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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-02-02 · Heft 6 (2.2.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 6 (2.2.1875)
Date
1875-02-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein m-arteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgege ben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig Beilagen werden mit l Mark L ü Pf. pro Hundert berechnet. Oit redactionellen Angelegenheiren wende man sich an Dr. L. {JtjtUppfon in Bonn; hinsichtlich de» Bezugs und der Jmeratean «anmpärtner’i Sochdandlung in Leipzig. 3»sernle, «etche diS voaaerslag eingeben, finden in der iar.iuffo!gen» den 4iumrner Berücksichtigung. Diese Leitung erscheint wöchentlich einmal in 2 biS 2'/, Bogen. Preis Bierteliähriq Mark. Inserate werden mit 20 Pf. für di« Petitzeile oder deren Raum berechnet. Lll« Buchbandiunaen, Postämter und Zeitungs - Expeditionen nehmen Bestellungen an. 33. Jahrgang. Leipzig, den 2. Februar 1875 J\? 6. 3ühttlt. Leitende Artikel: Ein politischer Brios. (Schluß.) — lieber den Ausdruck Gel-c:e" und r'^z. — i'itovari icbci Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, .siöln. Bon: Rheine. München. Nürnberg. — Italien Aus Obcritalicn. — Großbritannien: London. — Schweden: Stockholm. — Feuilleton: Ein Bricsweck'el zwischen Fritz Reuter nnt Inspector Bräsig. — Aus der Rcisemappe von 1»>. H. Zirndorf, Seminardirector. — Nack trag: St. Gallen. «£eiteude CCttif; e t. Bonn, den 27. Januar. Eiu politischer Srief. <S ch l u ß.) Diesen meinen letzten Satz muß ich noch etwas erläutern. Sie wissen, wie sehr meine Seele von den Wahrheiten der Religion erfüllt, wie sehr mein Her; ihnen ergeben ist. Sie fetzen also voraus, geehrter Freund, daß ich einen weiten Unterschied zwischen der Religion und der Priesterschaft mache, um sagen zu können, daß die Hierarchie, daß die Herrschaft der Priester ein Barbarismus ist, den wir aus rem Allerthum und dem Mittelalter ererbt haben. Was bedeutet denn Priesterthum? Nichts Anderes, als den Glauben, daß der Mensch nicht in unmittelbare Beziehung und Verbindung mit der Gottheit zu treten vermag, sondern hierzu einer außer ihm befindlichen Vermittelung bedürfe, eines Vermittlers, der die wirklichen Wahrheiten der Religion verkünde, die Gebete recht wirksam mache, alle die menschlichen Lebensmomente begleitende Acte der Religion vollziehe, die Buße bestimme, von den Sünden löse und so die göttliche Vergebung ertheile. Eine Religion, welche diese Anschauung als eine ihrer Grundlehren und Institutionen enthält, steht auf der Stufe, welche Alterthum und Mittelalter einnahmen, über die aber die neuere Menschheit hinweggestiegen ist. Denn die Geschichte lehrt uns, daß wir ein solches Priesterthum als unentbehrlich für den antiken und mittelalterlichen Menschen *) Im ersten Theile dieses Artikels Nr. si S. 67 Sp. 2 Z. 7 v. u. bitten wir „Bewaffnung" statt „Beschaffung" zu lesen. Hallen müfien, da es in diesen großen Zeitperioden immer wieder erstand, wie in der katholischen Kirche, der römischen wie der griechischen, da erstand, wo es anfänglich gar nicht beabsichtigt war, was vom Christenthum in seiner ersten Zeit sicherlich der Fall war. Weil aber ein solches Priesterrhum durch seine Existenz selbst darauf angewiesen ist, die Bekenner seiner Religion aus dieser niederen Stufe der religiösen Erkenntnis; zurückzuhallen, weil es, der naturgemäßen Expansion zufolge auf die Herrschaft in allen menschlichen Beziehungen, selbst in den weltlichen und bürgerlichen, gerichtet sein muß, weil es ausschließlich und gegen alle andern Meinungen feindlich sich verhalten und einen Vernichrungskamps gegen Alles was ihm widerstrebt, unternehmen muß — darum bezeichne ich es als einen Barbarismus.*, ') Ich brauche Ihnen kaum anzudeuren, daß ich in den obigen Aussprüchen gänzlich auf dem Boden des Judcnrhums stehe. Achrzcbn Jahrhunderte cxistirt bereirs dasIudenthum ohne Priesterthum, hiermit erweisend, daß das Wesen der Religion nicht mit dem Priesterldum identisch ist, und daß ibr Bestand von einer Priesterschaft nick: abbängt. Noch mehr: nach dem Falle des Tempels verschwand das Priesterthum aus dem Jukenthume — denn die Antiquität der Lohanim ist ja ganz wesenlos — ohne Kampf und Widerstand von irgend einer Seile her. Schon dieser Umstand deutet daraus bin, daß das Priester rhum vor dem Brande des Tempels durchaus nicht die Bedeutung batte, welche ich oben als die des Priestcrrhums zu bezeichnen batte, und die noch heute den katholischen Priestern cinwohnr. Jede Religion muß zu aller Zeit ein Lehramt und eine Art «eelsorge haben. Äber diese wichtige Function besaßen die Priester in Israel niemals- Weder die Lehrer der Tradition, noch die Propheten, nach Moses selbst waren Priester. Ja, der Bericht der!>. Schrift selbst zeigt uns, baß das mosaische Gesetz fast ungern ans die Herstellung eines Priesterstandes einging^ und eigentlich die Erstgeborenen der Familien bicrzu bestimm: barte. Ebenso war ibnen ein wachsender Besitz an Grund und Boden versagt und ihnen von vornherein weder die administrative^ noch die richterliche Gewalt als ein Vorrecht übergeben worden, ^ie waren im Grunde nur zur Amtirung bei dem Ovserculrns berufen. Dic'er

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