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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-04-06 · Heft 15 (6.4.1875) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 15 (6.4.1875)
Date
1875-04-06
Page
Seite 242 (sequence 12)
Language
German
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242 Barmherzigkeit zu erlangen. Wir brauchen hier nicht nachzuweisen, wie weise und eindringlich unsere Religion es verstanden hat, Liese Ausgabe zu lösen. Im langen Laufe der Zeiten blieben Auswüchse nicht aus. Der Prophet Michah, indem er Gott als Sünden vergebend feiert, bedient sich >7,19) des schönen Bildes: „In die Tiefen des Meeres wirst Du all' ihre Sünden versenken." Wie die Wogen des Meeres über Alles dahinrollen, was in dessen Tiefen versinkt, wie aus diesen Tiefen Nichts wieder in die Höhe steigt, sondern spurlos verschwunden ist und von Vergessenheit verdeckt wird: so wird Gott, falls wir zu ihm zurückkehren, unsere Sunden vergeben und ihrer Gedenken spurlos verschwinden lassen. Aber später, lange Zeit später, nahm man dieses sinnreiche Gleichniß ganz buchstäblich, und es wurde Sitte, am ersten Tage von Rosch haschana (wenn dieser an einem Sabbath, am zweiten Tage» an den bei dem Orte vorüberfließenden Fluß zu gehen, hier die Worte des Propheten, mit noch anderen vermischt, zu sprechen, bestimmte Psalmen hinzuzufügen und mit zwei, dem Volke unverständlichen -psti ■’rr zu enden, und mit der Zuversicht von dannen zu gehen', daß nun die Sünden ruhig auf dem Boden des Flusses liegen, oder von dessen Wellen in das Meer hinausgetragen werden. Sicherlich wird die wahre und aufrichtige Einkehr in das Innere seiner Seele durch die Häufung äußerlicher, Ceremonien nicht gefördert, vielmehr durch solche Vornahmen im Volke die Meinung groß gezogen schon durch sie seiner Schuldhaftigkeit, frei zu werden. Man wandelt eben dann nach wie vor wie bisher weiter. (Schluß folgt.) Vermischtes. Zur Ergänzung des Artikels im Feuilleton Nr. l4. sei noch Folgendes mitgetheilt: Von der General-Intendanz der königlichen Schauspiele in Berlin wurde die neue Goldmark'sche Oper: „Die Königin von Saba", für die Aufführung in der Wintersaison 187 5/7 (5 angenommen. Es wurde Hofcapellmeister Eckert nach Wien entsendet, um der ersten Aufführung beizuwchnen. Am 22sten wurde in Venedig das Denkmal des Dictators der Republik 1848, Daniel Manin, mit großer Feierlichkeit enthüllt. Unzweifelhafte Zeugnisse haben es festgestellt, daß Manin von jüdischer Abkunft, da sein Großvater ein wohlbekannter Jude war. Die Wiener „Presse" bringt in ihrer Nummer vom 18. Februar nachstehende Correspondenz: „Krems, 14. December. Am 5. Oktober d. I. kam der 76-jährige israelitische, kaum des Gehens mehr fähige Isaak Spitzer nach dem Dorfe Langau in die Wohnung des 67-jährigen Ausnehmers Johann Reiß, zu Langau, Bezirk Geras, um Letzteren wegen einer Schuld von 1 fl. 50 kr. zu mahnen. Anstatt aber zu zahlen, ergriff der Ausnehmer einen Prügel, und führte mit demselben mehrere wuchtige Hiebe nach dem Kopfe des Israeliten, zertrümmerte ihm den Schädel und das Hirnbein und versetzte mit einem scharfen Messer dem bereits schon tobten Greis einen Stich in die Schläfengegend, der bis in das Gehirn drang. Zum Ueberflusse zerschnitt der Mörder noch das Ohr seines Opfers. Hierauf durchstöberte er die Taschen des Ermordeten und entwendete eine Baarschaft von 14 Gulden. Nachdem der Mörder den Leichnam in ein Ofenloch gesteckt, reinigte er sich vom Blute, ging dann in's Wirthshaus und that sich daselbst gütlich. Inzwischen war die Familie des Ermordeten, zu Schaffa in Mähren wohnhaft, um ihr Oberhaupt besorgt. Der Sohn suchte seinen Vater in rer ganzen Umgegend volle vier Tage. Als dies der Mörder erfuhr, steckte er den Leichnam in einen Sack, umwickelte den Kopf mit einem Tuche und trug ihn unter dem Schutze der Nacht auf dem Rücken zu einem Hohlwege, wo er ihn unter einem Dornbüsche versteckte. Hier fand der Sohn am 9. October die Leiche seines Vaters. Die noch frischen Blut- und Fußspuren führten die gerichtliche Commission in das Haus des 67-jährigen Ausnehmers, der beim Einttitte der Commission in einem Winkel des Zimmers zusammengekauert saß. Die Commission glaubte hier nicht zu dem Rechten gekommen zu sein, als der Sohn des Ermordeten die jüdischen Betriemen hinter einem Bündel Holz vorfand. Der Ausnehmer gestand sofort in der oben beschriebenen Weise seine That. — Heute nun vor den Geschworenen will Johann Reiß glauben machen, er habe den Hausirer aus seinem Zimmer geworfen; derselbe fei unglücklich gefallen und habe angefangen zu röcheln. Um nun denselben nicht lange leiden zu lassen, habe er aus „Mitleid" mit einem Beile dem Juden den Garaus gemacht. Der Schwurgerichtshof verurtheilte den 67-jährigen Ausnehmer Johann Reiß zum Tode durch den Strang, welches Urtheil der Verbrecher gleichgültig annahm. — Zu bemerken ist noch, daß die Frau des Ermordeten sich den gräßlichen Tod ihres Mannes so zu Herzen nahm, daß sie bald darauf starb. Nachtrag. Sontra »Pr. Hessen), 24. März. «Privatmittheil.) Der hier als Elementar- und Religionslehrer, sowie als Vorbeter fungirende Herr Müller feierte sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Zur Freude des verdienstvollen und anspruchslosen Greises erschien gestern bei demselben der Königliche Oberschulinspector und

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