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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-20 · Heft 51 (20.12.1870) · p. Seite 1002

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 51 (20.12.1870)
Date
1870-12-20
Page
Seite 1002 (sequence 10)
Language
German
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1002 WongrowiH iProv. Posen), 8. Decbr. (Privatm.) Als Ergänzung zu den Correspondenzen aus verschiedenen Städten, gereicht es mir zur größten Freude, Ihnen mittheilen zu können, daß auch zwei Angehörige unserer Gemeinde mit dem eisernen Kreuze decorirt worden sind. Es sind dies die Herren Dr. Oskar Rothmann, der sich schon in den vorangegangenen Feldzügen durch aufopfernde Thätigkeit so auszeichnete, daß ihm im ersten der rothe Adlerorden mit Schwertern, im zweiten der Kronorden verliehen wurde; und der Unterofficier Saul Daus, der sich auf einem Vorposten trotz der größten Gefahr standhaft hielt; letzterem wurde dieser so hohe Orden von Sr. Majestät dem Könige eigenhändig überreicht. — Nun wird wol endlich das Vorurtheil gegen unsere Nation, die sich in den ältesten Zeiten durch Tapferkeit und von jeher und noch immer durch treue Anhänglichkeit an ihr Vaterland auszeichnet, gänzlich schwinden. A. 8. Schweidnitz, 9. Dec, (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde, die circa 40 Mitglieder zählt, hat 9 Soldaten, theils zur Landwehr, theils zur Linie, gestellt, wovon Herr Bial, Sohn armer Aeltern, das eiserne Kreuz erhielt. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 5. Dec. (Privatm.) Wie mir -mitgetheilt wurde, ruht die Frage wegen der Errichtung einer jüdisch-theologischen Facultät nicht, obschon bei uns in Oesterreich noch gar manche zu lösen ist und wir eigentlich mitten in einer Ministerkrisis stehen. Auch hier wie in Ungarn regen sich Stimmen von orthodoxer Seite, welche die Errichtung dieser Anstalt hintcrtreiben möchten. Es drängt sich sogar wieder eine Persönlichkeit heran, die man für eine abgethane gehalten. Doch verfangen alle diese Dinge nicht. Jetzt handelt es sich zunächst um die Personenfrage, nämlich jene Persönlichkeiten zu berufen, welche das Programm :c. entwerfen sollen, da das Ministerium durchaus nicht aus eigener Initiative in dieser Sache Vorgehen will. Das Ministerium sucht jedoch solche Personen, welche nicht durch ihre prononcirte Richtung nach rechts oder nach links die Sache im Vornherein compromittiren könnten. Noch will ich bemerken, daß es in der Absicht des Ministeriums liegt, daß das Curatorium dieser Institution seinerzeit stets von Sr. Majestät dem Kaiser ernannt werde, um demselben auch nach Außen hin jedweden möglichen Lustte zu geben. Schließlich gestatten Sie mir noch zu berichten, daß der Artikel, den Sie in der Allg. Ztg. d. Judenthums, wenn ich nicht irre, im Monat August über diese Frage veröffentlichten, im Unterrichtsministerium einen sehr freundlichen Eindruck machten. Wien, 5. Dec. Die „N. fr. Pr." schreibt: In einer der nächsten Sitzungen der Cultusgemeinde wird abermals die Frage der Einführung von Orgeln in den beiden großen Tempeln Wiens erörtert werden. Dieser Neuerung opponiren die Ortbodoxen, besonders die ungarischen, während der intelligentere Theil der Gemeinde dafür ist.*) Ein hervorragendes Mitglied der Cultusgemeiude hat sich bereit erklärt, in dem Tempel der inneren Stadt eine Orgel auf eigene Kosten Herstellen zu lassen. In den größeren Städten Europas bestehen in den jüdischen Gotteshäusern Orgeln schon seit langer Zeit. Pest, 27. Nov. Wir müssen unsere Leser an den sonderbaren Beschluß des ungar. Abgeordnetenhauses vom 18. März d. I. erinnern, welcher auf Grund einer Petition der Orchodoxen die gesammte Congreßpartei als in einem Schisma begriffen bezeichnete. Hiergegen wurde nun heMe eine Petition bei dem Abgeordnetenhause durch den Abgeordneten der Pester Leopoldstadt, Herrn Moritz Wahrmann, seitens 201 israel. Gemeinden, 81 Wohlthätigkeitsanstaltcn, in 151 verschiedenen Ortschaften wohnender 5632 isr. Bürger und 21 Vorständen bereits constituirter israel. Gemeindedisttitte eingereicht, und lautet sie: Hohes Abgeordnetenhaus! Mit dem am 18. März l. I. auf die Petttionen mehrerer israelitischen Gemeinden gefaßten Beschluß hat ein hohes Abgeordnetenhaus den Herrn Cultus- und Unterrichtsminister dahin angewiesen, daß er in den Angelegenheiten der israel. Glaubensgenossenschaft nach den in dem diesbezüglichen Vorträge der Petitionscommission ausgesprochenen Principien Vorgehen möge. *) Dies ist nicht ganz richtig. Wir wissen, daß auch nicht-orthodoxe und sehr bekannte Männer dagegen sind; der Eine, weil „Goethe die Orgel ungünstig beurtheilte," der Andere, weil „die griechischkatholische Kirche die Orgel nicht kennt" u. s. w. Man muß der Wahrheit stets das Steuer geben. Redaction.

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