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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-14 · Heft 97 (14.8.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 97 (14.8.1838)
Date
1838-08-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 97. n. Jahrgang. AllgLMtMe Zkituvg -es Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 14. August 1838. Zeitungsnachrichten. Warschau, 23. Juli (Privatmitth.). Der hiesige polnische Kourier vom 22. meldet, daß Sr. Maj. der Kaiser den hiesigen Banquier I. Epstein, -einen Israeliten, in Erwägung seiner dem Staate geleisteten Dienste, zum Banquier der Schatzkommission im Königreiche Polen zu ernennen geruht. —. Wenn ich Ihnen über die erste deutsche Predigt, die hier am siebenten Osterfeiertage gehalten worden, nicht gleich berichtet habe, und Sie es zuerst aus anderen Zeitungen erfahren mußten *), so geschah es, weit ich füglich zuvor abwarten wollte, ob dem irgend eine Folge geschehen würde. Ich zögere nun nicht, Ihnen darüber Näheres mitzutheilen. Der junge Redner, ein Preuße von Geburt, Herr Goldschmidt, der zum Theil in Breslau, zum Theil in Krakau und Wien seine Studien mit vielem. Fleiße vollendet hat, besitzt neben der Gabe eines klaren, anschaulichen und doch geistreichen Vortrages das frömmste Streben, zur Veredlung des Gottesdienstes beizutragen. Er sprach, aufgefordert von einem Mitglieds des Vorstandes der deutschen Synagoge, am Osterfeste über Eintracht und Zwietracht in Staaten, Gemeinden und Familien, ein Gegenstand, der nicht blos auf die Spaltung zwischen den hiesigen polnischen und deutschen Juden, sondern inmitten der letztem selbst seine praktische Beziehung fand. — Am zweiten Tage des Wochenfestes hielt nun derselbe Kandidat vor einem weit größeren Publikum eine sehr erhebende Predigt über die zehn Gebote, zu deren Entwickelung er viele Legenden, Sprüche und nationelle Traditionen aus den Talmuden und Midraschim höchst geschickt benutzte. Jedoch ließ er es auch an gemüthlicher Erhebung nicht fehlen. Wir hoffen, daß der Eindruck, den diese Vortrage unlaugbar gemacht, ein so bleibender sein wird, daß das Bedürfniß, solche Vortrage wenigstens an Festtagen zu hören, dauernd sein wird. Daß dies zunächst die Sorge der Vorsteher sein muß, versteht sich von selbst, und haben sie durch das schone Geschenk, welches sie dem Redner als Zeichen der Anerkennung zugestellt, unsere Hoffnung zur tröstlichen Zuversicht gemacht. I. B. Dessau, 6. August. In Anhalt-Dessau leben unter 60,945 Einwohnern 1602 Israeliten, von welchen 743 auf die Stadt Dessau kommen. Die Zahl derselben ist seit 1818 ziemlich gleich geblieben. (Was von - den häufigen ’) No. 52. dies. Zeit. Red. Auswanderungen kommt, da die Israeliten dort noch — Schutzjuden sind, und höchstens Freimeister, d. h. ohne Gesellen und Lehrlinge halten zu dürfen, werden können *). Posen, den 29. Juli (Privatmitth.). Die hier erscheinende „Zeitung des Großherzogthums Posen" enthält in ihrer Nummer 169 vom 23. d. M., unter ihren vermischten Nachrichten, auch eine Mitteilung aus Frankfurt a. M., der zufolge ein jüdischer Juwelenhandler gegenwärtig Edelsteine aller Sorten aufkaufen läßt, um sie zunächst zur Ausschmückung eines Transparents zu verwenden, welches bei Gelegenheit der lombardischen Krönungsfeierlichkeiten die kaiserliche Namenschiffre unter entsprechenden Emblemen im Brillantfeuer zeigen sott, alsdann aber auf dem Wege der Lotterie ausspielen zu lassen und die Spiellust der Italiener dadurch, in eine für ihn einträgliche Contribution zu setzen. Man sieht leicht ein, daß die Redaction der Zeitung hiermit einen Beitrag zu den beliebten Erzählungen von jüdischen Taschenspielerkünsten zu geben gedenkt, und könnte sich jeder Mühe überheben, ihr deshalb einen Vorwurf zu machen, da sie nur den schon lange in Vademecums, Anekdotensammlungen, Kalendern und andern Unterhaltungsschriften der Art breitgetretenen Weg geht, wenn man nicht dabei unwillkührlich an viele in frühem Nummern derselben Zeitung debütirende Artikel gemahnt würde, welche auf eine bestimmtere Weise die Antipathieen der Redaction gegen Jui den und Judenthum zu Tage legen (vrg. beispielsweise die Nr. 157, 239 Jahrg. 1837; Nr. 130, 135, 136, Jahrg. 1838). So wenig auch verkannt werden können, daß mit diesen, die Juden und das Judenthum betreffenden Absurditäten, Tagesklatschereien u. s. w. vorzugsweise der Moquerie und dem Vorurtheile einzelner Leser gestöhnt werden solle, und so wenig die unter den Miscellen periodischer Blätter cursirenden Notizen einer strengen Kritik, welche zunächst der Eensur zustande, unterworfen werden kann, doch möchten wir der Redaction der Zeitung des Großherzogthums Posen zu Bedenken geben, daß sie ein Blatt vertritt, welches nicht, gleich vielen andern Eintagsblattern, ohne Charakter, ohne Tendenz, ohne moralische Verantwortlichkeit ist, ein Blatt, das theilweise officiellen Inhalts, auch in seinem sonstigen Gehalte aus die besonderen Verhältnisse des Großherzogthums Rücksicht zu nehmen hat, und nicht als °) Hier (in Magdeburg) wohnen allein 21 israel. Seelen aus dem Anhalt-Dessauischen Lande, ohne die Familie einiger derselben zu rechnen, so daß wenn diese sämmtich dort verblieben wären, dies allein schon eine Mehrzahl von ca 50 Seelen ergebe. R e d a c t.

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