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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-13 · Heft 37 (13.9.1870) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 37 (13.9.1870)
Date
1870-09-13
Page
Seite 730 (sequence 14)
Language
German
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730 nur daß sich hieran nicht blos die Ultramontanen, sondern auch viele andere Journalisten betheiligen. In Metz hatte man dem Pöbel und den Soldaten einen gewissen Mayer, einen Steinguthändler, als einen preußischen Spion" verdächtigt. Obschon gar keine Beweise Vorlagen, keine Untersuchung stattgefunden, die Behörden sich nicht einmal veranlaßt gefühlt, ihn gefänglich einzuziehen, drangen der Pöbel und die Soldaten in sein Haus und zerschlugen alle seine Waaren zu Scherben. Man hätte denken sollen, wenn der Mann wirklich jenes Verbrechens sich schuldig gemacht, mußte die Obrigkeit nunmehr gegen ihn einschreiten, aber man ließ den Mann ruhig in seinem Hause, und der Unglückliche vor Verzweiflung über den Verlust seiner Habe und vor Schreck außer sich, ging hin und erhenkte sich hinter dem Schornstein. Man sollte doch denken, daß dieser Vorgang das Mitgefühl aller Menschenfreunde hätte wecken sollen, aber alle obigen für den Mayer sprechenden Umstände außer Augen setzend, schreibt der kndlio: „Die preußische Spionage hat an einem deutschen Juden in Metz selbst das Urtheil an sich vollzogen. Man fand in einem Schornstein erhentt den Juden Mayer, Topfwaarenhändler und der Spionage verdächttg, in dessen Hause die Soldaten vor einigen Tagen Alles zerbrochen hatten." Es ist dies ein Beispiel solcher Hetzereien für viele. — Nach den Arcli. isr. hat die Frau Baronin James v. Rothschild in ihrem Grundstück zu Boulogne-sur-Seine eine Ambulanz von 20 Betten und auf ihrem Grundstück von Ferneres von 30 Betten für Verwundete eingerichtet. — Das Rothschild'sche jüdische Hospital hat 100 Betten für Verwundete angeboten. — Ein französischer Jude in San Francisco, I. Emeric, hat 500 Dollars als patriotische Spende nach Paris gesandt. — Aus Metz rühmt der National eine Mad. Eahen, die Frau eines Arztes, als einen „Engel der Menschenliebe", die Tag und Nacht sich der Pflege der Verwundeten mit unnachahmlicher Sanftmuth, Güte und Ausdauer widmet. — Ein Herr Eahen (Angers) hat in Paris sein Hotel zur Dispositton für die Verwundeten gestellt und ebenso sein Schloß zu Nainville (8eine-et-0i86), wo 30 Kranke placirt werden können. Paris, 5. Sept. Soeben berichten telegraphische Depeschen, daß an die Stelle der kaiserlichen eine „provisorische Regierung" getreten ist. Zu den Mitgliedern derselben gehört Crvmieux, der zugleich das Ministerium der Justiz (und der Culte, die in Frankreich zum Justizministerium gehören) übernommen hat. Crvmieux füllt also nach 22 Jahren dieselbe Stelle aus, wie in der provisorischen Regierung 1848. Zu seinen Collegen gehört noch einer von damals, nämlich Garnier Pages. — So ist das göttliche Strafgericht schnell über den Mann des 2. Decembers und den Urheber eines so blutigen Krieges hereingebrochen. Er selbst ist Gefangener in Deutschland, die Glieder seiner Familie sind als Flüchtlinge zerstreut, seine Creaturen todt, gefangen oder vertrieben, sein Thron zertrümmert — aber was hat er aus Frankreich gemacht und in Frankreich zurückgelassen! Nicht die materiellen Schäden sind die Hauptsache, die sittlichen und intellektuellen, diese Vergiftung des öffentlichen und des privaten Geistes, sie sind es, an denen Frankreich schwer darniederliegt — wird es sich daraus erheben? AuzeL gen. Die hiesige Lehrer- und Cantorstelle, verbunden mit einem Gehalt von 230 Thlrn. nebst freier Wohnung und Heizung, wird am 1. October vacant. Qualificirte Reflectanten wollen sich beim Unterzeichneten melden. Haltern, d. 29. Aug. 1870. Der Borsteher: Koppel Wevl. Wahl eines Chasan in der Gemeinde B'nai Jeshurun, West 34. Str, New-Aork, Nord-Amerika. Die Wahl eines solchen findet nächsten 23. Oct. statt. Candidaten für dieses Amt muffen die Fähigkeit besitzen, die Gebete, so wie die Thoravorlesungen, mit vorzüglicher Correctheit vorzutragen, was eine genügende Kenntniß der hebräischen Sprache bedingt (die Thoravorlesungen sind nur auf Verlangen des Vorstandes zu leisten). Auch müssen dieselben eine tüchttge musikalische Bildung besitzen, um die Noten richtig vom Blatte lesen zu können und um vereint mit dem Chore zu singen. Der Gehalt der Stelle ist 2000 bis 3000 Doll., außer Nebeneinkünsten. Diejenigen, welche auf diese Stelle Rücksicht nehmen, wollen sich in Person vorfiellen. Reisespesen werden hierbei, Seiten der Gemeinde, nicht Vergütet. Zuvor haben die Candidaten ihre Gesuche und Zeugniffe dem Parnaß der Gemeinde, Herrn Henry Davison, 18 Walker Str., bis zum 23. Sept. einzusenden.

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