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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-20 · Heft 38 (20.9.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 38 (20.9.1870)
Date
1870-09-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34, Jahrgang. Allgemeine JW 38 Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegebeu von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 20. September 1870. Drese Wertung er,che,nt wöchentlich ernmal. DrenstagS, ai b,S 2'/, Bogen. Preis des Jahrgang« , Thlr. .Halbjährig 2 Thlr. Bierteljährig I Thlr. In,erat: werden mit I '/2 Ngr. für die Petitzerle oder deren riiamn berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und rreikungs-Ervedilioncn nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expcduwn sür beide Letztere hat sich das Königt. Sächs. Haupt-Zeitungs-Biircan unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine neue Befreiung. — Die erste Hälfte des Buches Daniel. I. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Ans der Provinz Posen, Frankfurt a. üDt. — O est erreichis ch - ungarische Monarchie: Lemberg, Wien, Pest, Aus Ungarn, Graz. — Frankreich: London. — Schweden: Stockholm. Feuilleton-Beilage: Gebete während des Krieges. XI. — Ein Conflicr. Leitende Artikel. Bonn, 9. September. Eine neve Sefreiung. Wenn unsre Leser dieses Blatt in Händen halten, wird sich bereits ein Ereigniß vollendet haben, das von einer großen Tragweite sein wird, nämlich die Besetzung Roms durch die italienischen Truppen, die Vereinigung der Reste des Kirchenstaates mit dem Königreiche Italien, das Ende der weltlichen Herrschast des Papstes. Ein Zusammenfluß von Gedanken und Gefühlen erfüllt bei diesem Vorgang unsere Seele; machen wir sie uns klar und sprechen sie aus. Von der einen Seite: was ist dauerhaft auf dieser Erde? Was entgeht der Veränderung, dem Wechsel, dem Verfall, dem Untergang? Nichts was eine sichtbare Gestalt und eine materielle Unterlage hat. Nur der Geist, die Idee ist ewig, und zwar so weit diese die Wahrheit in sich schließt. Anderthalb Jahrtausende sind es, daß der römische Bischof seinen Stuhl über die übrigen Bischöfe der katholischen Kirche erhöhte, ein weltliches Besitzthum erlangte und durch falsche Urkunden und andere Erwerbsmittel einen kleinen Staat zusammenschlug und ihn mehr und mehr zu erweitern strebte, so daß eine Zeit lang ihm sogar das ganze neapolitanische Reich zu Lehen ging. Wenn nun auch die von dem Papste beanspruchte Obmacht und oberherrliche Gewalt über alle Reiche und Herrscher der Christenheit das Papstthum vorzugsweise in die politischen Händel der Welt hineinriß- und deren Wirbel preisgab, so geschah dies doch auch zu keinem geringen Theile durch seine weltliche Herrschaft über den sg. Kirchenstaat, und da die apenninische Halbinsel ununterbrochen der Schauplatz politischer Wirren und der europäischen Kriege war, unterlag das Papstthmn fort und fort dem wechselnden Geschicke, das die Stellung des Kirchenstaates als eines politischen Körpers heranfbeschwur. Welchen Stürmen hierdurch die Kirche an sich, welcher Beschädigung die Religion ausgesetzt war, wie viel und wie oft beide durch diese Kämpfe und durch die unsittlichen Mittel herabgewurdigt wurden, die in dergleichen Streitigkeiten verwendet werden, brauchen wir hier nicht zu erörtern. Daher kam es, daß Rom und der Kirchenstaat oft und lange Zeit Gegenstand und Schauplatz blutiger Kriege waren, daß die Stadt Rom wiederholt mit stürmischer Hand genommen, die Papste daraus verjagt und fern gehalten wurden, daß die Päpste beinah ein ganzes

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