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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-01 · Heft 1 (1.1.1875) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 1 (1.1.1875)
Date
1875-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Hu-enlhums Ein unparteiisches Organ für alles Mische Jnterefle. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal i» 2 bis 2'/z Bogen. Preis Herausgegeben von Biertüiähria 3 Mark. Inserate werden mit 20 Pfr für die Petitzeile oder deren Raum berechn«. Sllle Buchhandlungen. Postämter und Zeitnugs-Expeditione» nehmen Bestellungen an. Rabbiner Dr. Lu-roiz Philipp sou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. wende mau sich a» vr. §^^ili»pson in Bon»; binfichllich des Sejngft and der Jwerateau Saam-Srtner'» Lnchbandl»», in Leipzig. Inserate, welche biS Donnerstag eingehen. finden in der darauffolgende» Nummer Berücksichtigung. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 39. Jahrgang. Leipzig, den 1. Januar 1875. «A? 1. Inhalt. Leitende Artikel: Zum neuen Jahrgang. — Bemerknngen über Eduard von Hartmann: Die Selbstzersetzung des Lhristenthnms uud die Religion der Zukunft. Berlin, 1V74. IV. — Literarischer Wochenbericht: Bom Rheine, Bonn. — Äeitungsuachrichten: Deutschland: Berlin. Peuzlin (Mecklenburg), Breslau, Oels. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Aus dem südlichen Böhmen. — Frankreich: Paris. — Schweiz: St. Gallen. — Italien: Rom, Ferrara. — Rumänien: Bukarest.— Amerika: Bueuos-Ayres. — Kenrlleton: Corresp ondenz: Görlitz. — Vermischtes. Jletiendo CXtiiilef. Bonn, den 23. December. Zum neuen Jahrgang. Die Aufgaben, die zu lösen, sind im Laufe der Zeit nicht leichter, vielmehr schwerer geworden. Jemehr sich die Bcrhältniffe entwickeln und ausdehnen, desto verzweigter und verworrener werden sie, destomehr gilt es, das rechte Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und die Wege zu überschauen, die dahin führen. So lange es sich um das einfache Recht der Gleichstellung, und nach innen um die Frage der Reformberechtigung handelte, waren kräftige Anstrengungen erforderlich, aber Ziel und Mittel Lar und sicher. Seitdem wir über diese beiden großen Momente hinausgekommen, und die Ausführung und Verwirklichung immer mehr fortschreitet, erheben sich von Tag zu Tag immer neue Gegenstände der Discussion, des Strebens und Kampfes. Judenthum und Juden sind dermaßen in das allgemeine Leben hereingezogen, daß sie sich bei jeder größer« Frage betheiligt finden und mehr oder weniger zu ihr eine bestimmte Stellung eiuuehmen müsien. Am meisten ist dies durch die schroffen Gegensätze herbeigeführt worden, in welche die christliche Welt gerathen ist, durch den mächtigen Kampf, der daraus zwischen Staat und Kirche entsprungen, und welcher in allen Ländern entbrannt ist, wenn er auch in den einen offen auflodert, in den anderen stiller und verdeckter fortglüht, wenn er auch von der orthodox-protestantischen Kirche mehr zuwartend, von der katholischen unumwunden und bis aufs Aeußerste geführt wird. Die ganze römisch-katholische Kirchenpariei hat die Juden für ihre Gegner erLärt uud bezeichnet sie aus Gründen, die wohlbekannt find, als einen entschiedenen und einflußreichen Theil ihrer Widersacher. Wir beLagen dies, wir erkennen darin nur eine Machination, Alles daran ist weit übertrieben und willkührlich aufgeblasen; aber es ist doch so, und was wir an sich nicht wären, dazu werden wir gezwungen. Der Syllabus erklärt die Religionsfteiheit für ein Princip des Teufels, die Gleichberechtigung für einen vervammenswerthen Staatsgrundsatz; er nimmt alsc^den Juden Alles, was sie seit einem Jahrhundert im Staate und der Gesellschaft erreicht haben. Dies ist das Ziel, welches die römisch-katholische Kirchenpartei für die anzustrebende Zukunft im Auge hat. Einstweilen entwickelt sie die größte Thätigkeit, auf jede mögliche Weise im Volke den Haß gegen die Juden wieder zu belebendes gegen sie aufzuhetzen, nicht blos indem sie Schmähungen uud Beschuldigungen jeder Art auf sie häuft, sondern auch iudeur sie ihnen die tödtlichste Feindschaft gegen das Christeuchum zuschreibt, und sie womöglich als die vorzüglichsten Urheber und Träger des ganzen Kirchenkampfes hinstellt — ihre Wortführer find sich hierbei wohl der Unwahrheit und des Truges bewußt, aber „der Zweck heiligt die Mittel", und indem sie auf die Juden losschlageu, glauben sie den ganzen modernen Staat, die ganze liberale Tendenz der Gesellschaft zu treffen. Hiergegen haben wir uns unermüdlich zu wahren, und dies ist nicht leicht. Jene Partei entbehrt der großen Tagespreffe, die einmürhig ihr gegeuübersteht; aber sie hat eS verstanden, sich taufend und aber tausend

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