Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 41 (11.10.1870)
- Date
- 1870-10-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrqana. Allgemeine JW 41. Zeitung des Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 11. October 187N. - -» einmal Dienstags, in 2 bis 2'/2 Bogen. Preis des Jahrgangs l Thlr. -halbjährig 2 Thlr. Biertcljährig I Tblr. n mit I'/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expcdi:ion für beide Letztere hat fich das König!. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureou unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel; Frankreichs drohender Verfall. — Die erste Hälfte des Buches Daniel. IV. — Born Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Ans Westphalen, Mannheim. — Oest erreicht sch-- ungarische Monarchie: Wien, Alt-Ofen, Ofen. — Frankrei ch: Paris, Versailles. — Italien: Rom. — Serbien: Fenilleton-Beilage: Gebete während des Krieges. XIV. Zur Geschichte der Judenverfolgungen und der Blut-Jubilaen. (Fortsetzung^ Leitende Artikel. Bonn, 30. September. Frankreich's drohender Verfall. Wenn wir die Blätter der Geschichte überlesen, treffen wir auf Belagerungen und Untergang gewaltiger Städte, Mittelpuncte von Weltreichen, Städten unerhörten Glanzes und der Cultur, der Wiffenfchaft und Kunst. In einem fast plötzlichen Uebergang wurden sie von ihrer Höhe gestürzt, verschwanden sofort oder gerieten in unaufhaltsamen Verfall: Nineve, Babylon, Persepolis, Susa, Memphis, Karthago, Jerusalem, Rom. Dann aber treffen wir auch auf Völker, welche Jahrhunderte lang die Obherrschast geführt über ganze Erdtheile, oder doch unter den gleichstrebenden Nationen den ersten Platz eingenommen, Weltdynastien oder doch mächtige Staaten abwärts gehend, an äußerer und innerer Kraft verlierend, auf schnellerem oder langsamerem Wege untergehen. Solche Erscheinungen sind uns nicht so fern, wie man vielleicht glaubt. Auf welcher maßlosen Höhe stand Spanien, bis es seit Philipp III. so schnell mit ihm abwärts ging. Wie vermochten sich Portugal und Holland nicht als unbeschränkte Herrscher zur See zu erhalten. Und was ist übrig geblieben von jenem stolzen und tapfern Polenvolke, als traurige andern Nationen unterworfene Reste? Wie steht es nun um Frankreich? Wenn wir die Proclamation der provisorischen Regierung, die Auslastungen der stanzösischen Journale lesen, so muß man glauben, die Franzosen hielten sich in einem Vernichtungskampfe begriffen; sie selbst seien überzeugt, daß, wenn sie nicht noch den Sieg zurückzurufen vermöchten, sie untergehen würden und wollten. Doch die Erlaffe einer aus dem Wirbel politischer Leidenschaften erstandenen augenblicklichen Regierung, die Weherufe einer durch und durch verdorbenen Journalistik, die Verzweiflung eines in allen seinen Erwartungen getäuschten und von furchtbaren Schlägen niedergeschmetterten Volkes geben keinen vollgültigen Maßstab zur Beurtheilung der Lage. Wir haben aber ein weiteres Zeugniß. Der als Schriftsteller berühmte Ernst Renan hatte am Beginne des Krieges ein Schreiben an David Strauß verfaßt, das in die Oeffentlichkeit kam. In gleicher Weise antwortete Strauß, und nun ist eine abermalige Erwiderung Renans erschienen. Welche Muth- und Hoffnungslosigkeit spricht sich in diesem letzten Schreiben des Mannes aus, der zwar weder als Kritiker