Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1875)
- Date
- 1875-04-27
- Page
- Seite 291 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227014-3227033--33489-3303286- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
291 dieser Zeit unablässig denken; die Familie wird davon nur befreit, wenn in ihr ein Knabe geboren worden. Es versteht sich, daß derartige Vorstellungen in der Jetztzeit immer mehr und schneller verschwinden. Manche daran sich knüpfende Gebräuche aber haben ein zäheres Dasein und weichen nur höchst langsam vom Platze. Wie wir schon früher erwähnten, spielte die Symbolik, aber die willkührlich geschaffene, eiue bedeutende Rolle. Solcher symbolischen Akte traten auch bei der Leichenbestallung mehrere ein. Der ursprüngliche Sinn ist dem Volke verloren gegangen, und die Form widerspricht der gegenwärtigen Sitte und Geschmacksrichtung. Jedermann wird das Brennen eines dichtes an der Jahreszeit verstehen und die sich hieran knüpfende Erinnerung an den Verstorbenen, das Gefühl der Trauer und den Gedanken an die Unsterblichkeit für wahrhaft würdig und erhebend finden. Es ist eine Symbolik, die noch heute unsrem Geiste entspricht. Aber das Zerbrechen eines irdenes Gefäßes, wenn die Bahre fortgerrazen wird, das Bedecken der Augen mir Scherben, das Schlößchen, das Ausraufen von Grashalmen, die hinter die Schulter geworfen werden, wenn man vom Grabe sich entfernt, sind symbolische Akte, welche beseitigt werden müssen, die aufrecht zu erhallen, nur dem Aberglauben Rahrung und den Verächtern des Judenrhums Stofs zur Verhöhnung geben. Taö noch vielfach gebräuchliche Aufdecken der Reiche am oder im Grabe, um genau die Lage der Leiche nochmals zu ordnen, bringt durchaus Unzukömmlichkeiten mit sich und ist deshalb abzusiellen. Rührend und lobenswerth ist dagegen die Tille, den Tocten nicht in den Schooß der Erde zu entlassen, ohne Worte der Versöhnung gesprochen zu haben, und dadurch in den Gemülhern der Hinterbliebenen einen Ausgleich der Gefühle zu erwirken. Vermischtes. «Eine Bluthochzeit in Klausen bürg.) Gestern Nachts, schreibt „Magyar Polgär" vom d., hat eine jüdische Hochzeit ein trauriges Ende genommen. Unter den Gästen war ein Wortwechsel entstanden und zwischen zwei derselben kam es zuletzt zu einer Schlägerei, bei welcher der Eine ein Messer ergriff und seinem Gegner drei Stiche versetzte. Dieser, ein neunzehnjähriger Jüngling, soll seinen Wunden bereits erlegen sein. Anders erzählt „Keler" den tragischen Vorgang: Zur Hochzeitstafel seien die Speisen aus dem benachbarten Hause des Tischlermeisters Frankel herübergebracht worden, was die jungen Leute besorgten. Einer von diesen war der neunzehnjährige Marlin Rubin, der Sohn eines Parapluiemachers. Als nun derselbe über den Hof ging, schlichen Frankel und dessen Weib ihm nach; die Frau stieß ihm ein Messer in den Rücken, der Mann aber ein spitzes Eisen in's Herz, so daß rer Unglückliche auf der Stelle todt blieb. Was sie zu dieser grausigen Thal veranlaßt hat, ist noch unbekannt. Die Thäker wurden eingezogen und die gerichtliche Untersuchung ist eingeleiker. Die „Schles. 2er." vom l l. April schreibt: Auch aus anderen Gebieten ist heute nur Ersreuliches zu melden. So ist z. B. die innere Mission zur Bekehrung cer Juden auf einen sehr praktischen Gedanken verfallen, indem sie glaubenSeisrige Wohnungsvermiether in ihre Dienste nahm. Bor einigen Tagen trat die neue Einrichtung in Wirksamkeit, indem der vermiethende Theil einer jütischen MieihSpartei, mit welcher eben abgeschlossen worden war, nachträglich noch mittheilre, daß Juden freilich im Hause nicht geduldet werden. Ta die Mielher indessen herzhaft genug waren, die indirecre Aufforderung, sich vor ihrem Einzuge laufen zu lassen, zurückzuweisen, so zerschlug sich der abgeschlossene Vertrag wieder. Ter Vorfall erinnert fast an das streng paritätische Augsburg, in welchem vor dreißig, vierzig Jahren die Zeitungen noch Annoncen enthielten, wie „Pferdeftall für einen Katholiken" oder „Kartoffelkeller für Protestanten". TaS Edle aber verdient stets Nachahmung. Wer wollte das bestreiten? Soeben erschien in einem starken Duartbande von Earl Riet: „Das Sonnen- und Siriusjahr der Ramessicen mit dem Geheimniß der Schaltung." (Leipzig. Brockhaus, IST 5.) In diesem Werke wird zweifellos erwiesen, daß das julianische Jahr, also auch das christliche mit dem altegyptischen identisch, also von diesem entlehnt war. Aus diesem sicheren Resultate erweist es sich abermals, wie nnabgängig die m os aische Gesetzgebung von allem egyplischeu Wesen war, ta jene das Mondjahr instiluirte, an den Auszug aus Egypten die Reihe der Monate anknüpfie, ihre Feste nach dem Monclaufe anorcnele, und Len Neumoncstag zu einem Halbseste machte. Liegen sonst schon, wie wir bereits wiederholt hervorzuheben Veranlasiung gehabt, Momente der Verschiedenheit oder vielmehr des Gegensatzes genug vor, so trägt der angeführte Ilmstand noch mehr bei, die Ursprünglichkeit der mosaischen Lehre und Gesetze in das hellste Licht zu setzen. Anzeigen. Berne, im <HroHh.Oldenburg. Die Stelle eines Lehrers, Eantors und Schächters bei der Gemeinde Berne wird in diesem Monate erledig:. Gehalt 751» Mark nebst freier Wohnung, Feuerung und einigen Emolumenten. Anmeldung unter abschriftlicher Anfügung guter Zeugnisse an den Vorstand. Lin Samstags „. Leiertage ge sc ft lassen es bitudbacher Ln g ros-Beschaff sucht unter sehr günstigen Bedingungen einen Lehrling rot* ach fInt reu Litern, tter die näfhigen l orkenntnisse besitzt. Selbxtg. Lre-Off'. nimmt die Lxped. d. BL unter Chiffre J. U. iOO entgegen.