Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1870)
- Date
- 1870-11-08
- Page
- Seite 882 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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beiden auf der östlichen und westlichen Seite befindlichen Aufschriften nämlich 2. B. M. C. 25 V. 8 und Jesaias C. 57 V. 19 zum Texte hatte und die Fragen beantwortete: „welche sind die Gründe, die uns veranlassen, ein Gotteshaus zu bauen, welche Gedanken sollen uns im Gotteshause erfüllen, und schließlich, welche Vorsätze sollen wir vom Tempel ins Alltagsleben mitnchmen?" Besonders aber machte der Geist des Friedens und der Liebe, welcher die Predigt durchwehte, den besten Eindruck auf die Zuhörer. So sagte der Redner: „Hier in diesem Tempel soll man Gott anflehen, nicht nur für Israeliten, sondern für die ganze Menschheit und vor allem für das gemeinsame Vaterland. Hier in einem israel. Gotteshause soll nie in harten, lieblosen Worten über andere Glaubensbekenntnisse gesprochen werden. Ein Haus dem Gebete geweiht, soll nie auch nur durch ein einziges Wort, welches gegen die Liebe streitet, entheiligt werden." Solche Grundsätze, solche Worte konnten nicht anders als sich die Herzen der Zuhörer gewinnen. — Die Predigt wird später im Drucke erscheinen. Sch. Rußland. Auö Rußland, im Oct. Die „Ostsee-Ztg." läßt sich schreiben: „Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, daß sich unter der zahlreichen Bevölkerung in den russisch-polnischen Provinzen fast noch stärkere Sympathien für Frankreich kundgeben, als unter der polnischen Bevölkerung. In mehreren größeren Städten Polens und rütthauens sind in den Synagogen besondere Gottesdienste zu dem Zwecke abgehalten worden, um den Segen des Himmels auf die französischen Waffen herabzuflehen. Als dieser französische Schwindel immermehr überhand nahm, wurden derartige Gottesdienste von den Behörden verboten und die Veranstalter derselben mit schweren Geldstrafen bedroht. Die jüd. Sympathien für Frankreich haben, ebenso wie die polnischen, hauptsächlich indem innigen Verlangen nach Befreiung von der russischen Herrschaft ihren Grund, welchen Juden wie Polen von dem siegreichen Frankreich hoffen." — Wir können nicht wissen, wie viel Wahres an den Behauptungen dieser Ostseecorrespondenz ist, obgleich ein derartiger Vorfall schon vor einigen Wochen durch die deutschen Blätter ging. So weit wir durch Correspvndenz innerhalb mehr als drei Jahrzehenden mit der Gesinnung der russischen Juden bekannt sind, können wir versichern, daß die Juden zu den treuesten Unterthanen des russischen Reiches gehören würden, wenn sie nicht immerfort den drückendsten Ausnahmegesetzen und den Mißhandlungen der Beamten, namentlich der unteren, unterworfen wären. Möglich ist es, daß in der unwissenden Masse der polnischen Juden noch immer das Bild Napoleons I., den man ihnen als Erlöser und Befreier von dem doppelten Joch der polnischen und russischen Beamten zu seiner Zeit vorgespiegelt hatte, in diesem Sinne lebt und die unsterblichen Hoffnungen des Polenvolkes auf französische Hülfe auch auf die der wirklichen Verhältnisse so unkundigen Juden dieses Landes übergegangen seien. Daß die polnischen Juden selbst für ihre deutschen Glaubensgenossen nur geringe Sympathie haben und z. B. nur geringe Dankbarkeit für die, ihnen aus Deutschland, nicht aus Frankreich, während der letzten Jahre zugeflossenen Wohlthaten empfinden, ist bekannt. Wie sie nun beim Uebertritt nach Deutschland unter der Wirkung des russisch-preußischen Cartels in den Grenzprovinzen behandelt wurden, mag ihnen keine Vorliebe für Deutschland eingeflößt haben, noch dazu, wenn sie von der völlig fteien Bewegung erzählen hörten, welche die, freilich an Zahl geringen Stammesbrüder erlangten, sobald sie die französische Grenze überschritten hatten. Wir werden wohl von einem unsrer russischen Corresp. etwas Näheres erfahren. Red. d. A. Z. d. I. Anzeigen. Die Stelle eines Religionslehrers, Cantors und Schächters bei der hiesigen Gemeinde ist zu Mai k. I. erledigt. Gehalt 280 Thlr. nebst freier Wohnung, Feuerung und einigen Emolumenten. Es ist wöchentlich 10—12 Stunden Unterricht nach Anweisung zu ertheilen. Auf gute Fähigkeit zum Cantorate wird besonders gesehen. Der Schächterdienst nimmt nur wenig in Anspruch. Bewerber muffen auf Verlangen zur Probe hierher kommen. Demjenigen, welcher die Stelle erhalt, werden die Reisekosten vergütet. Anmeldungen mit Zeugniffen an Landrabbiner ZKechsler in Oldenburg. Ci« tudftißev Comtoirifk mit guten Referenzen sucht zu Neujahr Stellung. Adr. unt. 1. L. an die Exped. dies. Bl.