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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-10-04 · Heft 40 (4.10.1870) · p. Seite 793

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 40 (4.10.1870)
Date
1870-10-04
Page
Seite 793 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudcnthums. Fmilleton-Seilage zu Ar. 4Ü. Leipzig, den 4. October 1870. Gebete während des Krieges. XIII. Der Tag der Versöhnung naht. Ein Wehen geht von ihm aus, das uns langsam in die Seele dringt, sie erweitert, sie bald banger schlagen läßt, bald erhebt. Wir bereiten uns zu ihm vor, wie zu einem großen, heiligen Werke. Die alte Lehre unsrer Religion sagt uns: wer Deine Vergebung, barmherziger Vater, die Versöhnung von Dir erhalten will, der muß vor Allem sich mit seinen Menschenbrüdern versöhnt haben, ihnen erstatten, was er sie geschädigt. Und darum sollen wir die Tage vor dem Verföhnungsfeste verwenden zu diesem Vorhaben, um rein von Schuld gegen unsre Nächsten vor Dir zu erscheinen. O Gott, wie erinnert uns dieser Gedanke an die furchtbaren Menschenkämpfe aus Leben und Tod, die da noch immer zwischen den Söhnen und Männern zweier großen, nächsten Nationen in blutigster, gehäsiigster, wuthentbranntester Weise statt finden'. Dort strecken noch immer weithin sich die Kampfes- und Schlachtfelder, dort wüthet noch Tag für Tag die tobende Männerschlacht, die Geschosse streuen Tod und Verderben, Flammen steigen auf in der Nacht wie am Tage.... Weht noch kein Hauch des Friedens daher? Ist der Gedanke der Vermittelung, der Ausgleichung noch immer so fern wie Ocean von Ocean? Ist der Rüsttag der Versöhnung noch nicht angebrochen? .... Wir lechzen danach wie der Wüstenwandrer nach frischem Trünke — aber der Quell gegenseitigen Verständnisses ist noch nicht zu finden. Die Vernunft wird noch von der Leidenschaft zu sehr beherrscht und gefangen gehalten, der anfgestachelte Ehrgeiz will sich noch nicht ergeben; die wilden Phantome von Sieg und Widerstand, von Ehre und Schande, von Rache und Befriedigung flattern noch allzusehr umher, und verblenden den Blick und verwirren die Einsicht. Fürchtet ihr nicht, daß ihr noch finsterere Geister aus der Tiefe erwecken werdet, als die jetzt schon heraufgestiegen? daß noch schlimmere Elemente entfesselt werden, als jetzt schon unbändig sich geberden? .. Wäret Ihr doch allesammt Söhne Jsrael's, und der heilige Versöhnungstag käme, und der ernste Mahnruf ertönte: „Kehret um von euren bösen Wegen, auf daß der Ewige euch vergeben könne —" und der geheiligte Brauch enrer Väter forderte euch zu Buße und Fasten, zu Demuth und Kasteien, Kasteien der Seele und des Leibes — vielleicht würde es anders sein! Doch indem ich in Gebet versunken vor Dir stehe. Lenker der Geschicke, dringt die Kunde zu mir: sie begegnen sich, die Führer der streitenden Völker, von beider Lippen fließt das Wort Friede — wird es gelingen? Wie lauscht das Ohr gespannt, wie harret die Seele bang des Weiteren — was spricht der Eine, fordert der Sieger, setzt als Bedingung ein? . . . Wird es der Andere bewilligen können? wird er sich unwillig abwenden ob solcher Forderungen? wird er sie nicht zugestehen dürfen im Namen, im Angesicht seiner Nation? Wird man Waffenstillstand schließen, daß die Waffen ruhen vom mörderischen Kampfe, bis man sich geeinigt? .... Wer weiß es, wer sagt es uns? Wir müsien stille halten, bis es offenbar wird, in so und so vielen Tagen.... Doch unterdeß wende ich mich zu Dir, der den Frieden will, der ihn geboten — o fördre das Werk des Friedens unter denen, die ihn zu beschließen haben'. Lenke ihre Herzen, laß sie erschauen, was sie dazu vermögen, sich die Hände zu reichen! . . . Der Eine sagt: Wie könnt' ich Frieden schließen, ohne dies und dies erreicht zu haben zu einer zukünftigen Sicherheit! Dies sprachen die Menschen von Jahrhundert zu Jahrhundert, und erlangten niemals die Sicherheit, und immer begann der Krieg von Neuem — denn nur dann wird Sicherheit sein in der Menschenwelt, wenn der Krieg unmöglich geworden, nicht aus sicht- und greifbaren Pfändern, sondern aus der Herrschaft des Rechts und der Vereinigung Aller für das Recht. Der Andre spricht: wie könnt' ich dieses zugestehen, verlöre nicht meine Nation ihre Ehre und ihr Gut? Thoren, eure Ehre verlöret ihr, als Ihr das Schwert erhöbet gegen solche, die euch nicht bedrohten und nichts gethan, eure Ehre war dahin, als ihr dem Rufe eines trügerischen Tyrannen folgtet und zujauchztet, euch auf eure friedlichen Nachbarn zu stürzen. Was ist Ehre? was ist das Gut einer Nation? Das

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