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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-09-06 · Heft 36 (6.9.1870) · p. Seite 716

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 36 (6.9.1870)
Date
1870-09-06
Page
Seite 716 (sequence 16)
Language
German
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716 Ministerium! und der einen Ruf der Redlichkeit hinterlasien hat, dem Jeder seine Huldigung darbringt. Und die Justiz hatte damals auch einen Juden zum Minister; und Sie werden mir gestatten. Ihnen zu sagen, daß auch er keinen schlechten Namen hinterlafsen hat, und Paris, das ihn in die Kammer zurückberief, hat soeben bewiesen, daß dem Minister von 48 feine Achtung und seine Sympathien bewahrt werden." (Schluß folgt.) Die Iudensprache in Surinam. Es dürfte kaum in weiteren Kreisen bekannt sein, baß es in Surinam in Südamerika eine sogenannte Juvensprache giebt, über welche uns der Herrnhuter Missionar Wullschlägel in der Einleitung zu seinem Negerenglischen Wörterbuche (Löbau 1857) folgende Mittheilung macht: „Die ersten Ansiedler Surinams waren theils Engländer, theils portugiesisch redende, aus Brasilien und Cayenne eingewanderte Juden. Beide redeten zu ihren zahlreichen Negersclaven in der eigenen Sprache, die aber von den 'Negern nur unvollkommen aufgesaßt und gesprochen wurde. So bildeten sich unter den Negern der Kolonie von Anfang an zwei neue, unter sich verschiedene Sprachen aus, die Negerenglische und die Negerportugiesische, die jedoch, wie scharf sie ursprünglich geschieden sein mochten, mit der Zeit sich gegenseitig ergänzten und manche Worte und Wendungen mit einander gemein hatten. Letztere Sprache, ursprünglich ein verdorbenes Portugiesich, wurde auf den zahlreichen, jüdischen Eignern zugehörigen Planlagen gesprochen, und ist nun mit dem Wohlstände derer, die sie einführten, aus der Kolonie fast verschwunden. Sie wird nur noch von einem Stamme der freien Buschneger gesprochen, dem der sogenannten Samarakkaner an der oberen Suriname, welche meist von den genannten Plantagen absiammen und beim Friedensschlusie 1760 die Wälder an der oberen Samarakka, tief im Innern bewohnten, jetzt aber ihre Wohnsitze an der oberen Suriname haben." Die Sprache selbst wird vjoe-tongc» d. i. Jew-tongue genannt. Curiosum. (Ein Doppelgänger Napoleon's.) Sonntag Nachmittags war, wie die Olmützer N. Z. berichtet, mit dem Oderberger Zuge ein israelitischer Handelsmann aus Polen in Prerau angekommen, welcher im höchsten Grade die Aufmerksamkeit der im Bahnhofe Anwesenden erregte. Napoleon auf der Flucht, hieß es von allen Seiten, und Jeder drängte sich heran, um den interesianten Fremden zu sehen, der sich im Waggon einschließen mußte, um sich den lästigen Blicken der Neugierigen zu entziehen. Der Reisende soll in der That eine solche auffallende Ähnlichkeit mit Napoleon gehabt haben, daß es sich viele Anwesende nicht nehmen ließen, es sei der Kaiser auf der Flucht. Vermischtes. Aus den hinterlaffenen Tagebüchern und Skizzen des Profesiors Eduard Hildebrandt, der durch seine landschaftlichen und architektonischen Aquarellbilder berühmt geworden, ist seine „Reise um die Erde" erschienen (Berlin 1870), die bereits eine 2. Auflage erlebte. Der sehr gemüthliche und humoristische Autor erzählt von seiner Fahrt von Calcutta nach Singapore auf dem Dampfschiff Folgendes, was zwar von keiner Bedeutung, doch aber einen Einblick gewährt, ver uns zeigt, daß die Berhältniffe der Juden in Persien nicht ganz so erbärmlich sind, wie die christlichen Missionäre uns immer glauben machen. „Nach Aufhebung der Tafel macht mich ein nordamerikanifcher deutscher Landsmann, der einzige Mensch an Bord des „Baltic", mit dem eine Unterhaltung der Mühe verlohnt, auf den neuen Reisegefährten aufmerksam, der sich in Maulmen zu uns gesellt. Er ist ein aus Persien gebürtiger junger Israelit, der Sohn steinreicher Eltern, und macht seine große Tour, denn auch hier glaubt man die Erziehung durch längere Reisen zu vollenden. Der hossnungsvolle Jüngling ist von einem förmlichen Hofstaat umgeben, an dessen Spitze ein Rabbiner steht, der alle für seinen Zögling bestimmten Speisen koschert und für die Beobachtung der sonstigen religiösen Gebräuche sorgt. Der junge Reisende scheint weniger bestrebt, seine eigenen Erfahrungen zu bereichern, als einen vorteilhaften Eindruck auf die Umgebung zu machen und ihr durch die Entfaltung seiner Reichthümer zu imponiren. Gleich am ersten Tage erschien er in fünf verschiedenen Costümen an Bord und behing sich, gleich einer koketten Schönen, mit goldenen Kleinodien und Brillanten. Wenn ihm sein Glaube verbietet, mit uns Unreinen aus einer Schüssel zu effen, gestattet ihm sein Rabbi doch in Bezug auf das Getränk größere Freiheit. Das credenzte Ale mundet ihm sichtlich, ebenso der steife Grog, der als Nachttrunk in der Cajüte eingenommen wird, und am 17. Februar, als der Enkel Nathan's des Weisen ungewöhnlich spät auf Deck sichtbar ward, hielt ich mich zu einer Diagnose auf Katzenjammer berechtigt." Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.

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