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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-04 · Heft 93 (4.8.1838) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 93 (4.8.1838)
Date
1838-08-04
Page
Seite 378 (sequence 4)
Language
German
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578 bald nachher ab, und die Inden rächten sich abscheulich cur den blinden Feinden. Sie veranstalteten Ln Leipzig eine Collekte für die Abgebrannten, welche 80 Thlr. eintrug. Sie muffen wot etrvaö von einer Stelle gehört haben, die im Matthäus steht, aber manche Sachsen vergessen haben: WaS du nicht willst, daS dir die Leute th-nn, das sollst du ihnen auch nicht thun. Vox populi, vox dei! könnte man sagen. Ja doch! die Vvltt'stinuue war es auch, die einst heute Hosianna', und fünf Lage darauf: kreuzige! kreuzige ihn! schrie; die BolkSstimme warf Hunderte von Hechsen ins Feuer und trug Holz herbei Huß und Hieronymus von Prag zu verbrennen! Jedoch freuet Euch, Ihr Binder Israels in Sachsen! Bedenket, daß Eurer nur Einer auf 2000 der christlichen Sachsen kommt; von den Zweitausend aber furchten die Meisten sich vor Einem von Ehch! Wie weise, wie gerecht, wie einsichtsvoll müßt Ihr fein, da Einer von Euch solche Furctt den Zweitausend einjagen kann! Zweitausend sächsische Schneider, Schuhmacher u s. f. fürchten sich stets vor Einem von Euch, der auch ein Schneider oder Schuhmacher werden könnte. Schon in der Wiege sind Eure Kinder so gefürchtet, darum freuet Euch! Scherz und Ironie bei Seite, ob eS sich schon kaum der Mühe verlohnt, über solche Einfalt ein ernsteö Wort zu verlieren, da man Blinde, die nicht sehen wollen, unmöglich heilen kann. Die ernsten Verhandlungen darüber fanden am 20. Febr. in der I. Kammer Statt. Eine Petition von 2891 Handwerkern unterschrieben, fast ohne Sinn, lag vor ihr. Jndcffen rühmte man doch schon, daß die I. Kammer den Gedrücktkn verwilligte, in Dresden und Leipzig Grundeigenthum zur Erbauung einer Synagoge erwerben zu können, was von einem Mitglrede, namentlich einen Herrn von Siegler und Klipphau sen aufs Heftigste bestritten würde. Konnte über so eine Kleinigkeit viel geredet werden, so ließ sich erwarten, daß die sogenannte EmancipationSfrage noch mehr Hindernisse finden würde. ES blieb bei einer halben und ein viertel Maaßregel. Man gab mit der einen Hand was man mit der andern nahm. Der ärgste Judenfeind hätte das hier umgestaltete Gesetz annehmen können, sagte se!bst ein Mitglied dieser I. Kammer, die sich hierin in der Geschichte keine Ehrensäule gesetzt hat, als allen den an - und vergebrachten Amendements ein christliches Gemüthe noch vier neue Beschränkungen ausdringen wollte. Die wenigen Stimmen eines Ammon und Prinz Johann verhallten wie die des Windes in der Wüste. Von der Ehe zwischen Juden und Christen war nun vollends keine Rede, da selbst ein Ammon dagegen die Gründe aufbot, welche auch gegen jede Ehe zwischen Protestanten und Katholiken obwalten, wenn letztere ihre Dogma milla salus extra ecclesiain, und keine Ehe gtltig als in ihr geschloffen, wörtlich nehmen und glauben. Man spielte bei allen solchen Verhandlungen den Kläger, den Zeugen und Richter zugleich; statt einen oder ein Paar gebildete Juden zu citiren und sie zu fragen, waS sie auf diese oder jene Vorwürfe antworten konnten, welche ihnen gemacht wurden, schien öfters grundlose Besorgniß und zäheS Festhalten am Hergebrachten einen Bund zur Unterdrückung zu schließen, und wie soll man eS z. B. nennen, daß man den Juden die Betreibung deö Buchhandels weigerte, weil sie — mit Nachdruck handeln könnten? Mn von wem ist nun wol aller Nachdruck ausgegangen und berbreitet worden? Kurz gegen Schlechtigkeiten, die von Christen alle Tage je geübt wurden und werden, suchte man sich bei den wenigen sächsischen Juden sicher zu stellen. Beffer gestalteten sich die Verhandlungen in der zweiten Kammer und sie steht hier ungleich höher, was die Rede betrifft, obschon hier die fast unsinnigen Petitionen der Handwerker eher Eingang hatten finden können. Eine große Anzahl Deputirter nahm sich der Juden hier lebhaft an, und wollte ihnen mehr zugestanden wissen, als der Gesetzentwurf besagte. ES gab natürlich aber auch hier Gegner und so entsprangen so heftige Debatten, daß r hie lau, der nebst vr. von Meyer — ihr Name und der einiger andern, wird wol einmal mit Achtung genannt werden, so oft man die RaisonnementS blindeifriger Judenfeinde liest! — hauptsächlich lebhaft sprach, aus der Kammer treten wollte, als das bessere Prinzip der Duldung und Gerechtigkeit für alle durch die Stimme deö Egoismus und Vorurtheilö unterlag. Indessen ist doch einigermaßen verbessert worden, was die I. Kammer geschaffen hat. Der sächsische Jude kann in. Zukunft z. B. Buchhändler werden, aber Advokat nicht. Arzt kann er auch sein; die weisen Sachsen wollen ihm lieber Leben und Gesundheit, als das Eintreiben einer Schuld anvertrauen! In solche lächerliche Inkonsequenzen verfällt man, wenn man von der graden Bahn deö Rechtes, der Gerechtigkeit abgeht. — (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petir-Schnft oder deren -Raum aufgenoimr,e»r. Die Verlagshattdlung. In kurzer Zeit erscheint: Leitfaden beim Unterricht in der Geschichte der Israeliten von den frühesten Zeiten bis auf unsere Tage, nebst einem kurzen Abriß der Geographie Palästinas für israel. Schulen von M. Elkan, israel. Lehrer. Preis 10 Sgr. F. Eßmann, in Minden. Anstellungs-Gesuch. Ein geprüfter israel. Elementarlehrer, der seit mehren Jahren einer großem Gemeinde mit geordnetem Synagogen- und Schulwesen als Cantor und Lehrer vorgestanden, und mit sehr empfehlenden Zeugnissen versehen ist, wünscht eine ähnliche anderweite Anstellung zu erhalten. Sehr lieb würde es ihm sein, wenn mit derselben das Amt eines Predigers verbunden' werden und dieselbe Permanenz gewahren könnte. .— Berücksichtigende belieben sich in fcankirten Briefen unter G. II. I. an die Verlagshandlung dieser Zeitschrift zu wenden. Hauslehrer-Gesuch. In einer Provinziatstadt Niederschtesiens wird ein Hauslehrer mosaischen Glaubens für zwei Knaben von resp. 5 und 9 Jahren gewünscht; es wird dabei besonders berücksichtigt, daß derselbe von sittlich moralischem Charakter und feiner Bildung ist; Mittheilungen der bisherigen Laufbahn, Atteste und Bedingungen nimmt die Redaction dieser Zeitung unter Adresse II?. in L. an. Redacteur: vr. L. Philippsvn. - Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld. (Hierzu das literar. und Homilet. Beiblatt No. 21.)

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