Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 92 (2.8.1838)
- Date
- 1838-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. No. 92. des IudcilthumS. Ein rmpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse, in Betreff von Politik, Religion, Literatur Geschichte, Sprachkunde und Belletristik. Redacteur: Verlag von Br. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung israelitischer Prediger in Magdeburg. zU Leipzig. (Mit Küirigl. Sächsischer altergnädigster Concesston.) Leipzig, dm 2. August 1838. Diese Zeimrrg erscheint möweurlich 3 Mal, Dienstag-, DoriliersiagS und Sonnabends, und wird jährlich % Bogen in Quarr incl. des Tikels, Negrsters n. s. w. umfasse». An Gemästheic dev Zivcckcs Derselben die allgemein sie Verbreitung zu gehen, in der Preisäußerst niedrig : mit 3 Tl)lr. für Dru Jahrgang — 1 LMr. 12 Gr. für sechs Monate — ]s Gr. für das Vrerteliahr angejetzt wordn». Alte Buch« haudlultgen, Postämter und Zeirungsexpedikionen nehmen Bestettungen an; der Hanptspedition für beide Letztere hat sich die Köuigl. Sachs, wohnöbl. Zeirungs - Expedition allvier mnerrogen. Zeitungsnachrichten. Seesen, 22. Juli (Privatmitth.). Am 8ten fand die Einführung des (wie früher jNo. 50.] gemeldet,) neuen Dircctors der Jacodson'schen Stiftung des Herrn Ur. Im. Wohl will starr. Die Kuratoren des Instituts, die Herren Meyer Jacobson und l)r. H. Jacobson, waren von Berlin emgetrofftn; mehrere herzogliche Beamten und die Honoratioren der Stadt waren anwesend. Nach einem schönen Choralgefang hielten I)r. Jacobson uno Dr. Wohlwill höchst angemessene Reden, vor; denen die erstcre die beabsichtigte Reform der Anstalt , unumwunden ausgesprochen, oie letztere mit eindringlicher Kraft und einfacher Becedtsamkeit den ernsten Vorsatz, diese segensreiche Anstalt zum Besten zu leiten, und ihr in Zukunft alle die Vortheile abzugewinnen, die möglich, und welche dem verewigten Stifter vorgeschwebt, zu erkennen gab. Seesen ist bekanntlich ein Name, den die Geschichte der deutschen Israeliten nicht übergehen kann, ein Name, an den sich die ganze Reihe der Versuche, den israelitischen Gottesdienst zu veredeln, lehnet, ein Name, der einen bedeutsamen Schritt in der Toleranz der Israeliten gegen andere Glaubenspartheien bezeichnet; indem hier eine Anstalt für Kinder mosaischen Glaubens gegründet wurde, in die zugleich die Bekenner anderer Religionen Zutritt hatten. Hag nun auch die Anstalt nicht alles das geleistet haben, was sie versprochen, mögen einige Fehler schon in ihrer Anlage begangen sein, so ist sie doch nach den eben angegebenen Tendenzen von historischer Bedeutung •). Seit einiger Zeit war aber *) Daß die Gemeinschaftlichkeit des Unterrichts, wenn nur für confessionellen .Religionsunterricht gesorgt ist, der verschiedenen Glaubensgestaltung keinen Eintrag bringt, beweist, daß wir selbst hier einen früheren kacholischen Zögling Seesens kennen, der Cantor der lalhotischen Kirche ist. Der Red. die Anstatt in Verfall grrathen, da frische, junge Kräfte fehlten. Es laßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß die Reorganisation des Instituts unter Wohtwill eine der Zeit höchst angemessene, und bei der wissenschaftlichen Bildung und gewiegten praktischen Fachkenntniß desselben, gediegene sein wird. 'Wir theilen daher aus den vor uns Liegenden, nächstens im Druck erscheinenden Statuten die bedeutsamsten Punkte mit. „Die Jacodsonsschule ist eine Erziehungsanstalt zunächst für unbemittelte Knaben mosaischer Religion, ohne jedoch andere Glaubensgenossen auszuschließen. kUn die Anstalt noch gemeinnütziger zu machen, werden auch Pensionaire unter möglichst billigen Bedingungen, uno Scadtschüler, die nur an dem Unterricht Theil nehmen, ausgenommen. — Die Schüler werden in ihrer Ausbildung so weit geführt, bog sie im Stande sind, zu ihrer besondern Berufsbildung üderzugchen. Die Berufsarten, für welche das Institut ins besondere ein? genügende Vorbereitung zu geben sucht, sind der Stand des Handwerkers, des Technikers, des Kaufmanns, Knaben, die sich zu den höheren Studien eignen, werden mindestens zum Uebergange in die dritte Klasse einer Gelehrtenschule reif gemacht. Solche Zöglinge endlich, die eine vorzügliche Anlage und Neigung Zum Lehrerberufe zeigen, sollen mit den nöthigen Kenntnissen und Fertigkeiten versehen werden, um den Erfordernissen brauchbarer Volks - und Landschullehrer zu genügen. — Die au Zunehmenden müssen das neunte Lebensjahr zurückgelegt haben, fertig deutsch — urt> die Kinder mosaischen Glaubens auch hebräisch — lesen und schreiben können, vaccinirt sein und über ihr sittliches Verhalten, so wie über ihren befriedigenden Gesundheitsumstano genügende Atteste beibrmgen. — Waisenkinder werden bei der Aufnahme vorzugsweise beachtet. — Die Entlassung der Zöglinge gesch-ieht in der Regel nach dem zurückgelegten fünfzehnten Lebensjahre. —