dem Bürgermeister die Urkunde über die zum Andenken des Verstorbenen errichtete Stipendiensiiftung mit einem Grundstock von 2000 fl. übergab. Herr Bürgermeister Reichold drückte den Dank der Stadt für die Uebergabe des Denkmals, Las er als der Humanität gewidmet betrachte, aus. Mit den Vorträgen der Gesangsgesellschaften schloß die vom schönsten Wetter begünstigte Feierlichkeit und erst nach Beendigung derselben stellte sich Regen ein." Correspondenz. Eöln, den 7. Mai 187.7. Am ö. dieses Monats feierte Herr Lehrer Samuel Levy in Ottweiler sein üOjahriges Amtsjnbiläum und zugleich seinen 70. Geburtstag. Am Vorabend fand ein Fackelzug und Serenade Seitens der dortigen „Liedertafel" statt; der Jubilar hielt eine halbstündige Ansprache, worin er die Toleranz der Bewohner Ottweiler's betonte, und auch über die Lehren des Judenthums sprach, das die Grundsätze zuerst der Welt verkündete: „Haben wir nicht Alle einen Vater u. s. w." Am Festtage selbst wurden ihm bedeutende, sinnige und werthvolle Geschenke von seinen Kindern, Verwandten, von seiner Gemeinde, von seinen frühern und fetzigen Schülern und feinen zahlreichen Freunden überreicht, unter Andern: ein neuer Talar, ein großer und kleinere Pokale, ein ausgezeichneter Stock (Symbol des Lehrerstandes», Uhr, Sopha, silberne Dosen, gestickte Kiffen, kostbare Teppiche, Vasen u. s. w. u. s. w. Der Kreisfecretär Herr Wolf überreichte ihm im Aufträge des Landraths den von Sr. Majestät ihm verliehenen Hohenzoller'schen Hausorden mit dem Wunsche, daß er ihn noch lange in Gesundheit und Rüstigkeit tragen möge. Der Kreis-Schulinspector, Herr Pfarrer Riehn ans Neunkirchen, wünschte dem greisen Lehrer Glück und pries seine Verdienste um Schule und Synagoge, sich zugleich entschuldigend, daß er amtlich verhindert wäre, am Feste weiter Theil zu nehmen. Hierauf Gratulationen von den städtischen Behörden, der Direction des dortigen evangelischen Lehrerseniinars, der evangelischen Geistlichkeit und von den Bürgern. Ter Festgottesdienst begann um */-» 1 o Uhr Vormittags. Der Synagogen-Chor trug einen Ehoral vor. Die Festrede hielt Herr Landrabbiner Goldmann aus Birkenfeld, da Herr Oberrabbiner Kahn aus Trier durch Krankheit verhindert war zu erscheinen. Zuerst gab er seinem Danke gegen Gott Ausdruck, daß er den Jubilar diesen Tag hat erreichen lasten. Dann schilderte er die Verdienste des Letzteren, indem er seiner Rede den Psalmvers: p-z' “p“- n-p rrr ra „Wer ist rer Mann, der Gott fürchtet, dem zeigt Er den Weg, den man wählen soll." Diesem Manne zeigte Gott den Weg, den man wählen soll, in der Schule, in der Synagoge und im Leben. Er trug auch das Unangenehme, „die lischt des Unglücks", das ihm das Leben bot, mit Geduld. Die Rede war einfach, fand aber wohlverdienten Beifall. Der gewaltige Ehorgesang „Gebet Gott die Ehre" und ein Gebet für den Kaiser, schloß die erhebende Feier. Das Festesten fand in einem geräumigen Saale statt. Ungefähr I 10 Personen nahmen daran Theil. Die Kreis-, Stadt- und Schulbehörden, jüdische und christliche Eollegen aus der ganzen Umgegend, viele seiner früheren Schüler, die zum Theil aus Weiler Ferne hierher gereist waren, seine Verwandten, seine Freunde und die Bewohner Ottweiler's ohne Unterschied der Konfession. Den ersten Toast brachte der Herr Kreisfecretär aus Seine Majestät den Kaiser. Den zweiten Herr Schulinspector Zimmermann, evangelischer Pfarrer in Wiebelskirchen, im Aufträge des oben erwähnten Kreis-Schulinspcctors dem Jubilar. In schönen Worten hob er die Tüchtigkeit des Gefeierten hervor. Darauf wurde durch seinen früheren Schüler, Lehrer Löb in Eöln, im Aufträge des sich überhaupt sehr verdient gemachten Festcomiiös die Morenu vom Oberrabbiner Kahn, dem tüchtigen Talmudisten, "»bn rsrrr: mir herzlichen Worten überreicht. Der neu cTetrte Rabbiner sprach interessante und herrliche Worte über das Sonst und Jetzt und gipfelte in einem Toast auf den Eultusminisier Falk. Darauf noch Toaste auf Behörden, die Stadt, das dortige Seminar, das Festcomitö u. s. w. Auch in gebunderer Rede wurde der ehrwürdige Jubilar gefeiert, wobei ych besonders Herr Lehrer Sender aus. Tholey durch seine trefflichen und launigen Verse auszeichnete. Im Laufe des TageS sind

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.