Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1870)
- Date
- 1870-12-27
- Page
- Seite 1032 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1032 tn unseren Wohnungen und den Becher weiht, auS dem wir unS laben. daS nennt Ihr Joch, Dunkelheit, Nacht, Verderben? Ich wiederhole eS. waS ich vor jenen Richtern gesprochen, eher laste ich mir bei lebendigein Leibe Glied nach Glied abreißen, ehe ich dem einzigen Gotte absaae und meiner Mutter vergesse und meinen Vater im Grabe verleugne'." So fl osten die Worte von meinen behenden Lippen,, und ich hatte die Arme wie zürn Schwure' in die Höhe gehoben, ich sah nicht. waS um mich her war, denn mein Auge war unbewußt durch daS große gothifche Fenster nach dem blauen Himmel gewandt — da legte sich eine schwere Hand auf meine Schulter, ich fuhr zusammen, der alte Pater war verschwunden, und neben mir stand die hagere Gestalt Pavlo'S und fein fahles Gesicht grinste mich an. „Schon wieder eine Gotteslästerung!" Lief er mit heiserer Stünme, „wer eine solche in diesen Mauern spricht, bleibt nicht ungestraft. Dein Jähzorn und Dein Hochmuth mästen gebrochen Sofort trat mein Kerkcrknecht wieder ein und faßte mit seinen knochigen Fingern um mein Handgelenk, daß eS mich schmerzte. Er riß mich auS dem Zimmer, eine Treppe hinunter, auf einen geräumigen Hof. Tiefer war von himmelhohen Gebäuden eingefchlosten. deren zahllose Fenster vergittert waren. Unten angelangt zog er an einer Glocke, auf deren weithinhallendek» Klänge an all' den Fenstern Gesichter erschienen, Gesichter der verschiedenste» Art, aber aste dem jugendlichen Alter noch wogehörig, weiße und schwarze Gesichter, rothe und gelbe- und braune und bronzene. Sic stierten, auf mich durch die vergitterten Fenster, und wie eS mir vorkam» mit Hohn und Schadenfreude. Daraus stieß mich der Knecht drei Stufen auf eine Erhöhung hinauf, riß mir die Kleider vom Oberkörper und band mich mit den Händen an eine» Pfahl fest. Paolo war unS gefolgt und stand neben der' Erhöhung und winkte jetzt dem Knechte. Und dieser nahm auS einer Nische eine lederne Geißel, und ließ sie mit aller Wucht, langsam Schlag nach. Schlag, auf meine Schultern und meinen Rücken fallen. Ach, ich hatte nie eine. Züchtigung erfahren; Wort und Blick wemer Mutter und eine unzufriedene Miene meines Lehrer» w«re» stet» für mich Strafe zgr Genüge gewesen. E» war« daher doppelte Schmerzen, . welche jene Geißelhiebe mir verursacht«. Sie schnitt« tief in mein Fleisch v»L s»i mein Herz zugleich. Ich schrie fürchterlich auf. Da erhob« die-Gesichter'an den vergittert« Fenstern ein schallendes Gelächter,. daS mein« Schrei noch übertBirte. . Ich. hörte eS und wurde still. Meine Zähne hist« tief in meine Lippe» ei», und ich gab kein« Laut «chr von mir. Nach dem., zehnt« Schlage stellte der Utrecht die Geißel weg, löste die Stricke von meinen Arme» und riß mir die Kleider mieden über die blutend« Glieder. Er hieß mich hinuntersteig«, und ich folgte ihm wieder in daS Innere deS GebaudeS. Ende dcr ersten Ädlhcilung. Curiosmn. Wie wir schon angeführt haben, bespricht David Strauß in seinem „Ullrich von Huttm" (Leipzig lS.r>$) ausführlich den wohlbekannten Handel zwischen R e u ch l i n und den Kölner Dunkelmännern, welche den Kaiser bewegen wollten, alle hebräischen Schriften außer der Bibel confisciren und verbrennen zu lasten. In dieser Abhandlung wählt Strauß die Ueberfchrift „Reuchlin'S Rathschlag wegen dcr Judenbücher" >S. Man muß gestehen, daß dies ein' sonderbarer Ausdruck für eine große, zwölf Jahrhunderte damals schon umspannende Literatur ist. Wenn auch Strauß durchaus kein Kenner dieses SchriftthumS ist und anderweitig sich der Juden nicht sehr hold erweist, so scheint eS unS, muß doch ein Gelehrter so viel Achtung für eine Literatur besitzen, um sich nicht eineS so unpassenden uüd wegwerfenden AuSdruckeS zu bedienen. Ohne übrigens die Borzüge auch djefeS Werkes von Strauß zu verkennen, müssen wir doch gestehen, daß eS bei aller gründlichen Ausführlichkeit oberflächlich gearbeitet ist, und nirgends eine tiefere Austastung der Persönlichkeiten und deren Erzeugnisse darbielet. ES ist eben Alles nur kritisch-materiell zufammeugefügt. Temen. _ lAcrücyung.) „Trübet die Quelle doch nicht, auS der ihr dürstend gttruuk«," Dgß sic Audcr« auch, Schmachtenden, Labung verleih'! Aber Eu'r neidisches Herz empört sich, zuweih« vom Lorbeer ' Auch nur ein Reislein Dem, dem er in Fülle gebührt. Trotzen kannst Du dem Feind, der off« sich stellt Dir zur Aber wie meid'st DudaS Netz, daS T^w-er Neidsche stellt? Klagst, daß deS LobeS uur Tropf«, des Tadels Fluth« Dich treffen? Stirb' — und es ändert sich schnell — Unrecht hat nur Schaust Dich lange schon um, wo zu find« gerechtes Gericht fei — Füv den Lebenden nie, für dm Todt« wohl eh'r.. H«te zwar nicht und nicht morgm — doch längstens nach einem Jahrhundert Pflanzt man. deS RuhmeS Gestei» Dir auf'sverfallene. Grab. «Fortsetzung folgt.) Berlag von lva»»gchrt»er'S VAUHaudlung in Leipzig. — Druck von 3. v. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dp. H. Lvtze.