Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1870)
- Date
- 1870-11-01
- Page
- Seite 865 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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865 gehört, wie schwer es den deutschen Juden geworden und wird, Schritt vor Schritt in der bürgerlichen Gleichstellung voranzukommen. — Es har hier allgemein gesrcut, zu vernehmen, daß gerade Ersmieux für den Frieden und die Constituante gestimmt hat, daß er mit Gambetta zerfallen und nach dem Süden abzureisen entschlossen sei. Schweden. Norrköping, im Oct. (Privatmitth.) Obwohl Synagogenbauten und Einweihungen so oft Vorkommen, und daher der Leser leicht darüber hinweggeht, so macht doch die neugebaure Synagoge in Stockholm, welche den 16. September feierlichst eingeweiht wurde, schon in architektonischer Art eine Ausnahme, da sie nicht wie viele der neueren Synagogen im gemischten, sondern in ihrem Aeußern und noch besonders im Innern im orientalischen Stile gehalten ist. Es war bisher schwierig, einen Baustil für Synagogen zu finden. Dem Baumeister der Synagoge zu Stockholm, Professor Scholander, scheint es gelungen zu sein, diese Aufgabe vortrefflich gelöst zu haben. Schade, sagen alle Zeitungen der Hauptstadt, daß das Gebäude, welches eine architektonische Zierde der Hauptstadt ist, seinen Platz an einer abgelegenen Straße hat und sich nicht frei von allen Seiten präsentiren kann. Man fragt sogar, ob es eine mosaische Tradition oder Sitte wäre, die Gotteshäuser auf mehr der Oeffentlichkeit entzogenen Stellen zu erbauen? Das Gebäude hat keine Kuppeln, wie man sie gewöhnlich bei den neuen Synagogen sieht, und liegt an der Wahrendorferstraße. Da es für Synagogenbauten vom Jnteresie sein kann, etwas über daß Gebäude selbst zu hören, so soll mein Bericht heute etwas näher darauf eingehen, und werde ich später die höchst feierliche Einweihung dieses Gotteshauses mitthcilcn. Der Stil ist, übereinsnmmend mit dem Zwecke des Gebäudes, eine Erinnerung an die alte morgenländische Bauart, dabei auch den gegenwärtigen Forderungen wohlangepaßt. Als Hauptmotiv dienten die mosaischen Embleme der sechskantigen Winkel t- “sts, die assirisch stilisirre Palme, die rilie, der Ahronsstab und das stilisirte Widderhorn. Auch der Zirkelbogen fand seine Anwendung, wo er die alten Monumente durchläuft. Da die Dimensionen des Gebäudes die für den orientalischen Stil passenden einwärtsgehenden Mauern nicht erlaubten, findet das Auge in diesem Falle doch eine perspectivische Illusion, welche mit dem geschichtlichen Eharaktcr übereinftimmt. Auf der östlichen Seite finden sich zwei Eingänge, einer für den Geistlichen und der andere für die Vorsteher. Auf dieser Seite ist in der Höhe ein großes Rosettfenfter mit farbigem Glas angebracht, welches als decorirendes Motiv in Gold aus dunkelbraunem Stein die hebräische Aufschrift trägt Jesaias 57. E. 19. B. Dieses Fenster verbreitet einen herrlichen Lichtstrahl über die heilige Bundeslade. Auf der westlichen Seite ist der Haupteingang zum Borplatz und zwei Seitengänge führen zu den Treppen, lieber dem Haupteingang liest man die Worte 2 B. Nt. E. 25 L. 8 und „eingewcihr im Jahre 5630." Durch den Haupteingang tritt man in den Borplatz und von diesem über eine breite Sreinrreppe durch drei Paar Thüren in die Synagoge, wo man den vortrefflich decorirten Tabernakel vor sich sieht. Das Innere der Synagoge ist dreischiffig, wohlverzierte Pfeiler theilen das Kirchenschiff und sind die Stütze der Galleric. Die Bänke sind offen ohne Thüren, was für die während, des Gottesdienstes Kommenden nicht nur sehr bequem ist, sondern auch alle Störung verhindert. Der Almemmor ist in der Mitte der Synagoge 5 Treppen vom Boden erhöht und unweit desselben erhebt sich die Kanzel, lieber dem Oraunhakaudesch, der wieder 5 Treppen höher liegt, und meisterhaft decorirr ist, sind in sinnreicher Art die Jnscriptionen angebracht 5 B. M. E. 5 B. 44, sowie Ü. 33 B. 4 und Spr. Salem. E. 4 B. 4. Der goldbrodirte Vorhang ist mit einer Krone geziert, auf beiden Schlußpfeilern sind die Gesetztafeln angebracht und in der Mitte tritt das -rEr. -i: hervor, welches beim Einweihunzsfeste besondere Berücksichtigung erhielt. Im westlichen Theile sind zwei Galerien, über welchen die herrliche Orgel angebracht ist, ein Meisterwerk des Director Akerman mit zwei Manualen, wodurch das Crescendo und Decrescendo leicht angewendet werden können. Die Orgel wird beim ganzen Gottesdienste benutzt und von einem Israeliten gespielt. Der Farbenron und alle Malereien entsprechen dem Cedernholz, Elfenbein, Ebenholz in Broucevergowung in roth und blau. Das Dach in leichten Farben erinnert an die Tempelzelre. Die Synagoge hat zwei Reihen Fenster auf den Seitenwänden, wird mit Gas erleuchtet, welches schon bei der Einweihung einen un- 44