Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 96 (11.8.1838)
- Date
- 1838-08-11
- Page
- Seite 389 (sequence 3)
- Language
- German
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389 Mosait des wichtigsten und ehrenvollsten Bürgerrechtes, der Wählbarkeit, theilhaftig wird. Und wenn ein Wahldistrikt trotz den Vorurtheilen, welche die weniger aufgeklärte Menge vielleicht noch gegen die Mosaiken hegt, gerade einen Mosaiten zum Deputirten wählt, so kann der Staat vollkommen sicher sein, daß er in einem solchen einen tüchtigen Deputirten erhält. Rücksicht auf die Frucht d^r ständischen Wirksamkeit muß daher.auch ein Motiv für die Wählbarkeit der Mosaiten abgeben. Sollte aber Jemand einwenden, daß es aus dem vorgelegten Anträge der Repräsentautschast der mosaischen Gemeinde in Kopenhagen nicht klar ist, daß ihre Glaubensbrüder in Nord-Jütland eben so eifrig die Wählbarkeit wünschen, so brauche ich nur die Versammlung davon zu benachrichtigen, daß ich es der mosaischen Gemeinde in Äalborg angeboten habe, einen solchen Antrag vorlegen und nach Ueberzeugung unterstützen zu wollen, wenn sie ihn mir übergeben wollte, daß die Repräsentantschaft es nur aus dem Grunde unterließ, weit sie, „die nur eine kleine unbedeutende Gemeinde im Verhältniß zu ihren übrigen Glaubensbrüdern in Dänemark und namentlich in Kopenhagen, ausmachen," es durchaus nicht für passend hielte, als Wortführer aufzutreten, sondern dieses Geschäft vertrauenvoll mir überließe. Ich will diesen Auftrag auf keine andre Weise ausführen, als wie schon geschehen ist, durch eine ungekünstelte Darstellung der Gründe, die dafür sprechen, daß den Mosaiten in Dänemark Wählbarkeit gleich den christlichen Mitbürgern zugestanden werde, und ich bin überzeugt, daß die Ständeversammlung eine allerunterthänigste Petition deshalb bei Sr. Maj. dem Könige eingeben werde." (Fortsetzung folgt.) Correspoudenzen, Auszüge, Repliken, (Aus der Didaskali'a). Die Einweihung der Synagoge zu Rödelheim. Ueber mich ergiesst sich meine Seele, wenn ich denke. Wie ich mit Gefolg hinauf in Gottes Tempel wallte; Mit Dank und Freudengesängen unter der feiernden Menge. König David. Den Anfang der Feierlichkeit machte, wie bereits früher in diesen Blättern angedeutet worden ist, ein solenner Zug, der sich am EinweihungStage (29. Juni), Nachmittags 4 Uhr, von dem bisherigen Betsaale auö nach dem im edelsten Style erbauten neuen Gotteshause bewegte und zwar in folgender Ordnung: 1) Die israelitische Schuljugend mit ihren Fähnlein und ihrem Lehrer an der Spitze; 2) die Jünglinge mit der großen Fahne, auf welcher das großherzogliche Wappen befindlich; 3) der Sängerchor nebst der Instrumentalbegleitung; 4) daö Kisten mit dem Synagogenschlüssel: 5) die Mädchen mit Blumen in nationalfarbigen Vasen; v) die Frauen; 7) die vier Träger des Baldachins, unter welchem die Gesetzrollen getragen wurden; 8) die Geistlichkeit, Beamten, Honoratioren, der OrtSvorstand, der israelitische Vorstand und die übrigen Gemeindeglieder. Der Sängerchor, von Hrn. Hecht aus Frankfurt trefflich dirigirt, stimmte, sobald sich die Prozession in Bewegung gesetzt hatte, unter Instrumentalbegleitung daS Lied an: „Auf, jauchzet Gott dem Herrn!" Nachdem der Baldachin mit den Gesetzeörollen an der Synagogenpforte angelangt war, fand unter dem Schalle der Musik die feierliche Ueberreichung des Schlüssels an den großherzogl. Kreisrath und hierauf der Einzug in da6 Gotteshaus selbst statt, denen freundliches Innere auf jeden Anwesenden den angenehmsten Eindruck machte. Ein in Darmstadt verfertigter, reich mit Gold gestickter, rothdamastner Vorhang, an dessen oberem Ende die zehn Gebote, bedeutungsvoll umgeben von dem großherzogl. hessischen Wappen, zu sehen sind, verhüllt das Allerheiligste und gewahrt einen imposanten Anblick. Nach Absingung eines hebräischen Liedes trat der ehrwürdige Oberrabbiner von Friedberg vor die Bundeölade, sprach in einfacher Rede Worte der Weihe über das Haus und die Versammlung und rief dann im herzlichen Gebete den Segen Jehova's herab auf das erlauchte Haupt Ludwig's II. von Hessen, unter dessen gerechter und väterlicher Regierung Israel sich so schöner Tage erfreue. Die beiden ersten Verse des Liedes: „Du, denen Haus die weite Welt," aus Johlson's Gesangbuche wurden dann abgesungen, worauf eine erwartungsvolle Stille eintrat. Der protestantische Ortsgeistliche Hr. Dekan Thudichum, nahm jetzt die von dem Obberrabbinen verlassene Sttlle vor dem Allerheiligsten ein und als nun der mit den Waffen des Wortes mächtig ausgerüstete Lehrer des Evangeliums von der heißen Liebe sprach, mit der er von jeher ein Bruderverhältniß zwischen den alt- und neutesiamentarischen Glaubensgenossen zu erzielen gestrebt habe, und als er darauf hinwiev, wie der Gott, der zu Moseh, seinem Knechte, auf Sinai geredet, der nämliche sei, der auch den gesalbt habe, vor dem die Christenheit sich beuge, — da war die ganze Versammlung tief ergriffen und selbst in dem Auge ergraueter Jcrusalemiten stammte die hehre Ahnung einer nichts mehr fernen, allgemeinen Völkerverbrüderung. Ja, es war eine schöne, erhabene Rolle, welche die christliche Kirche, repräsentirt durch einen ihrer begabtesten, würdigsten Diener, bei diesem Einweihungsakte übernommen hatte. Der katholische Geistliche war nicht zugegen und nahm überhaupt keinerlei Antheil an den Feierlichkeiten der Stammesgenoffen des Erlösers!-Der nach geendigtem Liede von Hrn. l)r. «gorntfUcber gehaltene Vortrag zeichnete sich aus durch die richtige Auffassung der gegenwärtigen Stellung Israels in den Reihen der Völker, und machte durch die schöne Tendenz seine allzu lange Gedehntheit ziemlich vergessen. — Zum Beschlüsse der Feier sangen kraftvolle Männerstimmen dem Herrn Preis und Dank in den Weisen und Lauten des Königs David, deren Majestät auch der Fremdling mit Staunen vernimmt, und als später eine jugendlich-reine Stimme, holdselig und anmuthig wie die des Knaben Samuel, mit dem Männergesange sich einte, da wiegte der greise Rabbi sein graues Haupt, wie in selige Träume versunken, und die entschwundene Herrlichkeit Zions schien an seinem Geiste vorüberzuziehen. Noch lange werden wir der erhebenden Feier, welche erst gegen acht Uhr endete, gedenken, und herzlich wünschen wir, daß der Geist der Liebe und Toleranz, welcher über sie ausgegossen war, sich auch bald denjenigen mittheilen möge, welche noch auf dem finstern Altäre der Unduldsamkeit Opfer darbringen, die dem Herrn ein Greuel sind.