Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1875)
- Date
- 1875-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Cm unParteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» lll2 Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mart. Inserate werden mit 2v Pf. für die Petitzeile oder deren Ran» berechnet. Alle Bnchbandiungen, iter und AeitungS - Expeditionen nehme» Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Bamngiirtner's Buchhandlung in Leipzig. In redaclionellen Angelegenheiten | wende mau sicd ni Dr. L. Philippson in > Brun: dinsichllicd des Bezugs und der > Iwerale a» üallmaärtnrr's Suchhanülung »lreivzig. Znlrräle, u-elLedis vonuerstag eingeben, finde» inber .arauffulgen» den stummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. ,> r o Hundert berechn e 39. Jahrgang. Leipzig, den S. Mär; 1575. II. Inhalt. Leitende Artikel: Die großen Gemeinden in den großen^Städten. — Die Svmbolik des mosaifchen Hciligtbums. I. — Zeitungsnackrichten: Deutschlands Berlin, Aus Westpbalen. — Oesterreich-Ungarn: Ans Be Innen. — Feuilleton: Eugen- Melchior de Bogue und die Juden in Lvricn. jCeiteude CXxlißef. Bonn, den 10. Mär;. Die großen Gemeinden in den großen Zta-ten. Wir haben jüngst in Leitartikeln d. Bl. bewußt gemuckt, daß wir in der Ortsgemeinde eine der ältesten Institutionen des Judenthums besitzen, durch welche der Bestand der Religion gesichert war und ist. Sie wird daher ein Gegenstand unsres besondersten Jntereffes sein, und es ist deshalb gerechtfertigt, wenn wir wiederholt auf sie zurückkommen. Kommt es doch niemals allein darauf an, ob etwas existirt, sondern auch wie es existirt. Die großen Gemeinden in den großen Städten sind eine Schöpfung der neuesten Zeit. Wie verhältnißmäßig geringzählig waren vor 1848 die Gemeinden zu Wien, Pest, Berlin, von denen gegenwärtig eine jede über die 40,000 Seelen hinausreicht; wie war Paris vor achtzig Jahren nur von einem Dutzend jüdischer Familien bewohnt, und auch London und Rew- 2)ork haben den bedeutendsten Zufluß erst in den letzten Jahrzehnten erhalten, nachdem die Communicationsmittel so sehr entwickelt worden, und die Auswanderung überall bedeutende Maße angenommen. Es hat seit langer Zeit große Gemeinden gegeben, in Warschau, Wilna, Brovy, Krakau, Berditschew, Konstantinopel u. s. w., im westlichen Europa nur in Amsterdam. Aber theils waren damals und sind zum Theil noch diese Stätte von mäßigem Umfange, oder die Juden mußten in gesonderten Quartieren zusammenwohnen, oder thun dies selbst dann noch, wenigstens mit ihren Masten, wenn ihre Wohnungen keiner Ortsbeschränkung unterliegen. Da war immerhin die Organisation und die Herstellung der benöthigten Anstalten eine einfache, die sich wie von selbst ergab. Jetzt aber wachsen diese Gemeinden nickt blos an sich nach riesigem Maßstabe an, sondern sie thun dies in Städten, die sich in kürzester Zeit immer weiter ausdchnen, und zugleich so. daß die jüdische Bevölkerung durch alle Stadttheile zerstreut wohnt. Bei der ckristlichen Bevölkerung bringt dieses Wachsthum im Ganzen nur äußerlicke Schwierigkeiten mit sich. Wie sich neue Stadtviertel bilden, wird eine neue Kirche gebaut, werden neue Volksschulen errichtet, wird ein neues Armenwesen hergestellt. Bei dem Wohnungswecksel wechselt auch die Parockie und Jedermann weiß sofort, wohin er gehört. Bei den Inden ist dies nickt der Fall. In manchem Stadtviertel wohnen sie in größerer Anzahl, in anderen sind sie dünn gesaet; die Viertel verändern sich in dieser Beziehung leicht, und wo vor wenigen Jahren noch fast keine Juden wohnten, mehrt sich gegenwärtig deren Zahl. Die Organisation und Verwaltung begegnet hier vielen Schwierigkeiten, und es bilden sich daselbst Fragen, die noch wenig discutirt worden sind. Gehen wir heute etwas hierauf ein, wobei wir selbstverständlich von Plätzen wie Neu-Pork, Chicago st. absehen, wo Alles in der Bildung jüdischer Gemeinden und Anstalten dem Zufall überlasten ist, worauf wir später zurückkommen werden. Die beiden Hauptfragen sind hier: Ist eine Centralifirung der Verwaltung vorzuziehen, und aus welche Weise i|t allen