Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1870)
- Date
- 1870-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgmig. Allgemeine j JW 48. Zeitung -es Iu-enthumS. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heran S g eg eb en von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 29. 9iovember 1870. Diese Zeitml» erscheint wöchentlich einmal Dieustaz-, iv 2 bis 2'/, Bosen. Preis deS Iahrgarrgs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Bierteliährig t Thlr. Juser«: werben mit I >/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der HauPt-Expedi.iou für beide Letztere hat sich das Königt. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel? Die Gottesgemeinde. — Sammlung für die verunglückten Israeliten in Straßburg, Metz und den Landgemeinden in Elsaß und Lothringen. — Die Seelsorge der jüd. Soldaten im Felde. — Abhandlungen verschiedenen Inhalts- — Literar. Wochenbericht: Oppeln. Correspondenz: Aus Pest. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, BrcSlru, trankfurt a M., Aus der Prcv. Posen, Bonn, Dom Rhein, lbing, Oppeln, Hechingen. — Oesterr.-ungarische Monarchie: Wien, Pest. — Frankreich: Tours. — Serbien: Belgrad. — Rußland: Russisch Polen, Von der Weichsel. — Amerika: New-Zork. Nachtrag z« dem lit. Wochenbericht: Gr. BecSkerek. FenÜleton-Beilage: Der taube Soldat. (Fortsetzung^. — Beobachtungen aus der Zeit. Leitende Artikel. Bonn, 20. November. Die Gotteszememde. vsr mya ax: n^rrbe» Psalm 82, 1. Durch die ganze heilige Schrift geht die Bezeichnung 'n my /n brvp, bs ny ,trrjb«?i brrp für die israelitische Gemeinschaft, für das israelitische Volk. Schon im 4. Buche Mos. begegnen wir ihr, und zwar gerade im Munde derer, welche gegen Moses auftraten und sich verschworen (16, 3. 20, 4). Sie wird da gebraucht, wo das gefammte Volk als eine „Heerde" unter dem Stabe des „Hirten" augeschen wird (27, 17. vgl. 31, 16). Im 5. Buche wird dieser Ausdruck prägnant da gebraucht, wo bestimmt wird, welche außernationale Elemente in die israelitische Gemeinschaft ausgenommen werden können und welche ausgeschlossen bleiben sollen (23, 2 ff.). Das Buch Josua bedient sich des Ausdruckes da, wo den drittehalb Stammen, welche jenseits des Jordans ihre Niederlassung erhalten hatten, nachdrücklich vorgeworfen wurde, daß sie sich durch Erbauung eines Altars von der „Gemeinde des Ewigen" absondern wollten (22, 16. 17). Aber auch auf ganz realem Boden wurde das israelitische Volk so benannt, wie im Buche der Richter (20, 2), als der Bürgerkrieg ausgebrochen, und die übrigen Stämme sich gegen Benjamin versammelten. Unter den Propheten finden wir ihn nur bei Michah (2, 5), wo es sich um die Verkeilung deS Landes handelt. Außer der Stelle im Psalmenbuche, welche wir an die Spitze unseres Artikels gestellt, wird Israel noch Psalm 74, 2 so benannt, da Gott angefleht wird: „Deiner Gemeinde gedenke, die Du vor Alters erworben, erlöstest als Deines Erbes Stamm." Aber auch spät noch, von Nehemia (13, 1> wird Israel „Gottesgemeinde" genannt, und zwar, wo von denjenigen fremden Elementen die Rede ist, welche nach der oben citirten Stelle in die israelitische Volksgemeinschaft nicht ausgenommen werden sollten. Und endlich legt der Chronist diesen Ausdruck dem sterbenden David in den Mund, und zwar als bloßes Epitheton (1 Chron. 28, 8) da er sagt: „Und nun, vor den Augen des ganzen Israel, der Gemeinde des Ewigen" ff. Hierauf gestützt, können wir sagen, daß in der ganzen Geschichte der Menschheit kein anderes Beispiel vorkommt, daß die Geschichte eines Volkes mit dem Bewußtsein seiner Bestimmung von seinem Beginne an so identisch, so sich vollkommen deckend war, wies dies bei