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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-13 · Heft 16 (13.4.1875) · p. Seite 255

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 16 (13.4.1875)
Date
1875-04-13
Page
Seite 255 (sequence 9)
Language
German
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und dieselben betrugen im Jahre 1874 das dreifache ihrer Höhe im Jahre 1871. — Von Wesenheit ist sodann die im Berichte zum Ausdruck gebrachte Rechtsauschauung des Curatoriums über die Verpflichtung zur Kostenbestreitung des israelitischen Religionsunterrichtes an Bürgerschulen. Das Curatorium hält sich nämlich in Folge einer diesbezüglich mit der hohen k. k. mährischen Landesfchulbehörde gepflogenen Verhandlung zwar für verpflichtet, den israelitischen Religionsunterricht an Volkswie an Bürgerschulen zu subventioniren, jedoch nur im Wege der Subventionsgewährung an Gemeinden und nicht durch Gewährung einer Remuneration an irgend einen Religionslehrer. Das Curatorium hielt es für uothwendig. diesen seinen principiellen Standpunkt in dieser Frage zu betonen und den Fonds dadurch gegen jedes Präjudiz in Schutz zu nehmen, das für etwaige künftige Ansprüche von Außen von entscheidender Bedeutung sein Der Voranschlag des mährischen jüdischen Lanvesmassafonvs pro 1875 mit den Einnahmen pr. 43,539 st., den Ausgaben pr. 41,855 fl. und dem der weiteren statutenmäßigen Verwendung vorbehaltenen Ueberscbuß pr. 1684 fl. wird ohne Debatte nach den Ansätzen des Curatoriums genehmigt. — In Erledigung der der Generalversammlung vorbehaltenen Gegenstände werden dem mährischen jüdischen Waiseuhilfsverein in Brünn auch pro 1875 200 fl. und der Direction des Karlsbader Hospitals ttt Prag 30 fl. pro Jahr für die nächsten 3 Jahre nach den Anträgen des Curatoriums bewilligt. AuL Böhmen, 29. März. (Privatmitth.) Die von rem Dachauer Rabbinate bei dem hohen Hause der Abgeordneten eingebrachte und von letzterem der hohen Regierung zur Berücksichtigung empfohlene Petition um Subventionirung der Rabbiner, wurde von der hohen Regierung der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft zur bestimmten Antrag st ellung abgetreten. Hierauf hat die Repräsentanz in der von ihr am 23. März d. I. abgehaltenen Plenarsitzung beschlossen, zunächst zur Einholung statistischer Daten über Standort, Anzahl, Dotation und sonstige in die materielle Lage einschlagende Verhältnisse der Rabbinen, die einzelnen Repräsentanzmitglieder zu beauftragen. Nun unterliegt es wohl keinem Zweifel mehr, daß den nothleidenven Rabbinern, somit auch den Gemeinden, die längst erwartete und angestrebte Staatshülfe, wie überhaupt Ordnung im Ganzen bald erfolgen wird. (Hoffentlich wird diese Angelegenheit in dieser Instanz emsig betrieben, und nicht in die Länge gezogen. Die Noth ist groß, wie man sich z. B. aus dem Jahresberichte des mährisch-jüdischen Massa-Laudesfonds überzeugen kann, und in Mähren liegen die Dinge zum Theil noch günstiger als in Böhmen. Die rettende Hand, auf die wir ja gerechten Anspruch haben, wird geboten — ergreifen wir sie.» 1?. Frankreich. Paris, 1. April. Sonntag den 14 März fand die 15. Generalversammlung der Alliance isra&iie universelle vor einem ziemlich zahlreichen Publicum statt. Der Secretär Herr Leven las den Jahresbericht vor, aus welchem hervorgeht, daß die Alliance gegenwärtig 15,000 Mitglieder zählt. Als ein besonderes Werk der Alliance hob er die Ackerbauschule bei Jaffa hervor, die gegenwärtig der Alliance noch jährlich 17,000 Frcs. kostet, 30 Zöglinge zählt und gewiß bestimmt ist, eine bedeutende Rolle in der Civilisation Palästinas zu spielen. Herr Lehmann, Schatzmeister der Gesellschaft, berichtet über die Finanzen der Alliance. Ihre Ausgaben sind auf jährlich 150,000 Frcs. gestiegen. Es seien daher einige Ersparnisse uothwendig, noch dazu da viele ausländische Mitglieder nicht pünktlich zahlten, die Portokosteu bisweilen dem Betrage gleichkämen, und nicht wenige Mitglieder überhaupt nicht zahlten, deren Namen von den Liften gestrichen werden sollten. Er wirft besonders den jüdischen Damen vor, für die Alliance gar nichts zu thun, während deren Bestrebungen dem weiblichen Geschlechte doch nicht minder zu Gute kämen. Hierauf hielt Herr Cremieux eine ergreifende Rede, an die sich eine wahrhaft erhebende Scene schloß, als der Großrabbiner Isidor dem ehrwürdigen Greise die Glückwünsche wiederholte, die ihm jüngst bei Gelegenheit seiner goldenen Hochzeit dargebracht worden. In den Wunsch, daß Herr Cremieux noch lange den Präsirentenstuhl der Alliance einnehme, stimmte das ergriffene Auditorium aufs Lebhafteste ein. — Die Ärch. isr. enthalten die Zuschrift eines gewissen B. Blum in Havre, welche einen Aufruf, cen jüdischen Gottesacker zu Ettendorf in Nieder-Elsaß betreffend, enthält. Dieser Friedhof diente seit Jahrhunderten der ganzen Umgegend zur Bestattung ihrer Todren, und hat dadurch den Charakter hoher Ehrwürdigkeit erlangt. Er befinde sich gegenwärtig in dem Zustande großen Verfalls, der mit der Zeit den Untergang, oder doch gänzliche Verwüstung drohe. Er bedürfe der Wiederherstellung, des Ankaufs neuer Grundstücke und der Einschließung durch eine Mauer, wozu ungefähr 40,000 Frcs. uothwendig wären. Die Juden der dortigen Gegend sind zu arm, um eine solche Summe aufzubringen. Es ist deshalb vom Consifiorium zu Straßburg eine Aufforderung erlaffen worden, um Beiträge für diesen Zweck zu beschaffen. Herr Blum, indem er 50 Frcs. spendet, richtet seinen Aufruf besonders an die elsässischen Juden im Auslände. Gewiß ist dies eine Sache von echt religiösem Interesse. Allein wenn Blum der Angelegenheit auch eine politische Wendung giebt, so wird er derselben dadurch schwerlich nützen. Er schreibt den Verfall des gedachten Friedhofes der Losreißung des Elsaß von Frankreich zu. als ob die seitdem verflossenen vier Jahre denselben zu dem Zustande der Vernachlässigung und Verkommenheit, wie er ihn beschreibt, und wie er doch nur durch die Indolenz mehrerer Geschlechter herbergeführt sein konnte, gebracht hätten! Har der Gottesacker zu

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