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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-23 · Heft 13 (23.3.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 13 (23.3.1875)
Date
1875-03-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. einmal in 2 8iL i*/i Sogen. Preis HerauSgegeben von Viertelzähria 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pf. fus die Pctitzeil« oder deren Ran« berechnet. Alle BnchHandlnnsen, Rabbiner Dr. Ludwig Philippen in Bonn. d^'"«chmen ^efwSmgen an. Verlag von Bamngärtner's Buchhandlung in Leipzig. _e man sich >■. Sonn; dinfichllicv de» Bezug» und der | Inserate an flaamqärtntr's Lochband lang i iuLeirzig. Zaserälr, welche bi» vonaeritag eingeben, finden inder darauffolgenden Siunrnrer Berückfichtiguug. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 39. Jahrgang. Leipzigs den 23. Mär; 1575. JS? 13. Inhalt. Leitende Artikel: Hoffnungen. — Die Wicderbesetzung des DirectoratS am jüdisch-lheologi'chen Seminar zu BreSlau. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Berlin- — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main. Berlin. Leipzig. Cassel, Wiesbaden, Würzburg, München — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Scliwciz: St. Gallen. — Feuilleton: Religiöses Gefühl — Schwärmerei — Aberglauben. <£eltett<)& (XttU;ef. Bonn, den 17. März. Hoffnungen. Nichts begegnet man jetzt öfter, als einer gewissen Trostlosigkeit in religiösen Dingen. Äst man berechtigt hierzu? Man sagt: diesem Geschlechts wohnt zu wenig religiöses Gefühl und Bedürfniß ein, es ist zu wenig religiös; man sagt: unsere Zeit ist zu materialistisch, allem Idealismus abgewendet, und wird es immer mehr. Und wenn sich erst ein solcher Ausspruch wie eine Legende immer wiederholt, erhält er den Schein einer allgemeinen ausgemachten Meinung. Aber eine Meinung ist darum noch keine Wahrheit. Zunächst widerspricht dem, daß die religiösen Streitigkeiten, daß ein furchtbarer Kampf zwischen Kirche und Staat wieder in den Vordergrund des Lebens getreten. Er entbrennt bald hier, bald dort, fordert bald diesen, bald jenen Staat heraus, und nimmt die Geister leidenschaftlich ein. Kämpft man denn aber um Etwas, was kein Interesse, was keinen liefern Boden in den Geistern besitzt? Man wendet ein, das ist kein Kampf um die Religion, sondern um die Kirche und diese beiden decken sich nicht. Zugleich ist es ein Kamps nur um die äußere Machtstellung, religiöse Fragen kommen eigentlich darin nicht vor. Es ist wahr, daß es die Kirche ist, die für sich kämpft, und die Mittel in diesem Kampfe sind nicht immer die reinsten und sittlichsten; jedoch dies nur für die Führer, für das Volk ist es Religion, dem Volke handelt es sich um seine religiöse Ueberzeugung, um feine religiösen Gefühle, sie sind ihm durch die Kirche vertreten, in ihr lebendig und verkörpert; auch sind in der That für die betreffende Glaubenspartei bedeutende religiöse Lehren im Spiele. Ebenso ist es allerdings ein Macktstreit, der sich erhoben hat, und man könnte dies um so mehr behaupten, als aus Seiten des Staates außer dem politischen Momente kein durchgreifendes Princip Beweggrund zu sein scheint. Aber es ist dennoch noch mehr Enlturkampf, da es sich zugleich um die höchsten Grundsätze der modernen Gesellschaft hantelt, und für deren Verwirklichung durch diesen Kampf selbst ohne den Willen der Politiker der Boden Schritt für Schritt gewonnen wird. Dies ist aber innerlich ein rechter Kampf für Religion, für die rechte Religion gegen die falsche. Denn Religion ohne Sittlichkeit und Sittlichkeit ohne Recht und Freiheit sind falsche Vorstellungen. Der Staat kämpft also, sei es mit oder ohne Absicht, für die echte, wahre Religiosität. Auch bestehen ja die religiösen Kämpfe der Jetztzeit durchaus nicht blos in diesen kirchenpolitischen Streitigkeiten. Die Ansichten, Meinungen und Doctrinen stehen sich scharf und schroff gegenüber, finden in zahllosen Erzeugnissen des Geistes ihren Ausdruck und suchen einander die Anschauungen und Ueberzeuguugen der Menschen abzugewiunen. Es hat schon mehrfach Zeiten gegeben, wo Skepticismus, Atheismus, Materialismus, Pantheismus im Schwange waren; aber noch keine, wo diese in so ausgedehnter und offener Weise ihre Lehren verkündeten, zahllose literarische Organe beherrschten und in alle Schichten, in die oberen, wie in die untersten, einzudringen sich bemühten, und wo andererseits die orthodoxen, wie reformatorischen

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