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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-11 · Heft 20 (11.5.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 20 (11.5.1875)
Date
1875-05-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Em mipartnischks Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal iu 2 di» L'/i Bogen. Preis Biertüiähria »Mark. Inserate werde» mit 20 Pf. kur die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung« - Expeditionen Beilagen Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Wlippjon in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. 3n redactionellen Angelegenheiten wende man sich ni i>r. C. PbUijpfon i„ Bonn; binpchrlich des Bezug« und der Iwerareau Saam>iürtner'» Luchhandlan« inLeivzig. Znlerakk, welchebiS vonnersl lag cingedeii. finden inder rarauffolgen» den ll.uaiiner Berücksichtigung. werden mit l Mark 5« Pf. pro Hundert berccdnet. 39. Jahrgang. Leipzigs den 11. Mai 1875. JVf 20. Inhalt. Leitende Artikel: Der KatboliciSmus in der ganzen Welt. — Literarisch er SS? c dj o nb c vid> t: Bonn. — Zeitungs Nachrichten: Deutschland: Au« Westpbalen, Berlin. Neubrandenbnrg «Mecklenburgs. Fürtsi, And der Provinz Posen. Marburg. König« berg t. Pr., Bonn. — Oesterreich-Ungarn: Wien. Trient, Szolnok, Pest. — Fra'nkr eich: Pari«. — Australien: Neuseeland. Afrika: Bonn. — Ame rika: St. Louis. — Palästina: Jaffa — Feuilleton: Einige historische Decumenle. — Vermischtes. oCcitciide CLxhkÄ. Bonn, den 5. Mai. Der Latholicismus in der ganzen Welt. Es ist ein trübseliges Geschäft, eine große welthistorische Erscheinung, wie es die katholische Kirche ist, anzuklagen vor dem Forum der ganzen civilistrten Welt, vor dem Richterstuhle der Geschichte. Wer die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" von ihrem Beginne an aufmerksamer Beobachtung gewürdigt hat. weiß, daß wir niemals gegen irgend eine Religion oder Kirche angreifend vorgegangen sind. Wir haben uns stets auf der Linie der Bertheidigung gehalten, und nur dann uns nachdrücklich gegen eine solche gewandt, wenn wir provocirt worden, wenn sie Iudenthum und Juden in feindseliger Absicht angegriffen hatte. Aber die Thatsachen drangen' sich jetzt so maffenhaft aus, daß wir unsere Pflicht verfehlten, wenn wir nicht das offen aussprächen, was sich jedem Auge unverhüllt vorstellt. Die katholische Kirche hat es zu einem integrirenven Theile ihres Wesens und Strebens gemacht, die Juden in gehässigster Weise mit Wort und That zu verfolgen, und in die Herzen des Volkes die bitterste Feindschaft, Haß und Verachtung gegen die Juden zu pflanzen. Dies zu constatiren, ist wahrlich eine traurige Ausgabe, die zu lösen wir lange gezögert haben, denn anzuklagen, laut und nachdrücklich anzuklagen, thut dem wahrhaft menschenfreundlichen Herzen nicht wohl und die Thatsache selbst erregt immerhin Besorgniffe. Gilt es doch eine Religion, eine Kirche, und von dieser erwartet man Segen, eine Saat des Friedens, eine Verkündigung der Liebe und des Rechtes. Diese aber in ihrer Kampfeswuth sich mit den Waffen des Haffes, mit dem Dolch der Verleumdung, mit dem Gift der Unwahrheit und Lüge bewaffnen zu sehen, und zwar gegen einen Theil der Menschheit von dem ihr der geringste Nachtheil und die schwächste Gefahr droht, das ist ein betrübender Anblick. Wir wollen die Blätter der Geschichte nicht erst auffchlagen. Es ist ja hinlänglich bekannt, wie der Katholicismus, sobald er den weltlichen Arm zu seinem Dienste batte, den Juden, die ihnen im heidnisch-römischen Reiche znstehenden Reckte entzog, sie dagegen nach und nach aller bürgerlichen Rechte beraubte, sie, wie es in dem betreffenden Decrete heißt, unter die unterste Claffe des Volkes stieß; wie er durch das ganze Mittelalter hindurch immer wieder Fürsten und Völker zur blutigsten Verfolgung der Juden aufreizte und aufforderte; wie er bei dem Anbruch der neueren Zeit die spanische Inquisition schuf, um die Juden zu vernichten, die er vorher zum Uebertritt gezwungen hatte. Man könnte sagen, daß alle diese geschichtlichen Thatsachen auf Rechnung des Dunkels zu schreiben seien, das über jenen Zeiten gebreitet lag, des Geistes der Ausschließlichkeit und der Verketzerung, der die Völker des Mittelalters beherrschte. Allerdings trat denn auch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts und bis gegen die Mitte des gegenwärtigen auch seitens der katholischen Kirche eine Milderung dieses feindseligen Geistes ein. Die Humanität, welche damals alle gebilveten Geister durchbrang, machte sich auch in der katholischen Kirche fühlbar,

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