Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 10 (2.3.1875)
- Date
- 1875-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Hu-enlhums, Ein unparteiisches Organ sür alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 bi» 2>/a Bogen. Preis Herausgegeben von In redactionelle» Angelegenheiten wende man sich an Dt. S. Philipp so» in Bonn; hinsichtlich d«S Bezug» und der Inserate an Laamgärtner'p Lachhondlang intzeivzig. Inserate, welch« bi« vonner»- Vierteljährig 3 Mark. Änserate werden mit 20 Pf. snr die PetitzeUe oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Rabbiner vr. Lu-wiz Philippson in Bonn. Postämter und ZeitungS - Expeditione» nehme» Bestellungen au. Verlag von Baumgärtnrr's Bachhaodlung in Leipzig. tag cingehen. finden Inder caranffolgen» den Nunwrer Beriickfichtigwrg. Beilagen werden mit 1 Mark b 0 Pf. pro Hundert berechnet. 39. Jahrgang. Leipzig, den 2. März 1875. JV? 10. Inhalt. Leitende Artikel: Das Recht deS Individuums und da riaS Frankel. — Die Verfassung der indischen Gemeinden im preuß. Königsberg, BreSlau, Frankfurt a. M. — Oesterreich-Ungarn: Konstantinopel. — Feuilleton: Herzog Berthold v. Andechs u. der 2ndc Siedende (3Cichf:ef. Bonn, den 24. Marz. Das Recht -es Zn-ivi-uums und -as Recht -er Gemeinschaft auf -em religiösen Gebiete, n. „Ein wandernder Aramäer war mein Barer", heißt es 5 Mos. 26, 5 im Namen des Volkes Israel. Als aus diesem umherziehenden Stamme eine Volksmaffe geworden, fand sie sich ohne Wohnsitz und Selbstständigkeit, von den Egyptern nur um den Preis des Sklavendienstes geduldet. Aber da es nun die Freiheit erlangt hatte, was war es, daß der, nur durch einige dunkle Ueberlieferungen und überkommene Sitten zusammengehaltene Masse ein nationales Dasein, eine gesellschaftliche Organisation, ein höheres Lebenselement gewährte, was einen großen geistigen Proceß in ihr anfachte, was ihr zugleich das Schwert in die Hand gab, sich das Land der Verheißung zu erobern und auf ihm eine Geschichte von anderthalb Jahrtausenden zu durchleben? Nichts Anderes, als die religiöse Idee, als die Lehre vom einzigen, gestaltlosen und heiligen Gotte, von der Einheit der Welt, von der Einheit der Menschheit, von der Gleichheit und Freiheit aller Glieder der Nalion und der Bruderliebe, die Einer dem Andern schuldig ist. Diese Lehre, im Gegensätze zu dem Gedankeninhalte aller andern damaligen Völkerstämme, in das Wesen dieser Nation gesenkt, machte ihre Lebensprincip, den Recht der Gemeinschaft auf dem religiösen Gebiete. II. — Dr. Zachalbgcordnctcubauie. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Wien, Don der Donau, Pest. — Frankreich: Paris. — Türkei: -alomon. — Aus der Reüemappc :c. (Forts, u. Schluß.) — Vermischtes. Zweck ihres Daseins, die Krastfülle ihrer seitdem nicht erloschenen Existenz aus. Alle Theile des Volkes, welches sich von dieser Gotteslehre trennten, verschwanden alsbald. Die zehn Stämme fielen ab, und verloren sich in unauffindbarer Weise. Nur um dieser Lehre willen zog ein Theil des Volkes nach dem verödeten Lande der Väter zurück, fand in ihr abermals eine radicale Selbstständigkeit, und diejenigen, welche in ftemden Ländern zurückgeblieben und in der ererbten Religion treu verharrten, blieben auch dort bestehen: die anderen gingen unter. So hatte die jüdische Nation ihr Dasein allein durch ihre Religion, wahrend hinwiederum diese Religion des einzigen Gottes ihren Bestand nur durch die jüdische Nation hatte. Auch schon wahrend des nationalen Daseins in Palästina, lag der Schwerpunkt vorzugsweise in der Ortsgemeinde, während zu aller Zeit die Centralgewalt und die centralistische Organisation schwach und lose geblieben. Die Ortsgemeinde war völlig frei, wählte ihren Vorstand und alle Beamte, und übte Verwaltung und Rechtspflege, selbst die Criminaljustiz durch ihre Vertreter oder durch die Gemeinde selbst. lVergl. Ruth 4, 2. 4. 1 Kön. 21, S ff.). Diese Rechte der Gemeinde blieben unangetastet, wenn auch eine Art Appellation an Richter, Priester, Könige und später bei den Sanhedrin's bestand. Als aber in den letzten Jahrhunderten vor dem zweiten Falle Jerusalems die Auswanderung eine große Ausdehnung annahm, und nachdem die Nation durch die Römervöllig zerstreut ward, da geschah es aller Orlen, wo sich eine kleinere oder größere Anzahl Juden zusammenfand, daß sie sich eine Synagoge herstellten, für den Unterricht der Jugend und der Erwachsenen, sowie für Wohlthärigkeilsanstalten sorgten und