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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-11 · Heft 41 (11.10.1870) · p. Seite 813

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 41 (11.10.1870)
Date
1870-10-11
Page
Seite 813 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Feuilleton-Leilage zu Nr. 41. Leipzig, den 11. October 1870. Gebete während des Krieges. xu\ Dein Wort spricht zu uns: „In Hütten sollt ihr wohnen sieben Tage, damit eure Geschlechter wisien, daß ich in Hütten habe wohnen lauen die Söhne Israel's, als ich sie herausführte aus dem Lande Mizraim." So sollte Jahr für Jahr den Abkömmlingen unsres Stammes bewußt werden, daß Besitz und Bestand nur Gaben des Herrn, Darlehn Deiner Huld sind, vergänglich, wandelbar nach Deinem Willen — bewußt daß nur in gebrechlicken Hütten wir wohnen auf dieser Erde, leicht erschüttert vom Sturme, hinweggeschwemmt vom Regengusie. Unsre Brüder und Söhne wohnen draußen ui Hütten, rings um die Vesten des Feindes, oder im Bivouak auf dem weiten Brachfelde, oder unter den Baumen des Waldes. Wer fühlt da nicht die Abhängigkeit von einer höhern Macht? Wo all Augenblick der Tod nicht „wie der Dieb durch das Fenster/' sondern wie ein Gebieter durch die Pforte hereintritt, wo Krankheit und Seuche anrühren, wen sie wollen, wo die Kugel rollt und niederschlägt, wen sie trifft — da gilt nicht Manneskraft und Much, nicht Rang und Reichthum, nicht Stand und Ehre — da gilt allein Dein heiliger Wille, Gott in der Höhe, und erhalt, wen er will, und läßt fallen, wen er will. Wer hervortritt aus seiner Hütte, weiß er, ob er dahin zurückkehrt? Wer sich birgt in ihr, weiß er, ob er sie wieder verlaßen werde? ... Und bedarf es in diesen Tagen der Hütten, um der Wandelbarkeit des menschlichen Geschickes inne zu werden? Auf die Paläste sehen wir, siehe, ihre Bewohner sind verschwunden und schweifen in der Irre umher als Flüchtlinge, oder sind von den Mauern des Gefängnisses umschlossen; auf die Hauser der Reichen, wie viele stehen ihrer leer, und ihre Besitzer essen das Brod der Sorge; auf die Throne, mancher ist zusammengebrochen vor unsren Augen, und die sich sicher auf ihnen wähnten, wie auf Felsen in der Brandung des Meeres, wurden in den Staub gestürzt und tiefer gebeugt als Knecht und Leibeigener! All das gewahrten wir vor unfern Augen, und wir sollten nicht wissen, daß wir allesammt auf schwankender Scholle stehen, und das Berhängniß rollt unter unfern Füßen und rollt über unfern Häuptern, in seine Macht sind wir gegeben? . . . Und doch sollten wir feiern in jenen Hütten ein Fest der Freude sieben Tage — das ist groß, das ist erhaben! Und ist nicht dieses Berhängniß Dein Verhängniß? Ist es nicht Deine Weisheit, Deine Liebe, Deine Gerechtigkeit, Deine Gnade, von der wir abhängen, die uns all den Wandel ertheilt, die giebr und nimmt, die erhöht und erniedrigt? Und freuet sich nicht deß, der Dir vertraut, der erfüllt ist von der Ueberzeugung, was Du bestimmst, gereicht uns allwege zum Heile? Freut sich der Sohn nicht, unter dem Schutze des Vaters sich zu wissen? nicht der Schwache unter dem Schilde des Starken? nicht der Irrende unter Leitung des weisen Führers? Nur der Hochmüthige zittert, denn er wird fallen, nur der Selbstverblendete, denn er wird in die Grube stürzen, nur der Arglistige, denn er fängt sich im Netze, nur der Trügerische, seine List kommt zu Tage, der Frevler nur und Gewaltthatige, all seine Unthat gelingt ihm nicht, und die Stunde kommt wo er vom Throne, aus dem Palaste, aus dem üppigen Haufe geworfen, wo selbst die Hütte, in die er geflohen, niedergeschmettert wird, — ja, sie mögen beben vor dem Gedanken Deines Verhängnisses, Deines Gerichtes — wir aber freuen uns dessen und sind frohen Gemüthes in unfern Hütten . und auch Ihr, Brüder und Söhne, freuet Euch dessen und feiert des Herrn Gnadenschutz! Nicht finstre Mächte walten über uns, nicht Geister der Nacht, keine eherne Nothwendigkeit, keine tückische Zufälligkeit, all diese dunkelen Vorstellungen weichen vor dem Lichte der Religion Israels, vor Deiner Lehre, Deinem Worte, Gott der Wahrheit, wahrhaftiger Gott!.... Und in den Hütten sollen wir die Palme nehmen zur Hand und die Myrthe und die Bachweibe und den duftenden Esrog — wie vermögen wir dies? Sind dies nicht die Symbole des Friedens, die Zeichen friedlicher Ernte, friedlicher Arbeit, des Schmuckes der Gärten, der Zierde der Fluren und süßen Ertrages der Baumwelt? Wenn die Loose der Völker donnernd ge-

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