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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-11-01 · Heft 44 (1.11.1870) · p. Seite 858

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 44 (1.11.1870)
Date
1870-11-01
Page
Seite 858 (sequence 2)
Language
German
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858 zur Ausübung feldgeistlicher Functionen für die Soldaten isr. Glaubens präsentirte. Der Herr General äußerte: Das Gesuch Großh. Stadtrabbinats vom 18. v. M. sei zu seinem Bedauern erst spat angekommen, weshalb die Berufung eines isr. Feldgeistlichen und die Abhaltung eines organisirten Feldgvttesdienstes an den beiden Neujahrstagen nicht mehr zu ermöglichen gewesen, er habe indeß die Berückstchtigung der Soldaten israel. Glaubens bei Heranziehung zum Dienste an diesen Festtagen, soweit nach den Verhältnissen thunlich, bei seinem Armeecorps und der seinen Befehlen untergebenen Division Kummer angeordnet. Den Gottesdienst am Versöhnungstage betreffend, bemerkte Se. Excell., daß ich mich nach Olgy zum General von Kummer zu begeben habe, da in der Division Kummer eine beträchtliche Zahl Soldaten isr. Glaubens sich befinden, aus deren Mitte auch das Gesuch an Großh. Stavtrabbinat um Verwendung behufs Erlaubniß zur Feier der hohen Festtage ergangen ist. Die Division Kummer besteht nämlich aus mehreren combinirten Landwehrregimentern, die den Provinzen Posen, Ost- und Westpreußen angehören. Im Laufe der Unterredung, in welchem Herr v. Manteuffel wiederholt seine Freude über meine Sendung ausdrückte und mir alle Vergünstigungen bereitwilligst zu gewähren versprach, bemerkte er jedoch, daß sein Corps fast täglich engagirt sei, er also eine bestimmte Zusage in Betreff der Theilnahme an dem Gottesdienste seitens der Israeliten dieses Corps vorerst nicht machen könne. Schließlich wies mich Se. Excell. an seinen Adjutanten Major v. Frankenburg, und dieser gab mir ein Schreiben, mit welchem ich den Weg nach Olgy ungehindert passiren würde. Herr Oberst von der Golz, von welchem ich einen Wagen erhielt, gab mir noch, da die Wege wegen der Francs-tireurs unsicher sind, eine reitende Ordonnanz mit. In der That hatte der Weg nach Olgy ein recht kriegerisches Aussehen; beträchtliche Truppenmaffen lagerten auf freiem Felde, ihr Mittagbrod am Bivouakfeuer abkochend. Ich wurde sehr oft von den wachhaltenden Soldaten nach meiner Legitimation gefragt, aber das Schreiben des Herrn v. Frankenburg und meine Ordonnanz bahnten mir überall den Weg. — Gegen 4 Uhr in Olgy angekommen, hatte ich sofort eine Unterredung mit dem General v. Kummer. Dieser sagte mir, daß laut Corpsbefehl des commandirenden Generals v. Manteuffel die isr. Soldaten seiner Division am Abend des 4. und am 5. October vom Dienste im Heere befreit seien. Er werde mir gern nach geschehener Ermittlung die Zahl der jüdischen Soldaten und den Ort für den abzuhaltenden Gottesdienst telegraphisch angeben. Mein Verlangen, den Gottesdienst in dem drei Stunden entfernten Dorfe Bonlais, woselbst eine Synagoge ist, abzuhalten, erklärte der General für unthunlich. Wir muffen, sprach er, immer darauf gefaßt sein, innerhalb 10 Minuten allarmirt zu werden, und alsdann hat die gesammte Mannschaft gefechtsbereit auszurücken. Er versprach, mir feine telegraphische Mittheilung für spätestens Sonntag den 2. October Vormittags, woraus ich ihm sofort antworten müsse, ob ich mich an den von ihm bezeichneten Ort hinbegeben wolle. Um 5 Uhr war ich wieder in St. Barbe, woselbst mir eine Stube zur Wohnung angewiesen wurde, die mich innerhalb der Verhältnisse noch sehr befriedigte. Mit Spannung erwartete ich Sonntag Vormittag das Telegramm des Herrn v. Kummer, aber vergebens. Auf dem Bureau des Feldtelegraphen erfuhr ich Nachmittags 4 Uhr, daß inzwischen General v. Kummer in der Nacht des 31. Sept. mit seiner ganzen Division von Olgy aufgebrochen und auf das linke Ufer der Mosel marschirt sei; es wurden überhaupt in den Tagen des 31. Sept. und 1. October größere Dislocationen im Lager vorgenommen. Sonntag den 2. October hörte man, daß die Division Kummer in einem starken Borpostengefecht sich befinde; die Kunde erhielt durch den in St. Barbe vernommenen Kanonendonner volle Bestätigung. Ich unterließ dennoch nicht telegraphisch bei Herrn General v. Kummer anznfragen, wie ich es mit dem Feldgottesdienste zu halten habe und erhielt von einem Officier seiner Division folgende telegraphische Antwort: „Da das Corps in den nächsten Tagen voraussichtlich stark engagirt ist, so vermag Excellenz keinen Tag zu bestimmen." Einen Augenblick hatte es den Anschein als ob mein Borhaben völlig mißlungen sei, ich begab mich jedoch zum Adjutanten des Herrn v. Manteuffel, Major v. Frankenburg, und bat ihn, da voraussichtlich ein Gottesdienst mit der Division Kummer nicht zu Stande käme, einen solchen mit den isr. Soldaten eines andern Corps zu ermöglichen. Herr v. Frankenburg unterbreitete mein Gesuch dem Herrn v. Dianteuffel, welcher hierauf die Abhaltung eines Gottesdienstes am Dienstag Abend und Diittwoch in St. Barbe für das I. Armeecorps genehmigt und angeordnet hat. Montag den 3. October traf mich Herr v. Manteuffel und machte mir von feiner Anordnung persönlich freundliche Mittheilung mit dem Ausdrucke des Bedauerns, daß er

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