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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-05-04 · Heft 19 (4.5.1875) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 19 (4.5.1875)
Date
1875-05-04
Page
Seite 304 (sequence 10)
Language
German
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304 auf eine ihr angemessene Stufe zu erheben, damit sie in den Augen aller Menschen wieder in ihren, reinen Glanz erscheine, und endlich auch um die Wanderbettelei abzuschaffen. Das vorliegende Programm soll kein definitives, vollständiges, sondern nur eine Vorarbeit für eine beschließende Gemeinde-Delegirtenversammlung sein. Erst in jüngster Zeit war eine schweizerische israelitische Gemeinde im Falle, zur Abwehr eines Angriffes auf die freie Ausübung ihres Cultus die Unterstützung anderer schweizerischer Gemeinden nachzusuchen. Wie weit es gelungen, wißen wir nicht. Unser Project soll dieser Zerfahrenheit abhelfen und durch einen, wenn auch nach Orten wechselnden Borort ein Central- Organ schaffen, daß die allgemeinen Jntereffea wahrt und Die projectirte Organisation will die Unterstützung wirklich Bedürftiger, die das fühlende Herz des Israeliten nie versagt; aber sie will dem das Judenthum schändenden Wanderbettel, der Professions- und Betrugsbettelei zu Leibe gehen. Bei der Versammlung in Biel wurde an Händen der Armenrechnungen berechnet, daß nur die schweizerischen israelitischen Gemeinden nahezu Fr. 200,000 jährlich an Wanderbettler verschwenden, und damit ist nichts Gutes gethan, während mit weit geringeren Summen Bedeutendes geleistet werden konnte. Um diesen für alle Israeliten Europas wichtigen Zweck zu erreichen, wurde auch Anlehnung an die „Alliance israeiite universelle“ und andere gleichgesinnte israelitische Vereine vorgeschlagen. Daß der Jugendunterricht im Argen liegt, bedarf keines Nachweises. Hier werden zwar immer örtliche Verhältnisse und Interessen zu berücksichtigen sein. Aber durch die Vereinigung sämmtlicher Gemeinden ließe sich viel gewinnen. Die Lehrer größerer Gemeinden könnten die Kinder zerstreut wohnender Israeliten wenigstens im Notwendigsten unterrichten; man könnte wenigstens eine Prüfungsstelle für Religionslehrer, Canloren u. s. w. creiren, die Lehrmittel verbessern und vereinheitlichen :c. Auch für Hebung des israelitischen Gottesdienstes kann Ersprießliches geschehen. Gar Manchem würde die Wohlthat einer religiös erhebenden und geistig anregenden Predigt, der sie bisher vermissen mußte. Wie wohlthuend wirken die bekannten Melodieen alter israelitischer Lieder von wirklich musikalischem Werthe, und würde nicht auch sonst der Gottesdienst gehoben durch edlen Gesang, erleichtert durch einheitliche Gesangbücher, abgesehen davon, daß bei dem öftern Domicilwechsel der schweizerischen Israeliten jede Singkraft am neuen Wohnorte verwendet werden könnte. Wir wollen die künftige Thätigkeit dieser Gemeindevereinigung nicht weiter specialisiren; an Arbeit wird eS namentlich auch in politischer Beziehung nicht fehlen, und der Erfolg wird nicht ausbleiben, wenn die vereinte Kraft Aller wirkt. Soll aber dieser heilige Plan, dieses hochwichtige Vorhaben gelingen, so ist vor Allem Einheit der Gesinnung, Gleichheit der Absichten, Eintracht und brüderliche Zusammeogehörigkeit nothwendig. Daher richten wir die dringende Bitte an Euch, die bis jetzt oft betretene Bahn der Gleichgülligkeit, des Jadifferentismus, der Jsolirtheit, der Getteuntheit und Absonderung zu verlassen, und statt dessen den Pfad der Eintracht, der Einigkeit und Zusammengehörigkeit einzuschlagen. Denn ohne Vereinigung würden alle Beschlüsse und Berathungen vergebens sein, aber auch beklagenswerth wäre Euer und Euer Kinder Schicksal, wenn Ihr nicht jetzt thätig bemüht sein wollet, an der Grundlage des neuen Gebäudes zur Erhaltung und Verherrlichung unseres Glaubens, unserer Lehre, die Moses uns anbefohlen hat, den uöthigen Antheil zu nehmen. Bereinigen wir uns daher, thuere Brüder, zu einer innigen unzertrennlichen Einheit, auf daß an uns erfüllt werde das Propheten-Wort: „Ich werde ihnen geben ein Herz und einen Weg mich zu fürchten alle Tage, zum Heil für sie und ihre Kinder nach ihnen," (2er. 32, 37), und daß herannahe jene schöne Zeit, von welcher die Propheten in ihrer göttlichen Begeisterung der Menschheit Heil verkünden: daß die Erkenntniß des einzigen Schöpfers und Erhalters aller Dinge allgemein und der Ewige einig und sein Name einig sein werde (Zach. 14, 9). Wir ersuchen Sie daher, das Programm sammt diesem Begleitschreiben Ihrer Gemeinde zur Berathung vorzulegen und uns Ihre Bereitwilligkeit zur Beschickung einer allgemeinen Gemeindevelegirtenversammlung behufs definitiver Festsetzung des Programms, Wahl des Vorortes rc. zu erklären. Das Unterzeichnete provisorische Comite würde diese Delegirtenversammlung an einen geeigneten Knotenpunkt der Eisenbahn einladen. Mit brüderlichem Gruße: Namens des provisorischen Comites: Der ernannte Präsident: H. Guggenheim, Fürsprech. Der Schriftführer: l»r. Gold stein, Rabbiner." Italien. Rom, 22. April. Daß die ultramontanen Wortführer in Deutschland und England sich mit ihren Erttärungen nicht selten mit dem Papste selbst in Widerspruch setzen, und von diesem — ohne ihnen persönlich nahe zu tteten — dementirt werden, hat man schon oft genug erfahren. Nach dem Pariser Univers, also der zuverlaßlichsten Quelle auf päpstlichem Gebiete, erklärte der Papst am 20. d. in einer Audienz, die er französischen Pilgern gewährte: Es sei nicht genug, Achtung vor dem h. Stuhl zu bekennen, es sei auch nothwendig, die Unfehlbarkeit und den Syllabus anzunehmen. Anzunehmen heißt doch nichts Anderes als zur Ausführung zu bringen, als mit aller Kraft dahin zu streben, sie zu verwirklichen. Die im Syllabus verkündeten

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